
Luxus sei eine Frage der Raumerfahrung, sagt der Architekt. Die Maßeinheit für den Bau aus war der 1,90 Meter große Hausherr; an ihm orientieren sich sämtliche Raumhöhen. Mindestens 2,20 Meter beträgt die Deckenhöhe im Haus.
Einar Elton
Drinnen dominieren helles Pappelholz und Aalto-Möbel ein offenes Raumkontinuum auf zwei Ebenen.
Einar EltonSimple, yet sophisticated
Die äußere Form hielt der Architekt entsprechend schlicht und, der geschlossenen Gestalt zuliebe, in einem einzigen Material: dem geschwärzten Kernholz der Bergkiefer, wie es für die traditionellen Winter-Cabins Norwegens üblich ist. Die Dachschrägen bestimmten die Auflagen der Gemeinde, die für die zeitgenössische Interpretation der klassischen Typologie einen präzisen Rahmen definierten; ganz so frei, wie das Briefing vermuten ließ, war Aasarød also doch nicht. „Außerdem ist der Hausherr ziemlich groß“, erzählt er, „1,90 Meter etwa – das haben wir als Maßstab angesetzt und daraus sämtliche Dimensionen abgeleitet.“ Was sich nach Le Corbusier anhört, ergab ein kontinuierliches Raumprogramm mit verschiedenen Zonen und Deckenhöhen zwischen 2,20 und vier Metern. Testen konnten das die Auftraggeber noch vor Baubeginn: Aasarød und seine Mitarbeiter klebten die Räume in Lebensgröße auf ihrem Hinterhof ab und luden die Bauherren zur Grundsatzdiskussion im Grundriss ein.
Getestet wurde der Bau im lebensgroßen Grundriss
„Geplant haben wir das Haus in erster Linie von innen, es ist ja eine Winterhütte; ein Sommerhaus würde ich umgekehrt angehen.“ Im Inneren der schwarzen, schlichten Hülle verbirgt sich ein lichtdurchflutetes Interieur aus hellem Pappelholz. Die Möblierung kommt von den Auftraggebern, erklärten Alvar Aalto-Fans, die auch in diesem Punkt ganz auf Aasarøds Wellenlänge lagen. „Oft sieht man seinen Entwurf ja mit Schrecken, wenn die Bewohner erst einmal eingezogen sind“, lacht der Architekt, „in diesem Fall aber bin ich zutiefst einverstanden.“
Überhaupt gehört das Loslassen hier gewissermaßen zum Konzept: „Ich mag den Gedanken, dass sich das Haus im Lauf der Jahreszeiten verändert. Sobald sich der Schnee darüberlegt, verschwimmen die Grenzen zwischen Natur und Architektur, wird aus dem Objekt ein Teil der Landschaft.“ Das war die eigentliche Herausforderung, sagt Aasarød: ein Haus, das zum Detail seiner Umgebung wird, ohne gänzlich darin aufzugehen. Architektur muss sich ihrem Kontext bewusst sein, aber sie soll sich auch ihren Platz darin behaupten dürfen. „Als Kinder haben wir die Dächer der tief eingeschneiten Cabins wie kleine Berge beim Skifahren zum Schanzen benutzt“, erinnert sich der Architekt. „Dieses Motiv hatte ich beim Entwurf vor Augen.“ Ein Bild, das wohl ebenso norwegisch ist wie der Troll im Bergwald.