Stand: 19.01.2026 07:25 Uhr
Die Jugendorganisation der AfD, „Junge Alternative“, wurde vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestuft – und löste sich vergangenes Jahr auf. Nun hat die AfD SH eine neue Jugendorganisation gegründet – und einen Vorsitzenden gewählt.
In Neumünster hat die AfD den Landesverband ihrer neuen Jugendorganisation „Generation Deutschland“ gegründet. Die Delegierten wählten Jasper Griebel zum Vorsitzenden – mit 30 Ja- und zwei Nein-Stimmen. Er hatte keinen Gegenkandidaten. Griebel war in den vergangenen Jahren mehrfach wegen mutmaßlicher Verbindungen ins gewaltbereite rechtsradikale Milieu aufgefallen.
Griebel: „Platz und Sicherheit für eigenes Volk“
In seiner Bewerbungsrede bezeichnete der 26-Jährige die Auflösung der „Jungen Alternative“ als einen strategischen Fehler und kündigte an, dass es unter ihm keine Distanzierung vom rechten Vorfeld geben werde. Weiter sagte er, die Jugend müsse man dort abholen, wo sie sei. Das bedeute vor allem in den sozialen Medien. Remigration und Demografie bezeichnete er als „Schicksalsfragen unserer Zeit“. Man müsse die Geburtenrate erhöhen. Integrationsverweigerer müssten das Land verlassen, so Griebel. Er wolle „Platz und Sicherheit für unser eigenes Volk zurückgewinnen.“ Desweiteren sprach er sich für neue Atomkraftwerke aus. Die Bundeswehr müsse über eigene Atomwaffen verfügen.
Demo vor dem Gewerbegebäude in Neumünster

Mehrere Hundert Menschen demonstrierten gegen die Gründung von „Generation Deutschland“.
Rund 500 Gegendemonstranten hatten sich am Sonntagmittag vor dem Veranstaltungsort in der Christianstraße versammelt. Unter anderem hatte das zivilgesellschaftliche Bündnis „Runder Tisch für Toleranz und Demokratie Neumünster“ zu einer Kundgebung aufgerufen. Auf Plakaten stand zum Beispiel „Nie wieder ist jetzt“. Am Nachmittag löste sich die Kundgebung auf.
Mehr Kontrolle über AfD-Nachwuchsorganisation
Die Vorgängerorganisation von „Generation Deutschland“, die „Junge Alternative“, hatte sich im Frühjahr aufgelöst, nachdem der Verfassungsschutz sie als gesichert rechtsextrem eingestuft hatte. Während die „Junge Alternative“ ein eigenständiger Verein war, ist die „Generation Deutschland“ nun Teil der Partei. Beobachter gehen davon aus, dass die AfD so mehr Kontrolle über ihren Nachwuchs bekommen und sie vor einem möglichen Verbotsverfahren schützen will.
Politikwissenschaftler: keine Mäßigung zu erwarten

Professor Wilhelm Knelangen: „Die Kampfsignale sind ganz klar gesetzt.“
Laut Politikwissenschaftler Wilhelm Knelangen ist die Hauptmotivation hinter der Neugründung eher eine rechtliche Strategie, als eine inhaltliche Umorientierung. Mit Blick darauf, welche Personen dort eine Rolle spielten und welche Schlagworte in der Diskussion vertreten würden, gebe es keinen Anlass zu glauben, dass die „Generation Deutschland“ gemäßigter oder demokratischer wäre als die Vorgängerorganisation. „Die Kampfsignale sind ganz klar“, erklärt Knelangen im Gespräch mit NDR Schleswig-Holstein, „das ist keine Tarn-Organisation, sondern das sind Rechtsextreme, die auch als solche auftreten.“
Innenministerin Magdalena Finke (CDU) kündigte an, die Entwicklungen dieser Struktur, die darauf abziele junge Menschen frühzeitig politisch zu beeinflussen, sehr genau zu bewerten.

Sechs Wochen nach Gründung von „Generation Deutschland“ gibt es nun auch einen Landesverband. Michael Seidel berichtet.

CDU, Grüne, SPD und SSW stimmten am Mittwoch dafür, dass die Landesregierung ein gestaffeltes Verfahren vorbereiten soll.

Auch Aussagen von Politikern aus Schleswig-Holstein trugen zu der Einstufung als „gesichert rechtsextremistisch“ bei.

AfD-Politiker Kevin Dorow droht möglicherweise ein Ermittlungsverfahren wegen einer Äußerung auf dem Gründungskongress der Parteijugend.