Judith Braun19.01.202610:20
Überdosiert können manche Vitamine im Körper schwerwiegende Folgen anrichten. Durch die Einnahme von zu hohen Dosen einiger Vitamine könnte sogar das Krebs-Risiko steigen.
Vitamine sind für den menschlichen Körper essenziell und daher lebensnotwendig. Sie gelten allgemein als gesundheitsfördernd und können Studien zufolge zur Prävention schwerwiegender Erkrankungen wie Krebs beitragen, wie etwa Vitamin D. Zudem wird einigen Vitaminen eine schützende Wirkung gegenüber geistigem Abbau zugeschrieben. Da der Körper die meisten Vitamine nicht selbst herstellen kann, müssen sie über die Nahrung oder andere externe Quellen aufgenommen werden. Erfolgt diese Zufuhr jedoch in ungeeigneter Dosierung, kann sich der Effekt ins Gegenteil verkehren und das Krebsrisiko unter Umständen erhöhen.
ANZEIGEÜberdosierung von Vitaminen kann zu erhöhtem Lungenkrebs-Risiko führen
Das Prinzip „viel hilft viel“ gilt bei Vitaminen nicht uneingeschränkt, wie die Augsburger Allgemeine berichtet. So weist eine Studie aus dem Jahr 2019 darauf hin, dass die Einnahme hochdosierter Vitamin-B12-Präparate mit einem erhöhten Risiko für Lungenkrebs verbunden sein kann. Dabei ist zu betonen, dass Vitamin B12 nicht selbst krebsauslösend wirkt. Vielmehr könnte eine Überdosierung das Wachstum bereits vorhandener Krebszellen begünstigen. Auch zufolge einer amerikanischen Studie aus dem Fachjournal Journal Clinical Oncology könnte die jahrelange Einnahme von hochdosiertem Vitamin B6 und B12 das Lungenkrebs-Risiko (von Rauchern) deutlich erhöhen. Die Deutsche Krebsgesellschaft rät daher, vor einer möglichen Supplementierung den Vitamin-B12-Serumspiegel bestimmen zu lassen und ärztlichen Rat einzuholen.
ANZEIGE
Meistgelesene Artikel der Woche
Auch die zusätzliche Einnahme bestimmter Antioxidantien – darunter die Vitamine A, C und E – könnte die Entstehung bösartiger Lungentumoren fördern. Darauf deuten Ergebnisse einer Studie aus dem Jahr 2023 hin, die im Fachmagazin Journal of Clinical Investigation veröffentlicht wurde. Antioxidantien spielen normalerweise eine wichtige Rolle für die Gesundheit von Haut, Zähnen, Zahnfleisch, Blutgefäßen und Knochen. Unter bestimmten Umständen könnten sie jedoch auch Mechanismen aktivieren, die das Wachstum von Krebszellen unterstützen.
Die Untersuchung zeigte, dass die Vitamine die Neubildung von Blutgefäßen in Tumoren fördern könnten. Dadurch würden die Krebszellen besser mit Nährstoffen versorgt und ihr Wachstum beschleunigt. Auf antioxidanzienreiche Lebensmittel wie Obst und Gemüse müsse laut den Studienautorinnen und -autoren jedoch nicht verzichtet werden, da sie kein vergleichbares Risiko darstellen. Anders verhalte es sich bei entsprechenden Nahrungsergänzungsmitteln wie Tabletten, Tropfen oder vitaminangereicherten Getränken: Von deren Einnahme raten die Forschenden eher ab.
ANZEIGE
Deutsche nehmen im Durchschnitt zu viel Vitamin B6 und B12 ein
Die Aufnahme von Vitamin B6 und B12 liegt in Deutschland insgesamt über den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE), wie das Deutsche Krebsforschungszentrum (dkfz) mitteilt. Zwar zählt Vitamin B6 laut ndr.de zu den wasserlöslichen Vitaminen, die bei einer übermäßigen Zufuhr in der Regel über den Urin ausgeschieden werden. Bei einer sehr hohen und langfristigen Einnahme kann Vitamin B6 nach Angaben des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) jedoch neurotoxisch wirken. Das bedeutet, dass es schädliche Auswirkungen auf das – insbesondere sich entwickelnde – Nervensystem haben kann, wie das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung erläutert.
Wer trotz einer ausgewogenen und vollwertigen Ernährung und ohne diagnostizierten Mangel nicht auf Nahrungsergänzungsmittel verzichten möchte, sollte sich an den von der DGE empfohlenen Referenzwerten für Vitamine und Mineralstoffe orientieren.