Im größten Gefängnisskandal der bayerischen Nachkriegsgeschichte hat die Staatsanwaltschaft Augsburg nach gesicherten Informationen unserer Redaktion nun eine erste Anklage erhoben. Die früheren Leiterinnen der JVA Augsburg-Gablingen, Zoraida Maldonado de Landauer (63) und Susanne B. (38), sowie der mutmaßliche Rädelsführer aus der sogenannten Sicherungsgruppe werden unter anderem der Körperverletzung im Amt beschuldigt.
Der Hauptvorwurf gegen die ehemalige Gablinger Gefängnisleitung: Körperverletzung im Amt
Die drei sollen hauptsächlich für einen mutmaßlichen Folterskandal in der JVA Gablingen, einem der modernsten Gefängnisse Bayerns, verantwortlich sein. Die Anklage richtet sich zum Landgericht Augsburg und beinhaltet schwere Vorwürfe. Wegen mutmaßlicher Misshandlungen von Gefangenen, die unsere Redaktion im Oktober 2024 publik gemacht hat, wird seit eineinviertel Jahren gegen mindestens 18 Bedienstete des Knastes ermittelt, darunter eben auch die frühere Leiterin Maldonado de Landauer und ihre Stellvertreterin B. – unter anderem wegen des Verdachts der Körperverletzung im Amt und der Freiheitsberaubung. In der JVA Gablingen soll ein System von Gewalt und Machtmissbrauch geherrscht haben. Häftlinge sollen von Bediensteten – vor allem aus den Reihen der speziellen Sicherungsgruppe – geschlagen und teils viel zu lange in speziellen Kellerzellen isoliert worden sein.

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In der JVA Augsburg-Gablingen sollen etliche Häftlinge misshandelt worden sein.
Foto: Marcus Merk
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In der JVA Augsburg-Gablingen sollen etliche Häftlinge misshandelt worden sein.
Foto: Marcus Merk
Im Zentrum des Skandals steht die frühere Vizechefin Susanne B. Diese soll über die Jahre eine Art „Schreckensregime“ hinter den Gefängnismauern errichtet haben. Doch das wirft die Frage auf, was die Leiterin Maldonado de Landauer darüber wusste. Mit dem vorläufigen Abschluss der polizeilichen Ermittlungen legen Chatnachrichten nahe, dass sie über das Tun ihrer Stellvertreterin wohl gut informiert war. Und dass sie dieser ziemlich freie Hand ließ – während sie selbst es sich offenbar im Homeoffice bequem machte.
Häftlinge sollen in Gablingen nackt und viel zu lange in spezielle Kellerzellen gesperrt worden sein
Die beiden Leiterinnen des Gefängnisses haben sich seit dem Dienstantritt von Susanne B. Anfang 2023 offenbar zunehmend über Handychats ausgetauscht. Das legt ein Teil der über 40.000 Handynachrichten nahe, die die Ermittler im Folterskandal um die JVA Gablingen ausgewertet haben. So wurde die Knastchefin häufig auch per Handy über die Belegung der Spezialzellen informiert. Diese „besonders gesicherten Hafträume“ (bgH) stehen im Zentrum der Ermittlungen. Dutzende Häftlinge sollen dort über einen Zeitraum von gut eineinhalb Jahren rechtswidrig nackt und teils viel zu lange untergebracht worden sein.
Die Ermittler von Staatsanwaltschaft und Kripo hatten eine Vielzahl von Zeugen und Beschuldigten vernommen. Die Anklage gegen die mutmaßlichen Hauptverantwortlichen ist nur ein erster Schritt. Mit weiteren Anklagen ist zu rechnen. Als Nächstes wird sich die zuständige Strafkammer des Landgerichts Augsburg mit der Frage befassen, ob sie die erste Anklage zur Hauptverhandlung zulässt. Mit einem öffentlichen Strafprozess wäre erst in einigen Monaten zu rechnen. Bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung gilt die Unschuldsvermutung.
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