Selenskij kritisiert Klitschko wegen Notlage in Kiew scharf Kein Strom, keine Heizung, aber strenger Frost – die ukrainische Führung schaltet sich in die bereits seit Tagen andauernde Notlage der Hauptstadt Kiew ein. Zugleich kritisierte Präsident Wolodimir Selenskij das bisherige Krisenmanagement der Stadtverwaltung unter Bürgermeister Vitali Klitschko.

Die Versorgungsnetze von Kiew waren bei einem russischen Luftangriff am vergangenen Freitag außer Gefecht gesetzt worden, was für Hunderttausende Menschen den Ausfall von Heizung, Strom und Wasser bedeutete. Die Hauptstadt befinde sich in einer humanitären Krise, schrieb der Journalist Oleksyj Sorokin vom Kyiv Independent. Auf der Plattform X schrieb er weiter: „Es gibt Orte in Kiew, die derzeit unbewohnbar sind.“

Auch andere ukrainische Städte haben durch russische Attacken auf ihre Energieversorgung einen Blackout erlitten. Die Angriffe zielen nach Kiewer Auffassung darauf ab, die Städte im Frost unbewohnbar zu machen. Die Regierung habe die Lage in Kiew, Odessa, Dnipro, Krywyj Rih und Charkiw besprochen, sagte Selenskij in seiner abendlichen Videoansprache. „Wir sehen, dass viel gemacht worden ist, – insbesondere in Charkiw, wo sich die lokalen Behörden vorbereitet haben“, sagte er. „Kiew hat leider deutlich weniger getan. In der Hauptstadt wurde sehr wenig unternommen.“ Auch jetzt gingen die Reparaturarbeiten dort nicht intensiv genug voran, kritisierte er. Der neue Energieminister Denys Schmyhal lobte ebenfalls Charkiw und kritisierte die Hauptstadt. Kiew habe sich „überhaupt nicht vorbereitet. Deshalb muss man jetzt zu Notfallmaßnahmen greifen“, sagte Schmyhal im Parlament.

Das Eingreifen der Regierung in Kiew und damit in Klitschkos Zuständigkeit bedeutet, dass ein alter politischer Konflikt wieder aufbricht. Zwischen Selenskij und Klitschko gibt es immer wieder Sticheleien.