Der Comedien brachte seine neue Show in die Schleyer-Halle und erinnerte sich an Liebeskummer.

Er kennt sich aus in der Gegend, er kommt aus ihr. Özcan Cosars aktuelles Programm heißt VIP – „Very Important Person“. Auf Englisch, findet der Comedian, hört sich das gut an. Auf Deutsch weniger: „Sehr wichtige Person. Abgekürzt: Promi – das klingt wie ein perverser Schwabe aus Bietigheim-Bissingen.“

Cosar, 44 Jahre alt, geboren in Bad Cannstatt, zuhause in Karlsruhe, witzelt gerne auch mal boshaft, ein kleines bisschen unkorrekt. Bevor er ein gebräuchliches, aber verschmähtes Wort benutzt und feixt, lauscht er erst gründlich in die vollbesetzte Hanns-Martin-Schleyer-Halle hinaus, um sich zu vergewissern, dass keine Angehörigen indigener Völker Nordamerikas anwesend sind. Flapsig, nicht ohne Charme und mit quietschvergnügtem Redefluss um die Ränder von Fettnäpfchen herum zu tänzeln scheint sein Beruf zu sein. Cosar ist türkischer Herkunft und serviert also auch türkische Klischees. Sein Publikum besteht zu offensichtlich großen Teilen aus Menschen, die sein Geburtsland oder sein Herkunftsland mit ihn teilen, und es lacht am Sonntag gut zwei Stunden lang, mit nur einer Unterbrechung, der Pause.

Wie kam er zu seinem Erfolg?

Özcan Cosar spielte viele Male im Theaterhaus. Er war Mitglied von Comedy-Ensembles, er tritt auf im Fernsehen, er hat eine eigene Show, er nahm teil an Tanzwettbewerben, er ist komödiantisch hyperaktiv. Wie all das kam verrät er seinen Stuttgarter Fans. Nicht etwa das schnöde Geld lockte ihn auf seine Laufbahn. Nein, es war Annika. Das war zu jener Zeit als Özcan jung und Skater war, im Weilimdorf vermutlich. Er himmelte eine Annika an. Annika ließ ihn stehen, Özcans Herz zerbrach. Da beschloss er, besser als alle anderen zu werden. Schließlich kam er, deutscher Meister im Breakdance des Jahres 2000, zurück, brüllte: „Hey! Wo ist die Annika?“ – und erhielt zur Antwort: „Die ist weggezogen.“ Ob das wohl wahr ist?

Egal. Eine große Gabe Özcan Cosars ist jedenfalls seine Nachahmung eines ziemlich robusten südwestdeutschen Tonfalls. Er verfügt, um sich ganz verständlich zu machen, auch über ein großes Arsenal an Lauten aus dem Tierreich, er grunzt und gackert, verdreht hörbar die Augen und schlendert mit coolen, komischen Dance-Moves umher im Scheinwerferlicht seiner grellroten Kulisse. Auf seinem schwarzen T-Shirt steht „Moruk“, was, das Wörterbuch verrät es, in türkischem Alltagsjargon so viel wie „Kumpel“ heißt. Es ist das Wort, das Özcan Cosar am häufigsten verwendet auf der Bühne.

Ein klein bisschen Politik

Zwar rückt Özcan Cosar, mit großer Publikumswirkung, Urinale und Urologen stark in den Mittelpunkt seines Humors, doch ein klein bisschen Politik darf auch hinein, beiläufig, aber frech. Cosar kennt sich mit Generationen aus, er zählt sie auf. Er hat von Babyboomern gehört, von der Generation X, der Generation Y, der Generation Z, der Generation A. Er sieht in die Zukunft: „Dann gibt es noch die Generation AfD, das ist 2033 bis 2045.“ Wenig Gelächter im Saal, eher ein Murren. „Diesen Gag streichen“, notiert sich Özcan Cosar.

Er macht sich stark außerdem für die Allgemeine Ortskrankenkasse, gegen eine Zweiklassenmedizin. 2024 erlitt Özcan Cosar einen Herzinfarkt. Ihm wurde erst Schwarz vor Augen, erzählt er, dann Weiß, dann wieder Schwarz. „Ich dachte, ich sterbe“, sagte er zu RTL. „Ich dachte, ein Zebra geht an mir vorbei“, sagt er in Stuttgart. Özcan Cosar hat seine Gitarre mitgebracht in die Schleyer-Halle. Er kalauert, klimpert, spielt ein wenig Flamenco (er kann es), bringt seine Fans dazu, ein paar Takte aus Leonard Cohens „Hallelujah“ mit ihm zu singen und lässt sich mit seinem jubelnden Publikum im Rücken fotografieren: „Ich habe mir einen Traum meines Lebens erfüllt! Ich war heute Abend in meiner Heimatstadt!“ Er wird wiederkehren – am 20. März 2027 aber erst.