
Er ist ziemlich groß und sein Quaken erinnert an eine Mischung aus Kuh und Nebelhorn, der Nordamerikanische Ochsenfrosch. Sein Name macht deutlich, wo die Art ursprünglich beheimatet ist, oder anders gesagt, wo sie natürlicherweise nicht vorkommt, bei uns zum Beispiel. In den Niederlanden oder in einigen Regionen am Oberrhein hat das stattliche Tier allerdings schon stabile Bestände aufgebaut und stellt eine Gefahr zum Beispiel für seine heimischen Verwandten dar. In Münster wurde er bislang noch nicht gesichtet, doch die Expertinnen und Experten haben den Einwanderer durchaus auf dem Schirm.
Seine beeindruckende Größe von bis zu 20 Zentimetern macht ihn nahezu unverwechselbar: „Ochsenfrösche können sehr groß werden. Bei unseren regelmäßigen Monitoringuntersuchungen ist die Chance eher hoch, dass die Art auch bemerkt würde“, bestätigt Christian Göcking von der NABU Naturschutzstation. Eine Gefahr für die heimische Tierwelt stellt der Amerikanische Ochsenfrosch unter anderem wegen seines Appetits dar. Insekten, Spinnen, Würmer, Krebse, Fische, kleine Schildkröten, Eidechsen, Mäuse und sogar kleine Vögel stehen auf seinem Speiseplan – und eben auch andere Froscharten, die in Deutschland grundsätzlich unter Schutz stehen. „Der invasive Ochsenfrosch stellt eine Gefährdung insbesondere für die heimische Amphibienpopulation dar, da er räuberisch lebt und sich unter anderem von heimischen Amphibien ernährt. Allein durch seine Größe ist er den heimischen Arten überlegen“, wie Martin Füser im Auftrag der münsterschen Unteren Naturschutzbehörde erklärt.
Unbedachter Verkauf von Kaulquappen

Nach Europa ist der Nordamerikanische Ochsenfrosch zum Beispiel über Zoohandlungen gekommen, die seine Kaulquappen für den Gartenteich verkaufen. Dr. Hans-Uwe Schütz von der biologischen Station in den Rieselfeldern sieht beim unbedachten Umgang und Handel mit exotischen Arten ein großes Problem: „Im Normalfall wandert der Ochsenfrosch aus Unkenntnis oder Dummheit über die Anlage und den Besatz von Gartenteichen ein. Es ist schon verrückt, was alles an Tieren verkauft, gehalten und freigelassen oder ausgesetzt wird. Die Beschränkungen beim Verkauf fremdländischer Pflanzen und Tiere zum Beispiel durch Bau- und Gärtenmärkte sind erschreckend gering zum Wohle des freien Handels. Über den Gartenmüll entsorgte Pflanzen führen letztendlich zu solchen Problemen, wie wir sie heute mit dem Japanknöterich oder dem Riesenbärenklau haben. Bei den Tieren sind es vor allem Fische und Reptilien. Bei den Pflanzen wird auch viel durch pflanzliches Futter aus anderen Regionen importiert. Siehe Beifuß-Ambrosia als hochallergene Pflanze.
Der Amerikanische Ochsenfrosch stellt aufgrund einer biologischen Besonderheit schon als Kaulquappe ein Problem dar. Abgesehen davon, dass sie den Laich anderer Amphibien frisst, sollen die Kaulquappen zudem ein Sekret ins Wasser abgeben, das andere Amphibienlarven in ihrer Entwicklung hemmt. In den Rieselfeldern sind zahlreiche Amphibienarten zuhause, manche von ihnen gehören zu den bedrohten Arten. Das Auftauchen des Amerikanischen Ochsenfrosches würde ein Problem darstellen: „Da es bei uns auch eine Population des gefährdeten Kleinen Wasserfrosches gibt, würden wir hier in den Rieselfeldern Ochsenfrösche entnehmen, um den Druck auf diese geschützte Art zu verringern. Allerdings sollten solche Maßnahmen eigentlich dann auch durch den ‚freien Handel‘ bezahlt werden, da dieser als Verursacher das Problem erst herbeigeführt hat. Nur ist es bei uns so, dass dies dann dem Naturschutz obliegt, der sich dann kümmern soll, eine herrliche Beschäftigungstherapie. Daher bin ich persönlich eher gegen das Hinterherlaufen hinter sogenannten Neubürgern oder fremdländischen Arten (Neobiota). Wenn die Gesellschaft will, dass viele Importe zu uns kommen, dann muss sie sich nicht wundern“, wie Schütz offensichtlich genervt anmerkt.

Der Mensch ist das Problem
Überhaupt sieht der promovierte Landschaftsökologe das Problem eher bei uns als beim Ochsenfrosch oder bei anderen eingeführten Arten: „Ich denke, wir sind die größte Bedrohung sowohl für uns selbst als auch für die uns umgebende Lebenswelt auf diesem Planeten! Im Großen gesehen ein philosophisches Problem: Der Mensch sieht sich immer nur über den Systemen stehend und meint Vieles regulieren zu können; wenn der Mensch sich mehr als ein Teil des Ganzen begreifen und vor allem dann auch entsprechend handeln würde, hätten wir viele Probleme nicht. Übrigens sind dies keine neuen Probleme. Es gibt sie letztendlich, seit dem wir den weltumspannenden Handel und Tourismus haben. Naturschutz- und Umweltverbände prangern dies auch seit Mitte der siebziger Jahre an. Nur sie werden nicht gerne gehört, da die Konsequenzen immer weniger Bequemlichkeit bedeuten.“
In anderen Regionen Deutschlands wird der Amerikanische Ochsenfrosch bereits bejagt und „entnommen“, wie es etwas euphemistisch heißt. Sollte es in Münster zu einer Sichtung des Froschriesen kommen, besteht ebenfalls Handlungsbedarf, wie die Untere Naturschutzbehörde erklärt: „Aufgrund der Bedrohung der heimischen Amphibienpopulationen würde das Amt für Grünflächen, Umwelt und Nachhaltigkeit Bekämpfungsmaßnahmen ergreifen, sollte es lokale Meldungen geben. Jedes Vorkommen ist der Unteren Naturschutzbehörde zu melden. Die schnelle Entnahme aus der Natur beugt einer möglichen Etablierung und Ausbreitung am wirksamsten vor“.
Michael wurde im niedersächsischen Celle geboren und kam 1990 zum Studieren nach Münster. Er ist Geograf und arbeitet heute in der Unternehmskommunikation. Seine Schwerpunkte liegen in den Bereichen Umwelt, Gesundheit und Soziales aber auch in den Naturwissenschaften. Michael ist leidenschaftlicher Radfahrer, Wanderer und Amateurfotograf.