Vor 1800 Zuschauern im Sportforum Berlin-Lichtenberg hat Borussia Düsseldorf die Tabellenführung in der Tischtennis-Bundesliga zurückerobert. Der Rekordmeister setzte sich gegen den stark ersatzgeschwächten TTC Fulda-Maberzell mit 3:1 durch, musste sich den Erfolg jedoch hart erarbeiten. Die Hessen lieferten einen leidenschaftlichen Kampf, hielten die Partie lange offen und sorgten mit mehreren Comebacks für einen emotionalen Tischtennis-Nachmittag in der Hauptstadt.
Dass Borussia sein „Heimspiel“ in Berlin austrug, ist für den Klub gelebte Tradition. Sportlich sprach vor der Begegnung vieles für die Düsseldorfer, die Fuldaer hingegen reisten mit dem letzten Aufgebot an. Neben dem langzeitverletzten Kao Cheng-jui fehlte auch Jonathan Groth, der weiterhin an einer Entzündung im Handgelenk laboriert. Zudem stand Dimitrij Ovtcharov nicht zur Verfügung, der zeitgleich beim WTT Star Contender in Doha sensationell das Halbfinale erreichte. Cheftrainer Qing Yu Meng stellte sich daher selbst auf – mit 52 Jahren.
Zum Auftakt bekam es der TTC-Coach mit Kanak Jha zu tun. Der Düsseldorfer dominierte zunächst klar und ging mit 2:0 in Führung, doch Meng kämpfte sich mit viel Übersicht und variantenreichem Spiel zurück. Tatsächlich erzwang der Fuldaer den Entscheidungssatz, in dem Jha schließlich die Nerven behielt und Borussia mit 1:0 in Führung brachte. „Das war eine brutale Leistung. Er hat alles rausgeholt, was im Tank war“, lobte Johannes Hodes, zweiter Vorsitzender der Maberzeller.
Den Höhepunkt aus Fuldaer Sicht lieferte anschließend Fanbo Meng. Gegen Dang Qiu, die deutsche Nummer eins, lag der 25-Jährige bereits mit 0:2 Sätzen zurück. Doch Meng steigerte sich deutlich, gewann den dritten Durchgang in der Verlängerung, glich aus und bewies im fünften Satz starke Nerven. Mit drei Punkten in Folge zum 11:9 sicherte er Fulda den Ausgleich – sein erster Sieg gegen Qiu im siebten Anlauf. „Das war seine beste Saisonleistung“, urteilte Hodes.
Im dritten Einzel traf Abwehrspieler Ruwen Filus auf Yongyin Li. Der Düsseldorfer agierte sehr stabil, entschied die ersten beiden Sätze für sich und ließ sich auch vom zwischenzeitlichen Anschluss nicht aus dem Konzept bringen. Mit einem klaren vierten Satz stellte Li die Weichen auf Gesamtsieg für Borussia.
Den Schlusspunkt setzte erneut Kanak Jha, der Fanbo Meng beim 3:0 kaum Chancen ließ. „Wir waren nach dem Spiel in Mühlhausen und der Reise nach Berlin schon ein bisschen müde“, räumte Jha ein. „Gerade im ersten Match habe ich das gemerkt. Deshalb wollte ich im zweiten Spiel noch konzentrierter und mit mehr Qualität auftreten – das hat dann gut funktioniert.“
Borussia-Trainer Danny Heister zeigte sich zufrieden: „Natürlich hätte ich lieber 3:0 gewonnen, aber Fulda hat stark dagegengehalten. Fanbo hat sehr gut gespielt, Kanak und Li waren dann entscheidend.“
Das faire Berliner Publikum feierte beide Teams und freute sich über große Nähe zu den Stars – darunter auch Timo Boll, der als Botschafter von Borussia Düsseldorf vor Ort war. Für den Rekordmeister geht es am kommenden Sonntag (25. Januar, 15.30 Uhr) mit dem nächsten Heimspiel weiter – dann aber wieder in eigener Halle. Gegner ist Bad Homburg.