Berlin – Der Blackout im Südwesten Berlins führte gerade für die Schwächsten der Gesellschaft zu lebensbedrohlichen Situationen. Dramatische Szenen schilderten am Montag Mitarbeiter aus der Pflege im Gesundheitsausschuss des Abgeordnetenhauses.
„Sauerstoffgeräte funktionierten nicht, Treppenlifte konnten nicht genutzt werden“, berichtete Katharina Bauermeister, Pflegedienstleitung des ambulanten Dienstleisters Renafan. Medikamente zu verabreichen sei zu einer großen Herausforderung geworden.

Der Mexikoplatz während des Stromausfalls
Foto: michael körner
Ein Pfleger erinnert sich an den Morgen des 3. Januar: „… Noch schwieriger wurde es, als ich bei Frau R. und Frau O. nicht ins Gebäude kam. Die Klingel funktionierte nicht und ich konnte sie nicht anrufen. Ich konnte nicht an das Fenster klopfen, weil sie so hoch oben wohnen. Ich habe Schneebälle ans Fenster geworfen…“ Bei vielen Patienten hätte er sich auf diese Weise bemerkbar gemacht.
„Bei Herrn W. gab es ein ernstes Problem, da ich ihn überhaupt nicht erreichen konnte. Die elektronisch gesteuerten Jalousien waren heruntergelassen und er schlief oben. Er benutzt einen Treppenlifter….“
Bauermeister: „Für uns war die Situation widrig, für die Senioren teils katastrophal.“ Viele Patienten seien später glücklicherweise bei Angehörigen zu Hause oder in Hotels einquartiert worden.

Das Heinrich-und-Margarete-Grüber-Haus am Teltower Damm in Zehlendorf (Archivfoto). Viele Mitarbeiter kamen aus ihrem freien Tag, packten die Patienten in warme Decken und hielten ihre Hände
Foto: Grüber-Haus
„Wir hatten keine Heizung, die Hebeanlage (für Abwasser, Anm. d. Red.) funktionierte nicht“, so Pfarrer Matthias Blume, theologischer Vorstand des Evangelischen Diakonissenhauses Teltow, das ein Pflegeheim (70 Bewohner, 40 mit Demenz) am Teltower Damm in Zehlendorf betreibt. Zwar hätte die Einrichtung Notstromaggregate gehabt, diese konnten aber nicht an das Hausnetz angekoppelt werden. Die Temperatur sei auf 15 Grad gefallen.
Blume: „Wir mussten uns immer wieder über die 112 einwählen und jedes Mal die Lage vom Ausgangspunkt an erklären.“ Ein für Sonntag 12 Uhr versprochenes Notstromaggregat vom Technischen Hilfswerk sei nicht eingetroffen. „Fünfmal kam die Feuerwehr in unsere Einrichtung, fünfmal nahm sie die Daten auf“, so Blume. „Das Problem war, wir bekamen nicht die Info, die wir brauchten, für die Entscheidung: Wann muss evakuiert werden?“
Hilflos sei er ins Rathaus Berlin-Zehlendorf gefahren. Dort hätte er zunächst die Auskunft erhalten, man dürfe ihn nicht zum Krisenstab vorlassen. Später sei das aber gelungen. Auch das Notstromaggregat wurde in Betrieb genommen.
Für künftige Katastrophenfälle wünscht sich Pfarrer Blume einen Lotsen im Krisenstab, der als permanenter Ansprechpartner dient.

Gesundheitssenatorin Ina Czyborra will die staatliche Unterstützung beim Stromausfall lückenlos aufarbeiten
Foto: Fabian Matzerath / BILD
Berlins Gesundheitssenatorin Ina Czyborra (59, SPD) gab ihm recht: „Ich finde schon, dass wir jetzt erst mal unseren eigenen Verantwortungsbereich sowie die Schnittstellen angucken und einen gemeinsamen Plan machen müssen. Damit Handlungspfade klar sind.“ Sie räumte ein: „Da haben wir noch etwas zu tun.“