Im Süden Spaniens sind bei einem schweren Eisenbahnunglück mindestens 24 Menschen getötet worden. Laut der Polizei wurden bei der Kollision zudem etwa einhundert Menschen verletzt. Regionalpräsident Juanma Moreno sprach von 15 Schwerverletzten, zuvor waren 25 Schwerverletzte gemeldet worden. Die Zahl der Toten werde vermutlich steigen, sagte der oberste Notfallbeauftragte der südspanischen Region Andalusien, Antonio Sanz.

Unter den Toten ist nach Informationen des spanischen Innenministeriums einer der Lokführer, zur Identität und Herkunft der weiteren Toten wurden bisher keine Angaben gemacht. Am frühen Morgen lagen nach amtlichen Angaben noch mehr als 70 Verletzte
in insgesamt sechs Krankenhäusern. Einige würden einer Notoperation
unterzogen, sagte Moreno. 

Bilder im spanischen Fernsehen zeigten Rettungskräfte und -wägen rund um die Unfallstelle. „Alles ist vollkommen zerstört“, sagte der Leiter der Feuerwehr in Córdoba, Francisco Carmona, dem spanischen Sender TVE. Spanischen Medienberichten zufolge hatten sich insgesamt rund 400 Passagiere an Bord der beiden Züge befunden, die Nachrichtenagentur dpa meldet rund 500 Personen. 

Ursache des Unfalls bisher unklar

Am Sonntagabend gegen 19.40 Uhr waren zwei Züge in der Provinz Córdoba kollidiert. Der Iryo-Hochgeschwindigkeitszug der italienischen Gesellschaft Trenitalia, der von der andalusischen Stadt Málaga nach Madrid unterwegs war, entgleiste der spanischen Bahngesellschaft Adif zufolge nahe der Stadt Adamuz. Der Zug geriet demnach auf das andere Gleis, wo er mit einem Zug des Betreibers Renfe zusammenstieß, der daraufhin ebenfalls entgleiste. 

© Lea Dohle

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„Der Aufprall war so heftig, dass die beiden vorderen Wagen des Renfe-Zuges infolgedessen aus den Gleisen geschleudert wurden“, sagte Spaniens Verkehrsminister Óscar Puente. Diese Waggons stürzten eine vier Meter hohe Böschung hinunter und wurden weitgehend zerstört. Ein Journalist des Senders RNE, der in einem der Züge unterwegs war, sagte, der Aufprall habe sich wie „ein Erdbeben“ angefühlt. Passagiere hätten Notfallhämmer benutzt, um Fenster der Waggons einzuschlagen und hinauszukommen. 

Die Ursache des Unfalls ist bisher unklar. Die hinteren Waggons des Zuges des Betreibers Iryo seien auf einem geraden und erst kürzlich renovierten Streckenabschnitt entgleist, sagte Verkehrsminister Puente mit. Zudem sei der entgleiste Zug „praktisch neu“ gewesen. Der Unfall sei daher „extrem seltsam“, sagte Puente. 

Bahnverkehr bleibt den gesamten Montag unterbrochen

Die spanische Bahngesellschaft Adif teilte mit, angesichts der Situation werde der Hochgeschwindigkeitszugverkehr zwischen Madrid und Córdoba, Sevilla, Málaga und Huelva mindestens den gesamten Montag unterbrochen sein. An den Bahnhöfen in diesen Städten seien zudem Räume eingerichtet worden, um den Angehörigen der Opfer zu helfen.

Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez teilte mit, er verfolge die
Lage „mit großer Aufmerksamkeit“. Die spanische Königsfamilie sprach den
Angehörigen der Verstorbenen ihr Beileid aus. Auch die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, sprach den Familien und Angehörigen ihr Beileid aus. „Den Verletzten wünsche ich eine schnelle und vollständige Genesung. In dieser Nacht seid ihr in meinen Gedanken“, schrieb sie auf X.

Spanien verfügt über das größte Hochgeschwindigkeitsbahnnetz Europas. Spezielle Gleise mit einer Länge von insgesamt mehr als 3.000 Kilometern verbinden große Städte wie Madrid, Barcelona, Sevilla, Valencia und Málaga. Im Jahr 2013 waren bei der Entgleisung eines Hochgeschwindigkeitszugs vor der nordwestlichen Stadt Santiago de Compostela 80 Menschen getötet und mehr als 140 weitere verletzt worden.