Auf der Tür eines Klassensraums ist auf einem Schild "Abitur! Bitte Ruhe!" zu lesen. (Themenbild)

AUDIO: Fehlerhafte Abi-Aufgabe bringt Bildungsministerium unter Druck (1 Min)

Stand: 20.01.2026 06:33 Uhr

Fehlerhafte Zitate in der Geschichts-Abiturprüfung sorgen in Mecklenburg-Vorpommern für Kritik. Die Opposition im Landtag und Schülervertreter stellen die Qualität und Kontrolle der Aufgaben infrage.

Eine offenbar fehlerhafte Aufgabe im schriftlichen Geschichtsabitur vom vergangenen Mai setzt das Bildungsministerium in Mecklenburg-Vorpommern unter Druck. In der Prüfung wurden Zitate eines Politikers verwendet, die nach Medienberichten nicht korrekt überprüft waren. Das wird nun von Oppositionspolitikern und Schülervertretungen kritisiert.

Zitate aus veralteter Internetquelle

Nach einem Bericht der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ stammen die verwendeten Zitate von einer privat betriebenen Internetseite, die seit rund 18 Jahren nicht mehr aktualisiert worden sein soll. Der Betreiber sei zudem nicht per E-Mail erreichbar. Die Zitate seien offenbar ungeprüft in die Abituraufgaben übernommen worden.

Landesschülerrat übt deutliche Kritik

Der Landesschülerrat reagierte mit scharfer Kritik und stellt die Medienkompetenzvermittlung an den Schulen in Mecklenburg-Vorpommern infrage. Es sei „enorm fragwürdig“, dass einem Ministerium solch grobe Fehler unterliefen. Schülerinnen und Schüler hätten sich lange und intensiv auf die Abiturprüfungen vorbereitet. Erst im Nachhinein zu erfahren, dass Aufgaben fehlerhaft gewesen seien, wirke entmutigend. Zudem würde das Ministerium mit „zweierlei Maß“ messen: „In der Schule soll uns ein hinterfragender Umgang mit Quellen nahegelegt werden und die eigenen Ministerialbeamten entnehmen aus einer Jahrzehnte alten Website irgendwelche Zitate […], ohne diese zu überprüfen“, so Felix Wizowsky, Vorsitzender des Landesschülerrates.

CDU fordert erneute Beratung im Landtag

Die CDU will das Thema erneut im Bildungsausschuss des Landtags aufgreifen. Bereits im Juni war der Vorgang dort Thema gewesen, sagte der bildungspolitische Sprecher der CDU, Torsten Renz. Damals habe das Ministerium erklärt, die Prüfungsaufgaben seien wissenschaftlich korrekt. Inzwischen gebe es jedoch neue Zweifel an der Qualität und der Bewertung der Geschichtsprüfung. Außerdem habe man die Einladung des Landesbeauftragten für die Aufarbeitung der SED-Diktatur zu dem Thema beantragt. Renz fordert im Sinne der Transparenz außerdem, den Tagesordnungspunkt dann öffentlich zu beraten.

„An Peinlichkeit kaum zu überbieten“

Scharfe Kritik kommt auch von CDU-Landeschef Daniel Peters. Er bezeichnete den Vorgang auf der Plattform „X“ als „peinlich“ und wirft dem Bildungsministerium vor, die Aufklärung zu verzögern. Er folgt in seiner Kritik der des Landesschülerrats und spricht von einer Schädigung der „Glaubwürdigkeit staatlichen Handelns“.

Philologenverband: Fehlerhaftes Zitat von geringer Bedeutung

„Der vorliegende Fall zeigt, wie wichtig Kontrollinstanzen für die Gestaltung von Abituraufgaben sind“, sagt Mario Steinke, Vorsitzender des Philologenverbandes MV. Dennoch sei für die Lösung der entsprechenden Aufgabe dieses falsch zugeordnete Zitat „von untergeordneter Relevanz und für die Bewertung von geringer Bedeutung.“ Das Ministerium müsse nun gründlich versuchen, die Ursache zu finden und Mechanismen etablieren, damit solche Fehler sich nicht wiederholen können.

Bildungsministerin Simone Oldenburg.

Laut Bildungsministerin Simone Oldenburg (Linke) habe man nichts „einfacher gemacht, nur neu strukturiert“.