Mario Vogel und Jasmina Matesa haben die Kaffeerösterei Blackbird Coffee auf den Fildern gegründet. Was ist das Besondere an ihrem Unternehmen, und was ist ihnen wichtig?
Um die Kaffeerösterei Blackbird Coffee zu finden, muss man im Echterdinger Industriegebiet eine Weile suchen: An der Dieselstraße 26 gibt es nämlich noch kein Schild, das auf das Unternehmen hinweist, und einige andere Firmen sind in den Gebäuden drumherum beheimatet. Hat man die richtige Tür aber gefunden, und ist die Treppe hinuntergestiegen, lohnt sich der Besuch – Schatzkammern sind ja bekanntlich auch nur mit einigem Aufwand zu finden.
In dieser Schatzkammer lagern Kaffeebohnen in großen Säcken – „das ist der einzige Nachteil hier“, erklärt Mario Vogel, „wenn wir eine Lieferung bekommen, müssen wir die Säcke von Hand hier herunter tragen.“ Mario Vogel und seine Partnerin Jasmina Matesa – beide kommen aus Filderstadt – haben ihr Unternehmen von ganz klein aufgebaut, langsam, aber stetig, über die Jahre hinweg. Seit 2014 gibt es ihre Kaffeerösterei Blackbird Coffee. „Das hat damit angefangen, dass wir uns privat für Kaffee interessiert haben“, erzählt Mario Vogel. Der 39-Jährige fand es spannend, wie die Kaffeebohnen zum Kaffee werden, wie die Röstung funktioniert, und wie und wo die Kaffeebohnen überhaupt angebaut werden, und beide trinken – klar – gerne guten Kaffee.
Kaffeerösterei in Echterdingen: Wie hat das angefangen?
„Wir haben dann mal in München eine kleine Rösterei besucht“, erinnert Vogel sich. Das sei „ein riesiger Aha-Effekt“ gewesen, was die Maschinen und die Technik hinter der Röstung angehe. „Wie man aus den Bohnen verschiedene Sorten rösten kann, wie sie sich geschmacklich unterscheiden, das wollte ich verstehen.“ Und so fing er an, Seminare dazu zu besuchen, die meisten davon im Fortbildungszentrum für Profis, dem „Coffee Consulate“ in Mannheim. „Über diese Kurse hatten wir auch die ersten Kontakte zu Kaffeefarmern in Brasilien“, berichtet Vogel. So gründeten die beiden Blackbird Coffee. „Zuerst hatten wir nur einen kleinen Heimröster, und haben bei meinen Eltern die Bude vollgeraucht“, erinnert sich Mario Vogel und lacht.
Mario Vogel befüllt den Röster mit Kaffeebohnen. Foto: Markus Brändli
Den gibt es aber mittlerweile nicht mehr. Professionelles Equipment zum Rösten und Abfüllen steht hier nun, unter anderem auch ein Farbsortierer: „Nach dem Rösten sortieren wir unsere Bohnen noch einmal“, erklärt Mario Vogel. „Unreife, helle Bohnen werden von der Maschine erkannt und aussortiert – das verbessert den Geschmack des Kaffees noch einmal.“ Neun verschiedene Sorten plus einen koffeinfreien Kaffee bieten sie an, auf ihrer Internetseite sind die genauen Rösttiefen und Geschmacksnoten genau aufgelistet und beschrieben.
Blackbird Coffee auch in Stuttgart zu haben
Mario Vogel und Jasmina Matesa ist wichtig, dass ihr Unternehmen langsam und natürlich gewachsen ist, ohne den Druck, dass es sich gleich rentieren muss. Ihren Kaffee kann man im Online-Shop auf ihrer Internetseite bestellen, oder beim monatlich stattfindenden Werksverkauf. Ausgeschenkt wird er unter anderem im Café Monokel in Echterdingen, im „Bertha’s Place“, das zur Filderhalle gehört, und auch in einigen Cafés in der Stuttgarter Innenstadt, etwa der Brotique oder dem Café Justus. „Wir haben nie Werbung geschaltet, die Leute haben uns weiter empfohlen“, sagt Matesa. Beide haben ihre Jobs behalten, Jasmina Matesa kommt aus der Agrarbiologie und ist im Umwelt- und Nachhaltigkeitsmanagement tätig, Mario Vogel ist Qualitätsingenieur, aktuell hat er seine Arbeitszeit bereits reduziert, um mehr Zeit für ihr Unternehmen zu haben. Beide bringen durch ihre Berufe auch Wissen mit, das sie bei Blackbird Coffee brauchen können.
Mario Vogel und Jasmina Matesa in Brasilien – auf dieser Fläche wird bereits nach dem Agroforst-System angebaut. Foto: Blackbird Coffee
Denn sie haben große Pläne: Im November und Dezember waren sie in Brasilien, um ihr nächstes großes Projekt anzugehen: den eigenen Kaffeeanbau. Dazu haben sie nun eine Fläche gefunden, und zwei Farmerinnen, die den Kaffee anbauen werden. Kaffee werde bisher hauptsächlich im Monokultursystem angebaut, also als einzige Sorte auf dem Feld. Einerseits lauge das den Boden aus, andererseits gebe es wegen des Klimawandels viel häufiger extreme Hitze oder Starkregen. „Die Kaffeepflanzen leiden darunter“, sagt Jasmina Matesa. Für ihren eigenen Anbau möchten sie deshalb etwas Neues wagen: Agroforst heißt das Konzept, das sie umsetzen wollen. „Dabei wird auf der Fläche ein eigenes Biosystem aufgebaut, das sich selbst trägt“, erklärt die 43-Jährige.
Bodengewächse sorgen für die richtigen Nährstoffe im Boden, das wird mit Bodenproben kontrolliert. Schattenpflanzen schützen die Kaffeepflanzen vor zu viel Sonne. „Es wird gezielt ausgesät, was dem Boden guttut und was er braucht“, so Matesa. „Die alteingesessenen Farmer vor Ort sind natürlich skeptisch“, ergänzt Mario Vogel. „Aber wir kennen Flächen, die nach dem Agroforst-System bepflanzt werden, und es funktioniert.“ Ernteausfälle durch Regen oder Hitze sollen minimiert werden, das sich selbst tragende Ökosystem macht auch den Einsatz von Pestiziden unnötig.
Eigens angebauter Kaffee bei Blackbird Coffee
Ernteausfälle sorgen eben auch dafür, dass weniger Ertrag gebracht wird, und weniger Kaffee auf dem Markt verfügbar ist. Das treibt die Preise nach oben, das wissen die beiden nur zu gut. Auch hier wollen sie sich mit ihrem eigenen Anbau künftig besser absichern. Aber Kaffee ist ein Langzeit-Invest, das wissen die beiden. Die jetzt gesetzten Kaffeepflanzen werden erst in drei Jahren die erste richtige Ernte einfahren. Spätestens dann wollen Mario Vogel und Jasmina Matesa auch wieder vor Ort in Brasilien sein – und mit ernten.
„Wir sehen einen tieferen Sinn in dem, was wir tun“, sagt Mario Vogel. Umwelt, Nachhaltigkeit, ein guter Umgang mit den Farmern vor Ort in Brasilien, das liegt ihnen am Herzen. „Wir haben uns auch bewusst für das Agroforst-Projekt entschieden, weil wir darin einen zukunftsfähigen Ansatz für den Kaffeeanbau sehen, weil es eine notwendige Antwort auf steigende Temperaturen, Wasserknappheit und ausgelaugte Böden ist“, sind die beiden überzeugt. „Wir haben Ziele und Ambitionen, ganz klar“, sagt Jasmina Matesa. „Wir wollen wachsen, aber nicht um jeden Preis. Wir wollen uns treu bleiben.“
Die Termine für die Werksverkäufe stehen immer aktuell auf www.blackbirdcoffee.de.