
Stand: 20.01.2026 09:12 Uhr
Verkehrsteilnehmer in Niedersachsen und Bremen müssen heute mit Beeinträchtigungen auf Autobahnen, Landesstraßen, an Brücken und Tunneln rechnen. Grund ist ein bundesweiter Warnstreik bei der Straßenaufsicht.
Bislang hat der Warnstreik im öffentlichen Dienst geringe Auswirkungen auf den morgendlichen Berufsverkehr gehabt. Im ostfriesischen Leer, wo heute die Jann-Berghaus-Brücke über die Ems seit 6 Uhr gesperrt ist, staute es sich allerdings auf der Umleitungsstecke über die A31. Autofahrerinnen und Autofahrer mussten laut Verkehrsmanagementzentrale Niedersachsen mit rund 30 Minuten Verzögerung rechnen. Trotz des Warnstreiks soll der Winterdienst in Niedersachsen erfolgen. Es könne aber zu Verzögerungen kommen, teilte die Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr mit.
Hannover: Sternmarsch – welche Routen betroffen sind
Die Gewerkschaft ver.di hat die rund 14.000 Beschäftigten der Autobahn GmbH des Bundes und Tausende Mitarbeiter der Landesstraßenbauverwaltungen dazu aufgerufen, ihre Arbeit niederzulegen. In Hannover sollen Beschäftigte aus Niedersachsen und Bremen heute zu Protesten zusammenkommen, kündigte ver.di an. Es sei ein Sternmarsch durch die Stadt geplant, der um 12 Uhr mit einer Kundgebung vor dem niedersächsischen Wirtschaftsministerium enden soll. Da werden viele Hauptverkehrsstraßen betroffen sein, sagte ein Polizeisprecher. Der Protestzug führt ver.di zufolge über die Vahrenwalder Straße, die Göttinger Chaussee und den Ricklinger Kreisel.
Diese Sperrungen gelten am Montag und Dienstag
- Hamburg: Im Elbtunnel wird in beide Fahrtrichtungen eine von drei Fahrspuren gesperrt – seit Montag um 18 Uhr bis heute um 18 Uhr.
- Hannover: In der Innenstadt sind wegen des Sternmarschs heute Einschränkungen möglich.
- Landkreise Cuxhaven und Wesermarsch: Der Wesertunnel auf der B437 wird gesperrt – von 0 Uhr in der Nacht zu heute bis 0 Uhr in der Nacht zu Mittwoch.
- Leer: Die Jann-Berghaus-Brücke wird gesperrt – heute zwischen 6 und 23 Uhr.
Außerdem sind die Schwinge-Klappbrücke bei Stade und im Landkreis Göttingen der Tunnel Bovenden und der Butterbergtunnel ganztägig gesperrt.
Leer: Jann-Berghaus-Brücke zu – das ist die Umleitung
Die Jann-Berghaus-Brücke über die Ems in Leer wird im Zuge des Warnstreiks noch bis 23 Uhr nicht passierbar sein – egal ob mit Rad, Auto oder zu Fuß. Das kündigte die Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr an. Für den Schiffsverkehr bleibt die Brücke den Angaben zufolge in dem Zeitraum hochgeklappt. Autos und Lkw werden über den Emstunnel der A31 umgeleitet – für Fußgänger und Radfahrer gibt es keine Umleitung.
Kritik an Sperrung des Wesertunnels
Auch der Wesertunnel, der Bremerhaven und Nordenham (Landkreis Wesermarsch) verbindet, ist heute für alle Verkehrsteilnehmenden gesperrt. Das kritisiert die Oldenburgische Industrie- und Handelskammer (IHK). „Gerade in einer wirtschaftlich unsicheren Zeit sendet eine ganztägige Sperrung einer Schlüsselinfrastruktur das falsche Signal an Unternehmen“, sagte Fokke Fels, Vorsitzender des IHK-Verkehrsausschusses. Die Sperrung zwinge den Berufs- und Lieferverkehr zu weiträumigen Umleitungen, hieß es. Das verlängere Fahrzeiten erheblich. Der Elbtunnel ist nur auf zwei von drei Fahrspuren je Richtung befahrbar.

Ein ver.di-Warnstreik hat Folgen für die Autofahrer auf der A7: Bis heute Abend sind in beiden Richtungen nur zwei der je drei Fahrstreifen befahrbar.
Warnstreik weil Tarifverhandlungen stocken
Hintergrund des Warnstreiks ist der aktuelle Tarifstreit zur Autobahn GmbH des Bundes und zum Tarifvertrag für den Öffentlichen Dienst der Länder. Ver.di fordert in beiden Tarifverhandlungen unter anderem sieben Prozent mehr Gehalt pro Monat – mindestens aber 300 Euro mehr. Beide Tarifrunden verlaufen der Dienstleistungsgewerkschaft zufolge bisher „zäh bis inakzeptabel“. Demnach habe die Autobahn GmbH des Bundes bisher kein Einkommensangebot vorgelegt. Die Tarifgemeinschaft deutscher Länder hatte in der zweiten Tarifrunde nach Ansicht von ver.di zuletzt eine „ungenügende, zudem unkonkrete Position“ unterbreitet.
Ver.di: „Zeigen, dass ihre Arbeit besser bezahlt gehört“
Mit dem Warnstreik will die Gewerkschaft den Druck auf die Arbeitgeberseite erhöhen. „Jeden Tag kümmern sich Abertausende Beschäftigte um einen möglichst reibungslosen Verkehr auf Autobahnen, Bundes- und Landesstraßen, sowie Brücken und Tunneln. Und sie wollen mit diesem Streiktag zeigen, dass ihre Arbeit besser bezahlt gehört“, betonte die stellvertretende ver.di-Vorsitzende Christine Behle.
Was ist der Unterschied zwischen Warnstreik und Streik?
Bei Warnstreiks handelt es sich laut dem Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) vorwiegend um kurzfristige Arbeitsniederlegungen. Diese umfassen etwa wenige Arbeitsstunden oder einzelne Schichten und können wiederholt werden. Das Ziel: Mitglieder und Beschäftigte zu mobilisieren und Kampfbereitschaft zu signalisieren. In der Praxis ziehen sich Warnstreiks auch mal über mehrere Tage, die Grenzen zu einem Streik sind somit fließend. Juristisch gibt es nach Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts (BAG) keine Unterscheidung. Für einen regulären Streik gibt es aus Sicht des DGB jedoch zwei Voraussetzungen: Die Verhandlungen zwischen Gewerkschaft und Arbeitgeber müssen formal für gescheitert erklärt werden. Und die Gewerkschaftsmitglieder unter den Beschäftigten müssen sich in einer Urabstimmung für einen Streik aussprechen.

Die Gewerkschaften haben eine Ausweitung der Streiks im öffentlichen Dienst der Länder angekündigt. Ab kommender Woche soll es Ausstände in Unikliniken, Kitas und Verwaltungen geben.

Aufgerufen hatte die Gewerkschaft ver.di. In Braunschweig hatten sich am Dienstag Hunderte Menschen am Warnstreik beteiligt.

Betroffen ist unter anderem die Jann-Berghaus-Brücke. Weil der Wesertunnel dicht ist, ist die Fähre in Sandstedt überlastet.

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