In Andalusien sind zwei Hochgeschwindigkeitszüge kollidiert. Mindestens 21 Menschen starben, 73 wurden teilweise schwer verletzt. Zahlreiche Fahrgäste waren nach dem Unfall in den Zügen eingeschlossen. Im Netz verbreiteten sich Videos aus den Waggons.
Mindestens 21 Menschen sind im Süden Spaniens bei einem schweren Eisenbahnunglück ums Leben gekommen. Außerdem gebe es rund 30 Schwerverletzte, teilte Verkehrsminister Óscar Puente mit. Es handele sich um eine vorläufige Bilanz, betonte er. Bei dem Unfall unweit der Gemeinde Adamuz in der Provinz Córdoba kollidierten zwei Hochgeschwindigkeitszüge, nachdem einer von ihnen entgleist war.
Antonio Sanz, der regionale Gesundheitsminister der Provinz Andalusien, erklärte, die Rettungsarbeiten dauerten noch an. 73 verletzte Fahrgäste seien in sechs verschiedene Krankenhäuser gebracht worden. Die Lage an der Unglücksstelle sei „sehr ernst“, sagte Sanz. „Wir haben eine sehr schwierige Nacht vor uns.“
Unter den Todesopfern ist den amtlichen Angaben zufolge einer der Lokführer. Zahlreiche Fahrgäste waren demnach noch Stunden nach dem Unfall in den Zügen eingeschlossen. Die Rettungseinsätze seien aber kurz nach Mitternacht beendet worden, sagte einer der Helfer dem Sender RTVE.
Die regionale Leiterin des Zivilschutzes, María Belén Moya Rojas, sagte dem Sender Canal Sur, der Unfall habe sich in einem schwer zugänglichen Gebiet ereignet. Anwohner hätten Decken und Wasser zur Unglücksstelle gebracht, um den Betroffenen zu helfen.
Zug kracht in Waggons eines zuvor entgleisten Zuges
Nach bisherigen Erkenntnissen entgleiste ein Hochgeschwindigkeitszug der Gesellschaft Iryo, mehrheitlich im Besitz der italienischen Trenitalia, gegen 19:40 Uhr auf dem Weg von Málaga nach Madrid. Dann kollidierte er mit einem Zug der spanischen Gesellschaft Renfe auf dem Weg von Madrid in Richtung Huelva.
Nach Angaben von Verkehrsminister Óscar Puente entgleiste der hintere Teil des ersten Zuges und prallte gegen die vordere Spitze des zweiten Zuges, wodurch die ersten beiden Waggons aus den Schienen geschleudert wurden und eine vier Meter tiefe Böschung hinunterstürzten. „Der Aufprall war heftig und schleuderte die ersten beiden Waggons des Renfe-Zuges aus den Gleisen“, schrieb Puente auf X.
Puente sagte auf einer Pressekonferenz, die Ursachen des Unfalls seien noch unbekannt. Er bezeichnete den Vorfall als „wirklich seltsam“, da er sich auf einem ebenen Streckenabschnitt ereignet habe, der erst im Mai instand gesetzt worden war. Laut Puente war der entgleiste Zug weniger als vier Jahre alt.
Zahlreiche Fahrgäste waren nach dem Unfall in den Zügen eingeschlossen, wie der Sender RTVE unter Berufung auf die Rettungsdienste berichtete. Einsatzkräfte versuchten, die Passagiere so schnell wie möglich aus den Waggons zu befreien. Medienberichten zufolge befanden sich in den beiden Zügen insgesamt rund 500 Fahrgäste.
Fahrgast: „Es fühlte sich wie ein Erdbeben an“
Salvador Jiménez, Journalist des spanischen Senders RTVE, der in einem der Züge unterwegs war, sagte der AP am Telefon: „Es fühlte sich wie ein Erdbeben an, und der Zug war tatsächlich entgleist.“ Er erklärte, dass Fahrgäste Notfallhämmer genutzt hätten, um Fenster einzuschlagen, und dass einige unverletzt entkommen konnten. Videos von der Unglücksstelle zeigen Menschen, die aus Fenstern kletterten, während die Waggons schräg lagen.
In sozialen Medien verbreiteten Fahrgäste Fotos und Videos aus einem der Unglückszüge. „Wir sind auf der Rückfahrt von Córdoba, als der Zug entgleist ist. Uns in unserem Waggon geht es gut, aber wir wissen nicht, wie es den Fahrgästen in den anderen Waggons geht. Es gibt Rauch, und sie rufen nach einem Arzt“, schrieb ein Fahrgast auf X und teilte mehrere Videos.
Zu sehen ist in einem weiteren Video auch, wie ein Iryo-Mitarbeiter die Fahrgäste um Ruhe und Kooperation bittet und sie auffordert, ihren Platz einzunehmen und sich erkundigt, wer Hilfe benötigt. Nach Verlassen des Zuges filmte der Fahrgast auch, wie der letzte Waggon des Iryo-Zuges umgekippt auf der Seite liegt.
„Wir sind im Iryo-Zug von Córdoba nach Madrid. Ungefähr zehn Minuten nach der Abfahrt fing der Zug heftig an zu rütteln und entgleiste ab Waggon 6 rückwärts. Der Strom fiel aus. Wir sind in Waggon 5. Zum Glück scheint es allen gut zu gehen“, schrieb eine weitere Iryo-Kundin und teilte ein Foto, das den Übergang zu einem der entgleisten Waggons zeigt.
Sanchez: „Land steht an Ihrer Seite“
Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez sprach von einem „Abend tiefer Trauer aufgrund des tragischen Zugunglücks“. Er sprach den Familien und Angehörigen sein Beileid aus. „Keine Worte können solch großes Leid lindern, aber ich möchte Ihnen versichern, dass das ganze Land in dieser schweren Zeit an Ihrer Seite steht“, schrieb er auf X.
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen erklärte in einem Beitrag auf X, sie verfolge „die schrecklichen Nachrichten“ aus Córdoba. „Heute Abend seid ihr in meinen Gedanken“, schrieb sie auf Spanisch.
Der Verkehr auf der wichtigen Strecke zwischen Madrid und Andalusien ist unterbrochen und bleibt nach Angaben des Schienennetzbetreibers ADIF auch am Montag ausgesetzt.
dpa/AFP/gub/sebe