Es ist vier Uhr morgens: Arne Boehler ist bereits wach und geht mit einer Tasse Kaffee zum Schreibtisch in seinem Zuhause. Am frühen Morgen, sagt er, habe er einen freien Kopf und sei bereit für die leere Seite, die sich vor ihm befindet. Dann schreibt er los – jeden Tag etwa 400 Wörter. Um sechs Uhr morgens ist Schluss mit der Fiktion und es geht zurück in die Realität.

Denn Boehler ist Lehrer an einem Gymnasium in Marktoberdorf. Bislang sah der Alltag von Boehler genau so aus. Für seine geplante Trilogie ordnet der 55-Jährige seine Prioritäten neu und arbeitet seither nur noch als Teilzeitkraft an seiner Schule.

Arne Boehler: Lehrer und Autor

„Die Vorstellung, selbst zu schreiben, war damals ganz weit weg“, sagt Boehler rückblickend. Das änderte sich, als er zufällig ein selbst veröffentlichtes Buch in die Hand bekam. Weder ein Verlag noch ein bekannter Name in Sicht – und gerade das machte ihm Mut. „Wenn so jemand ein Buch veröffentlicht, kann ich das auch“, gibt er preis.

Als stellvertretender Schulleiter war sein Terminkalender prall gefüllt: Unterricht, Elterngespräche und Organisation standen auf dem Plan. Gleichzeitig wuchs sein Wunsch, mehr zu schreiben. Heute sieht er seine Entscheidung, in Teilzeit zu gehen, als konsequenten Schritt. „Es war die einzige Möglichkeit, mit dem Schreiben weiterzumachen“, sagt er. „Manchmal habe ich 15.000 Wörter geschrieben und wieder gelöscht“, erzählt Boehler über den aufwendigen Prozess. Ein guter Roman bestehe nämlich nicht nur aus schönen Sätzen, sondern brauche ein Konzept mit spannenden Charakteren.

Zwischen Selfpublishing und Verlag: Arne Boehlers Weg

Mit seinem Buch „… Sonst stirbt sie“ legte er den ersten Band seiner neuen Thrillerreihe bei einem Verlag vor – mit Erfolg. Dafür reichte Boehler ein Exposé sowie eine Leseprobe ein und bekam im Jahr 2023 schließlich die Zusage für seine Geschichte rund um Augsburger Hauptkommissarin Svenja Paulus. Allerdings galt der Vertrag nur für dieses eine Buch. Das sei in der Branche üblich, erklärt er.

Die größten Unterschiede zum Selfpublishing seien für ihn vor allem Kosten und Entscheidungsfreiheit. Als Selfpublisher müsse er das Lektorat zwar aus eigener Tasche bezahlen, könne dafür aber jede kreative Entscheidung selbst treffen. Im Verlag sei es umgekehrt: Er müsse zwar bei vielen Punkten Kompromisse eingehen, dafür würden die Kosten übernommen und die Reichweite sei deutlich größer. Aber auch die Zeit spielt eine große Rolle für den Autor. „Verlage brauchen meist länger bei der Veröffentlichung“, erklärt er. Genau dieser Zeitfaktor habe ihn schließlich dazu gebracht, seinen zweiten Band „… Und war tot“ wieder selbst herauszubringen. Für ihn sei es bislang sein gelungenstes Buch, sagt Arne Boehler zufrieden. Der Roman ist am 15. Oktober dieses Jahres erschienen.

Eine Trilogie mit Fortsetzungspotenzial

Im neuesten Teil der Thriller-Trilogie steht Kommissarin Svenja Paulus vor ihrem zweiten Fall und wird selbst zur Hauptverdächtigen: Ihr wird vorgeworfen, ihren Jugendfreund ermordet zu haben. Während sie gegen die Anschuldigungen ankämpft, tritt die 15-jährige Franziska in ihr Leben, eine rebellische Jugendliche aus dem Heim, die behauptet, mehr zu wissen. Nach und nach wird klar, dass beide Schicksale enger miteinander verknüpft sind, als Svenja wahrhaben will.

Die Fortsetzung soll voraussichtlich im Sommer 2026 erscheinen. Die Stadt Augsburg bleibt weiterhin der Schauplatz für die Ermittlungen von Svenja Paulus. „Ich mag die Stadt, ich habe dort gelebt, studiert und im Referendariat gearbeitet“, sagt Boehler über Augsburg. Außerdem biete sie viele geschichtsträchtige Kulissen, die sich gut als Schauplätze für seine Romane eignen. Selbst einen vierten Teil hält er offen: „Die Welt von Augsburg und Svenja Paulus bietet noch genügend Stoff.“

  • Philipp Duba

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