Geräte abgeschaltet

Verdacht auf versuchten Mord: Pflegerin festgenommen

Aktualisiert am 20.01.2026 – 13:14 UhrLesedauer: 2 Min.

Staatsanwaltschaft Frankfurt am MainVergrößern des Bildes

Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen dreifachen Mordverdachts. (Symbolbild) (Quelle: Boris Roessler/dpa/dpa-bilder)

Eine Pflegerin wird des versuchten Mordes in drei Fällen beschuldigt. Sie soll lebenswichtige Geräte von Wachkoma-Patienten ausgeschaltet haben.

Die Kriminalpolizei hat eine Pflegerin wegen des Verdachts des dreifachen versuchten Mordes in einem Seniorenheim im Main-Taunus-Kreis festgenommen. Die 53-jährige Deutsche war auf einer Station von Wachkomapatienten eingesetzt, wie die Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main mitteilte.

Die Staatsanwaltschaft wirft der Frau vor, in drei Fällen während ihres Nachtdienstes lebenswichtige Geräte von den Bewohnern abgeschaltet zu haben. Entdeckt wurde sie schließlich von der Leitung der Einrichtung.

Laut Mitteilung haben sich die drei Vorfälle bereits vor einem Jahr zugetragen. Demnach habe die Frau in einer Seniorenresidenz im Main-Taunus-Kreis gearbeitet. Sie versorgte dort insbesondere Patienten, die sich in einem Wachkoma-Zustand befinden, einige davon bereits seit Jahren. Viele der Patienten und Bewohner waren aufgrund ihres Zustandes nicht in der Lage, ihre Umgebung wahrzunehmen oder nach außen zu kommunizieren.

Die Betroffenen waren an Messgeräte angeschlossen, die den Puls sowie die Sauerstoffsättigung im Blut aufzeichnen und kontrollieren – sogenannte Pulsoximeter. Das ist bei der Versorgung von Wachkoma-Patienten üblich. Die Geräte lösen einen Alarm aus, sobald beide Werte sich jenseits der Grenzwerte bewegen, um das Pflegepersonal zu alarmieren. Werden diese Geräte entfernt oder ausgeschaltet, können die Betroffenen Schaden nehmen, denn dann wird nicht mehr registriert, ob genügend Sauerstoff durch das Blut zum Gehirn transportiert wird oder ob die Atemwege verschleimt sind.

Wie die Staatsanwaltschaft weiter mitteilt, soll die 53-jährige Verdächtige bei drei Menschen diese Geräte entfernt haben, „um während ihrer Nachtschicht nicht durch optische oder akustische Alarmsignale gestört und zu pflegerischen Handlungen veranlasst zu werden“. Das soll sich in zwei Fällen zugetragen haben, einmal in der Nacht auf den 17. Februar und einmal in der Nacht zum 28. Februar.

Die Staatsanwaltschaft gibt an, dass die Beschuldigte dabei „den Tod der Patienten zumindest billigend in Kauf genommen“ hätte, wohl wissend, dass sich der Zustand ihrer Patienten lebensbedrohlich verschlechtern könnte. In einem Fall sei genau dies eingetreten: Einer der Patienten hatte bereits eine erhöhte Temperatur und gleichzeitig zu wenig Sauerstoff im Blut.

Ihr Vorgehen flog schließlich auf, als die Leitung der Seniorenresidenz unangekündigt die Station besuchte. Dabei traf sie die beschuldigte Pflegerin im Aufenthaltsraum an, während gleichzeitig bei zwei Patienten die Pulsoximeter abgeschaltet waren. Demnach war der Sauerstoffgehalt beider Opfer zu niedrig, sie mussten stabilisiert werden.

Die Staatsanwaltschaft wirft der Frau nun versuchten Mord in drei Fällen vor, ein entsprechender Haftbefehl wurde heute von der Polizei vollstreckt. Die Frau befindet sich nun in Untersuchungshaft. Gegen sie wurde ein vorläufiges Berufsverbot angeordnet. Außerdem fand eine Hausdurchsuchung statt, um weitere Beweismittel aufzufinden.