Liebe Leserin, lieber Leser,

wenn Sie ein
Instagram-Konto haben, dann erzähle ich Ihnen im Folgenden nichts Neues,
andernfalls aber schon: Zurzeit sehen sich viele Menschen veranlasst, Fotos von
sich aus dem Jahr 2016 zu teilen. Die meisten schreiben darunter einen kleinen
Aufsatz darüber, wie ihr Leben damals aussah – was sie beschäftigte, womit sie
ihre Zeit verbrachten, was gut lief und was nicht und, besonders interessant,
was aus all diesen Dingen wurde. Viele Leute, das fällt auf, sahen vor zehn
Jahren bemerkenswert frisch und ausgeschlafen aus, andererseits wirken fast
alle heute viel mehr bei sich. 

Ich erinnere mich
in Bezug auf 2016 vor allem an eine Frage, die langsam, sehr langsam in mein
Bewusstsein sickerte und die sehr viel naiver klingt, als sie sich anfühlt: Wie
kann es sein, dass in einer Welt, in der es als erstrebenswertes Ziel gilt, ein
guter Mensch zu sein, so oft und immer öfter die Rüpel gewinnen? (Keine Ahnung,
an wen Sie gedacht haben beim Lesen des Wortes „Rüpel“, aber ja, klar, genau
den meine ich.)  

Allzu häufig
gewinnen die Rüpel aber nur, weil die Nicht-Rüpel sie gewinnen lassen, manchmal
aus Freundlichkeit, bisweilen aus reiner Ignoranz. Allzu oft ist das Rüpeltum
sogar systemimmanent. Als Teilnehmer des für seine Zügellosigkeit berühmten
Hamburger Straßenverkehrs passiert es mir beispielsweise in ansteigender
Häufigkeit, dass vor mir fahrende Fahrer urplötzlich den Warnblinker setzen,
stehen bleiben und aussteigen, mitten in der Spur, um irgendwas zuzustellen,
abzuholen, auszuladen, was weiß ich. Alle folgenden Fahrzeuge müssen sich nun
auf eine andere, ebenfalls volle Spur bemühen, mitunter auch in den
Gegenverkehr, und um das warnblinkende Fahrzeug herumquälen. Klar, das
Warnblink-Parken mag verboten sein. Machen aber alle, geht nicht anders, jaja
– das sind dann so die Ausreden. And the winner is… tja.  

© ZON

Newsletter
Elbvertiefung – Der tägliche Newsletter für Hamburg

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Ich bin sicher,
die für Verkehrsregeleinhaltungsüberwachung zuständige Innenbehörde arbeitet
schon an einem wirksamen Hebel gegen die Macht des Stärkeren. Bis der greift,
bleibt mir nur der Appell: Don’t be a Rüpel in a Rüpel world. Just don’t.  

Ich wünsche Ihnen
einen schönen Tag! 

Ihr Florian
Zinnecker
 

Wollen Sie uns Ihre Meinung
sagen, wissen Sie etwas, worüber wir berichten sollten? Schreiben Sie uns eine
E-Mail an hamburg@zeit.de.

WAS HEUTE WICHTIG IST

© Christian Charisius/​picture alliance/​dpa

Das Grab des
ehemaligen Bundeskanzlers Helmut Schmidt und seiner Frau Loki auf dem Friedhof
Ohlsdorf ist erneut mit Hakenkreuzen beschmiert worden. Bereits im
Dezember 2023 hatte es eine ähnliche Tat an dem Grab der beiden gegeben. Die
Hakenkreuze, die Beamte zwischenzeitlich mit gelber Farbe übersprühten, werden
von Steinmetzen entfernt. Helmut Schmidt (SPD) war von 1974 bis 1982
Bundeskanzler. Er starb im November 2015, seine Ehefrau bereits 2010.

Die Städte
Berlin und Hamburg vertiefen ihre Zusammenarbeit bei Mobilitätsthemen.
Die Hauptstadt soll der sogenannten Metropol-Modellregion Mobilität beitreten,
die bislang nur zwischen dem Bund und der Hansestadt bestand. Das Projekt dient
etwa der Entwicklung des autonomen Nahverkehrs und klimafreundlicher Mobilität,
zudem soll der Austausch zwischen Bund, Ländern, der EU-Kommission sowie
zwischen Wirtschaft und Wissenschaft vereinfacht werden.

Im Prozess um die
Entführung der Block-Kinder
will das Landgericht Hamburg heute ein weiteres
Mal den mutmaßlichen Chef der Kidnapper befragen. Es ist bereits der fünfte
Verhandlungstag, an dem der 68-Jährige als Zeuge erscheint. Der Geschäftsführer
eines israelischen Sicherheitsunternehmens soll die Entführung der beiden
jüngsten Block-Kinder aus Dänemark in der Silvesternacht 2023/24 organisiert
und durchgeführt haben. Er ist in dem Fall auch Beschuldigter und wurde bis vor
einigen Wochen mit Haftbefehl gesucht. Für seine freiwillige Aussage sicherten
ihm die Ermittlungsbehörden sicheres Geleit zu.

In aller Kürze

Im Elbtunnel ist
noch bis heute Abend um 18 Uhr je einer der drei Fahrstreifen beider
Richtungen gesperrt
. Grund dafür ist ein Warnstreik-Aufruf der Gewerkschaft
Ver.di an alle Hamburger Landesbeschäftigten, zusätzlich wird die
Betriebszentrale des Elbtunnels bestreikt Nach dem Zusammenstoß einer
Lok und eines Busses im Stadtteil Wilhelmsburg, bei dem eine 19-jährige Frau
starb und sechs weitere Personen verletzt wurden, sucht die Polizei nun mit
einem Aufruf nach Zeugen
Das Miniatur Wunderland soll noch in
diesem Jahr seine erste Achterbahn bekommen. Eine realistische
Geschwindigkeit zu erzeugen, sei dabei die größte Herausforderung gewesen,
sagte Wunderland-Gründer Gerrit Braun

THEMA DES TAGES

© Christian Charisius/​picture alliance/​dpa

Um das Regime zu treffen, brannte der Koran

Weil sie an einer
drastischen Protestaktion vor der Blauen Moschee in Hamburg teilnahmen, stehen
zwei Exil-Iraner vor Gericht. Sie berufen sich auf die Meinungsfreiheit. Lesen
Sie hier einen Auszug aus dem Gerichtsreport von Elke Spanner.

Wie viele Menschen
bereits bei den aktuellen Protesten gegen das Regime im Iran starben, kann
niemand genau sagen. 5.000 Tote gibt es bisher nach Angaben des islamischen
Regimes, 16.000 nach Aussagen der Opposition. Von Leichenbergen ist die Rede,
von Hinrichtungen, von den sogenannten Revolutionsgarden, die plötzlich das
Feuer auf friedliche Demonstrierende eröffnet haben sollen.

Und während all das
geschieht, sitzen die Iranerin Jasmin M. und der Iraner Reza K. am Montagmorgen
in Hamburg vor Gericht. Sie ist 36 Jahre alt, er ist 75. Beide sind in Hamburg
im Exil. Sie sind vor Jahren nach Deutschland geflohen, um ihr Leben zu retten,
wie sie sagen. Ihren Protest gegen das totalitäre Mullah-Regime haben sie hier
in Hamburg fortgesetzt. Das hat sie jetzt als Angeklagte vor das Amtsgericht
Hamburg-St. Georg gebracht.

Jasmin M. und Reza K.
waren im August 2022 bei Protesten vor der sogenannten Blauen Moschee an der
Außenalster dabei. Träger des Gotteshauses war das Islamische Zentrum Hamburg
(IZH). Der Verfassungsschutz stufte es bereits seit Jahrzehnten als islamistisch
ein, auch als Außenstelle des Regimes im Iran. IZH-Funktionäre sollen direkte
Weisungen aus Teheran erhalten haben. Aus all diesen Gründen wurde das IZH
später, im Juli 2024, verboten und die Moschee geschlossen.

Genau das hatten die
Demonstrierenden damals bei ihrer Aktion verlangt. Während in der Blauen
Moschee rund 3.500 Gläubige beteten, protestierten rund 20 Iranerinnen und
Iraner vor der Tür. Es gab mehrere Redebeiträge. Dabei rissen einzelne
Demonstrierende Seiten aus einem Koran heraus und verbrannten sie. Jasmin M.
und Reza K. sollen das nicht selbst getan haben, werden aber von der
Staatsanwaltschaft für die Verbrennung mitverantwortlich gemacht.

Angeklagt sind sie wegen
des Paragrafen 166 im Strafgesetzbuch, der verkürzt gesagt die Gotteslästerung
bestraft. Wer „Glaubensbekenntnisse beschimpft und dadurch den öffentlichen
Frieden stört“, dem drohen demnach bis zu drei Jahre Gefängnis. Ihre Anwälte
schütteln über diesen Vorwurf den Kopf. „Das iranische Regime legitimiert mit
dem Koran die Ermordung Tausender Gegner“, sagt Rechtsanwalt Matthias Wisbar. „Und
dieses diktatorische Regime wird jetzt durch die deutsche Justiz vor Kritik
geschützt.“

Wie das Verfahren für die Angeklagten ausging, lesen Sie weiter in der ungekürzten Fassung auf zeit.de.

DER SATZ

© Studio Bozzetto & Co. – »Signor Rossi«

„Glück hängt zu 20 Prozent von den Voraussetzungen ab,
die dir bei Geburt mitgegeben werden, zu 30 Prozent kommt es auf deine Umgebung
und die Menschen um dich herum an, und zu 50 Prozent auf das, was du tust oder
lässt.“

ZEIT-Kulturkorrespondent
Volker Weidermann machte sich in einer ZEIT-Titelgeschichte auf die Suche nach
dem Glück – und ging die Sache mal anders an als üblich.

DARAUF KÖNNEN SIE SICH FREUEN

Das 17. Märchenfest des
Märchenforums Hamburg ist von der Ausstellung Katzen! im MARKK inspiriert.
Märchen von Naschkatzen, Tigern und verliebten Katern erwachen zum Leben und
werden an unterschiedlichen Orten im Museum erzählt. Die Besucher sind herzlich
eingeladen, sich als Katzen zu kostümieren. Der Tänzer und Künstler Salah Zater
präsentiert zwischen 12 und 16 Uhr eine interaktive wandelnde
Katzen-Performance.

Sonntag, 25. Januar, ab 10.30 Uhr; Museum am
Rothenbaum, Rothenbaumchaussee 64

MEINE STADT

Zentaurenkampf am Platz der Republik in Altona © Marcela Musso

HAMBURGER SCHNACK

Mit einem meiner
Schutzbefohlenen fahre ich mit der S21 Richtung Altona. Draußen ist alles
voller Schnee. Ich möchte einen Witz machen und sage: „Es hat aber doll
geschnitten.“ Darauf der Lütte (4): „Ja, Schneitwetter!“

Gehört von
Angela Wolter

Das war die Elbvertiefung, der tägliche Hamburg-Newsletter der ZEIT.
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