Man möchte sich vorstellen, dass Lesehündin Nanu tatsächlich versteht, was Guiliana da erzählt. Die Neunjährige liest aus einem Buch der Kinderbuchreihe „Die Schule der magischen Tiere“ vor. Dabei geht es um Kinder, die zusammen mit magischen, sprechenden Tieren Abenteuer erleben. Geduldig hört Nanu zu, während die Neunjährige beim Vorlesen in die magische Welt abtaucht. Dass Nanu vermutlich nicht wirklich versteht, worum es geht, spielt keine Rolle. Hauptsache, sie hört zu. Das ist die Idee hinter dem Projekt, das es nun auch in der Stadtbücherei in Gersthofen gibt.

So funktioniert das Projekt Lesehund

Nanu ist ein ruhiger, freundlicher Labradoodle. Bevor sie zur Lesehündin wurde, musste sie sozusagen selbst in die Schule. „Die Nanu musste eine bundesweit einheitliche Prüfung ablegen“, erzählt ihre Besitzerin Beykar Naschetti. Sie arbeitet in der Stadtbibliothek in Gersthofen und begleitet das Projekt dort. „Die Prüfung hatte einen theoretischen und einen praktischen Teil und wurde von einer Tierärztin abgenommen“; erzählt Naschetti. Nun ist Nanu eine von vielen Lesehündinnen.

Entstanden ist die Idee dazu schon vor ein paar Jahren. Das Lesehund-Projekt wurde 2008 von Kimberly Ann Kistler in München gegründet. Inzwischen wird ihr Programm bundesweit an Schulen oder in Büchereien angeboten. Auch im Landkreis gibt es bereits Lesehunde, zum Beispiel in Königsbrunn. Die Idee dahinter ist einfach: Hunde hören geduldig zu, bewerten nicht und schaffen eine entspannte Atmosphäre. Viele Kinder verlieren dadurch ihre Hemmungen, lesen motivierter und gewinnen Selbstvertrauen, berichtet Beykar Naschetti: „Die Kinder bekommen dadurch einen angstfreien Zugang zu Büchern.“

Wer kann an dem Projekt Lesehund teilnehmen?

Das Angebot richtet sich an alle Kinder ab der zweiten Klasse. Besonders an Kinder mit Leseschwierigkeiten, Sprachhemmungen oder geringem Selbstvertrauen. Denn: Wer eine Schwäche beim Vorlesen hat, hat es besonders in der Schule oft nicht leicht. „Durch das Lesehund-Projekt verlieren die Kinder ihre Hemmungen“, sagt Naschetti. Schließlich bewerten Hunde nicht. Allein durch ihre Anwesenheit entspannen sie die Kinder. So ist das augenscheinlich auch bei Guiliana. Während sie aus ihrem Lieblingsbuch vorliest, fällt die Anspannung spürbar ab.

An seinem Arbeitsplatz: Hund Milo, mit der siebenjährigen Paula und Büchereileiterin Hildegard Häfele in Königsbrunn.

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An seinem Arbeitsplatz: Hund Milo, mit der siebenjährigen Paula und Büchereileiterin Hildegard Häfele in Königsbrunn.
Foto: Sabine Hämmer (Archiv)

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An seinem Arbeitsplatz: Hund Milo, mit der siebenjährigen Paula und Büchereileiterin Hildegard Häfele in Königsbrunn.
Foto: Sabine Hämmer (Archiv)

Ähnliche Erfahrungen hat Hildegard Häfele gemacht. Sie ist die Leiterin der Bücherei in Königsbrunn und sagt: „Viele Kinder brauchen einfach ein bisschen Anschub.“ Den bekommen sie in Königsbrunn von Lesehund Milo, einem Mischling aus dem griechischen Tierschutz. Auch ihm können Kinder vorlesen. In Königsbrunn werden dazu Gutscheine für Lesestunden an Lehrerinnen und Lehrer gegeben, die sie dann an ihre Schülerinnen und Schüler weitergeben. „Das wird sehr gut angenommen“, berichtet Büchereileiterin Häfele. Praktisch alle Termine seien ausgebucht.

Info Die Plätze beim Lesehund-Projekt in Gersthofen sind begrenzt. Anmeldung per Mail an stadtbibliothek@gersthofen.de oder telefonisch unter 0821/2491-513. Mehr Informationen zum Projekt finden Sie auch im Internet unter www.lesehund.de.

  • Philipp Kinne

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  • 86368 Gersthofen

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  • Hündin

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