Von Seoul bis Mexico City – Metropolen in aller Welt durften sich bereits „World Design Capital“ nennen. 2026 geht der Titel nach Frankfurt und ins Rhein-Main-Gebiet. Hinter dem hochtrabenden Namen stehen konkrete Projekte, bei denen Mitmachen ausdrücklich erwünscht ist.
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03:34 Min.|hr
Was bringt die „World Design Capital“ der Region?
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Bild © hessenschau.de
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Mitten im Stadtteil Bornheim, wo Frankfurt ganz dörflich ist, liegt die Werkstatt von OMC°C. Nicola Stattmann und ihre Mitarbeiterinnen haben eine alte Werkhalle im Hinterhof ausgebaut und sich kleine Büros in einer Art Glashaus eingerichtet. In dem großen Raum davor entwickeln sie ihre Produkte: Modulare System zur Begrünung urbaner Räume.
„Wir müssen unsere Städte abkühlen und Grün ist der beste Beitrag dazu“, sagt Stattmann. Da die Böden im urbanen Raum meist versiegelt sind und sich unter der Erde oft Tiefgaragen, U-Bahnen oder Leitungen befinden, braucht es Designideen, um auf Plätzen und an Fassaden Begrünung überhaupt zu ermöglichen. Dafür hat Nicola Stattmann 2022 das Office for Micro Climate Cultivation (OMC°C) mitgegründet.
„Schattengrün“ will mit Pflanzen Abkühlung in die Städte bringen.
Bild © OMC°C
Clevere Mitmach-Idee
Für das Jahr der World Design Capital hat das Start-Up-Unternehmen eine clevere Mitmach-Idee namens „Schattengrün“ entwickelt. „Uns war ganz wichtig, dass jeder das installieren kann ohne einen großen Eingriff in das Haus, ohne Schrauben und Kleben, komplett reversibel“, sagt Produktdesignerin Thea Griep.
Dazu werden einfach zwei Stangen in die Fensterlaibung geklemmt und mit Textilien versehen, auf denen einjährige Pflanzen ranken können. Das Material, Samen und Blumenkästen, können Interessierte bei OMC°C ab März bestellen. Bis zu zehn Grad Abkühlung im Wohnraum und ein spürbarer Effekt auch im Straßenraum seien möglich, sagen die Designerinnen.
Hunderte Projekte in Rhein-Main
„Schattengrün“ ist eins von Hunderten Projekten, die sich in diesem Jahr am Programm zur World Design Capital beteiligen. Frankfurt mit der Rhein-Main-Gebiet trägt 2026 als erste Region Deutschlands den Titel der Weltdesignhauptstadt. Eine Auswahl weiterer Projekte:
- Die Ada-Kantine in Frankfurt-Bockenheim entwickelt für ihr „solidarisches Restaurant“ zusammen mit dem studio formagora Tische und Stühle, die in öffentlichen Bauevents gemeinsam hergestellt werden.
- In Offenbach wird die frühere Kaufhof-Filiale zu einem lebendigen Treffpunkt mit Bibliothek für alle umgebaut – als Teil einer neuen, liebenswerten Stadtmitte.
- Im Wiesbadener Rheingauviertel entsteht an mehreren Sonntagen ein „Superblock“ nach dem Vorbild von Barcelona, bei dem sich der Straßenraum temporär in eine öffentliche Spiel- und Begegnungszone verwandelt.
- Am Frankfurter Mainufer wird unter dem Titel „Main-Light“ eine autarke und klimaneutrale Beleuchtung für den öffentlichen Raum installiert, mit der ein Fahrradweg insektenfreundlich und nur bei Bedarf illuminiert werden kann.
„Main-Light“ soll ein Beispiel für klimaneutrale, umweltgerechte Beleuchtung werden.
Bild © Main-Light
Design – Mehr als schön gestaltete Möbel
„Design bringen ja viele Menschen in Zusammenhang mit schön gestalteten Möbeln oder Handtaschen“, sagt Carolina Romahn, die Geschäftsführerin der World Design Capital Frankfurt RheinMain.
Doch darum gehe es hier nicht, betont sie: „Wir haben einen anderen Designbegriff, nämlich Design als Methode, als Prozess, um mit vielen Stimmen zu definieren, wo wir hinwollen.“ Widerstände von Behörden und Bürokratie gelte es dabei zu überwinden, wünscht sich Romahn: „Da wollen wir Mut machen und dafür sorgen, dass ein Schub entsteht.“
16 Millionen Euro Gesamtkosten
Die Gesamtkosten von rund 16 Millionen Euro werden von der Stadt Frankfurt und weiteren Kommunen der Region sowie vom Land Hessen getragen. Hinzu kommen eine Förderung durch den Kulturfonds Frankfurt RheinMain und Sponsoring von beteiligten Projektpartnern und Unternehmen.
Weitere Informationen „World Design Capital“ (WDC)
Der Titel wird alle zwei Jahre von der World Design Organisation mit Sitz in Montreal vergeben – an Städte und Regionen, die Design erfolgreich als Werkzeug für sozialen, ökologischen, kulturellen und wirtschaftlichen Fortschritt nutzen. Metropolen in aller Welt haben den Titel schon getragen, von Helsinki bis Kapstadt, von Seoul bis Mexico City. Jetzt geht er zum ersten Mal nach Deutschland. Einen Programmkalender gibt es hier.
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Im Rheingauviertel in Wiesbaden soll an mehren Sonntagen Hessens erster „Superblock“ entstehen.
Bild © Wolfgang Gaida
„Nicht nur alles schick und schön hier“
Verantwortlich für die Bewerbungsphase war die Architektin, Autorin und Kuratorin Anna Scheuermann. Bezogen auf viele eher unansehnliche Orte in der Region klinge der hochtrabende Titel der Weltdesignhauptstadt tatsächlich „etwas lächerlich“, räumt sie ein.
„Aber der Gedanke war nicht zu zeigen, wie schick und schön hier alles ist – das hätte man anhand der Hochhäuser auch auf die Spitze treiben können.“ Vielmehr gehe es darum, wie das Zusammenleben in der Region funktioniere und wie man darauf aufbauen könne. „Design heißt Gestaltung unseres Alltags, Gestaltung unserer Zukunft“, ist Scheuermann überzeugt.
„Demokratie-Kioske“ sollen ins Gespräch bringen
Um Menschen über das gemeinsame Gestalten ihrer Umgebung miteinander ins Gespräch zu bringen, sollen ab Mai elf künstlerisch gestaltete „Demokratie-Kioske“ in der Region zum Gespräch einladen. In Jugendeinrichtungen beginnen bereits im Februar kreative „Young Urban Future Labs“.
Und das Museum Angewandte Kunst am Frankfurter Museumsufer verwandelt sich ab 24. Januar in einen „WDC-Hub“ als lebendiger Treffpunkt und zentrale Anlaufstelle der World Design Capital 2026. Eröffnet wird Designhauptstadt-Jahr am Freitag (16. Januar) mit einem Grand Opening und anschließender Party in der Darmstädter Centralstation.
Studio formagora will mit Freiwilligen Möbel für die solidarische Ada-Kantine bauen.
Bild © Studio Formagora
Entscheidungen „von unten nach oben“
Teil des Programms sind auch zwei runde Jubiläen, die auf die lange Tradition der Rhein-Main-Region in Sachen Stadtgestaltung verweisen. Das vor 100 Jahren von Ernst May gestartete revolutionäre Wohnungsbauprogramm „Neues Frankfurt“ wird in mehreren Veranstaltungen auf die Gegenwart und Zukunft bezogen.
Und zum 125-jährigen Jubiläum der Darmstädter Mathildenhöhe beleuchtet die Ausstellung „A Step Ahead“ das visionäre Design zu Zeiten des Jugendstils als zukunftsweisendes Modell.
Allerdings sei damals – beim Neuen Frankfurt und der Mathildenhöhe – „vieles Top-Down entschieden“ worden, gibt Anna Scheuermann zu bedenken. „Wir versuchen mit ‚Design for democracy‘ genau den umgekehrten Weg von unten, also Bottom-up.“
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Redaktion:
Alexandra Müller-Schmieg
Sendung:
hessenschau.de, Stadt begrünen, Innenstädte beleben, Nachbarschaft gestalten, 15.01.26, 16:00 Uhr / hessenschau,
17.01.26, 19:30 Uhr
Quelle: hessenschau.de