
In Portugal werden der Sozialist Seguro und der Rechtspopulist Ventura wohl in einer Stichwahl um das Amt des Präsidenten kämpfen. Nach ersten Auszählungen liegen die beiden Politiker in der ersten Runde der Wahl vorn.
Bei der Präsidentschaftswahl in Portugal wird eine Stichwahl zwischen dem Sozialisten António José Seguro und dem Rechtspopulisten André Ventura nötig.
Seguro von der sozialdemokratisch orientierten Sozialistischen Partei (PS) landete in der ersten Runde der Wahl mit gut 31 Prozent auf Platz eins, wie die Wahlbehörde CNE mitteilte. Der Chef der aufstrebenden Rechtspopulisten, Ventura, errang einen weiteren Erfolg und belegte Rang zwei. Nach Auszählung von mehr als 99 Prozent aller Wahlbezirke kam der 43-Jährige auf 23,5 Prozent der Stimmen.
Aufstieg der Rechtspopulisten
Das gute Abschneiden von Ventura im Kampf um die Nachfolge des konservativen Amtsinhabers Marcelo Rebelo de Sousa untermauert den rasanten Aufstieg der Rechtspopulisten in Portugal. Nur sechs Jahre nach ihrer Gründung war Venturas Partei Chega („Es reicht“) im Mai vorigen Jahres bereits zur zweitstärksten Kraft im Parlament in Lissabon avanciert.
In der Stichwahl werden Ventura aber kaum Siegeschancen eingeräumt. Der Grund: Mehr als 60 Prozent der Befragten gaben in den Umfragen an, in einer Stichwahl auf keinen Fall für den Rechtspopulisten stimmen zu wollen.
Experten zufolge betrachtete Ventura die Wahl in erster Linie als Stimmungstest, sein langfristiges Ziel ist demnach das Amt des Regierungschefs. „André Ventura kandidiert, um seine Wählerbasis zu halten“, sagte der Politikwissenschaftler António Costa Pinto von der Universität Lissabon.
Erstmals seit 1986 Stichwahl
Elf Millionen Wahlberechtigte waren aufgerufen, den Nachfolger des konservativen Präsidenten Marcelo Rebelo de Sousa zu bestimmen, der nach zwei aufeinanderfolgenden Amtszeiten nicht mehr kandidieren durfte. Der Präsident hat in Portugal keine exekutiven Befugnisse, kann aber in Krisenzeiten das Parlament auflösen, Neuwahlen ausrufen oder den Ministerpräsidenten entlassen.
Da keiner der Kandidaten reelle Chancen auf eine absolute Mehrheit hat, wird erstmals seit 1986 bei der Wahl des Staatsoberhauptes eine Stichwahl nötig sein.