Wenig Licht in Stuttgart: Sicherheitsgefühl und Dunkelheit – Ist der Schlossplatz ein „schwarzes Loch“? Der Stuttgarter Schlossplatz kommt so manchem dunkler vor als früher – das Gefühl täuscht nicht. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Der Stuttgarter Schlossplatz gilt als die gute Stube der Landeshauptstadt. Doch vielen Menschen kommt es dort bei Nacht sehr dunkel vor. Sie liegen damit nicht falsch.

Die Debatte um das 470 000 Euro teure Stuttgart-Sign, das als Fotomotiv für Touristen dienen soll, erhitzt nach wie vor die Gemüter. An Kopfschütteln und auch Gegenvorschlägen fehlt es nicht. Bei manchen geht es dabei auch um einen Eindruck, dessen sie sich nicht erwehren können. Im wahrsten Sinne dreht es sich um die Frage, ob die Stadt sich anderweitig ins rechte Licht setzt.

„Wenn Sie etwas für die Außenwirkung und Fotogenität der Innenstadt tun wollen, dann sorgen Sie bitte dafür, dass unter anderem der Schlossplatz nach Anbruch der Nacht nicht komplett in Dunkelheit versinkt, weil die angrenzenden Gebäude und Monumente aus irgendwelchen Sparzwängen seit geraumer Zeit nur noch minimalst beleuchtet werden“, schreibt ein Stuttgarter an die CDU-Fraktion im Gemeinderat. Von der Königstraße kommend falle man „hier geradezu in ein schwarzes Loch“. Mehr Licht wäre auch für das Sicherheitsempfinden „dringend angeraten“.

Vielen Passanten erscheint der Schlossplatz zu dunkel. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Seit der Gasmangellage im Herbst 2022 bleibt jedoch die Beleuchtung der Kuppel des Mitteltrakts des Neuen Schlosses außer Betrieb.

Michaela Hornung, Sprecherin der Stadt

In der Tat wundert sich so mancher seit einiger Zeit darüber, wie dunkel es inzwischen nachts in der guten Stube der Landeshauptstadt ist. Beim Finanzministerium, seines Zeichens zuständig für Schlossplatz und Neues Schloss, gibt man dazu Auskunft. „Beim Schlossplatz gab es seit der Erneuerung der Beleuchtung nach Absprache mit der Polizei aus Sicherheitsgründen keine Reduzierung der Beleuchtung. Seit der Gasmangellage im Herbst 2022 bleibt jedoch die Beleuchtung der Kuppel des Mitteltrakts des Neuen Schlosses außer Betrieb“, sagt Sprecherin Michaela Hornung.

Doch es gibt auch aktuelle Veränderungen. Und das liegt nicht nur daran, dass nach dem Abbau von Weihnachtsmarkt, Riesenrad und Wintertraum ungewohnte Leere auf dem Platz herrscht. „Die Leuchten entlang der Gebäudefassade im Innenhof des Neuen Schlosses sind wegen der Verkehrssicherheit in Betrieb. Leider sind derzeit einzelne Leuchten defekt und müssen erneuert werden“, so die Sprecherin. Für die Beleuchtung des Alten Schlosses sei man nicht zuständig – die erfolge über die städtische Beleuchtung.

Im Rathaus geht man ins Detail. „Das Alte Schloss wird städtischerseits aus Richtung Karlsplatz und von der Planie aus angestrahlt, das Neue Schloss nur von Seiten der Planie“, sagt Sprecher Oliver Hillinger. Die restlichen Anstrahlungen der beiden Gebäude erfolgten durch das Land. Gemäß derzeit gültigem Naturschutzgesetz dürften Gebäude zwischen 1. Oktober und 31. März vom Einbruch der Dämmerung bis 22 Uhr angestrahlt werden. Zwischen 1. April und 30. September sei eine Gebäudeanstrahlung naturschutzrechtlich grundsätzlich überhaupt nicht erlaubt.

Die Beobachter liegen also nicht falsch mit dem Eindruck, dass es auf dem Schlossplatz deutlich dunkler ist als noch vor wenigen Jahren. Dieser Zustand und das bei manchen damit verbundene Unsicherheitsgefühl sind aber auch den beteiligten Behörden nicht entgangen. Und so gibt es einen Lichtstreif am Horizont.

Gespräche über eine Ausnahme

„Darüber hinausgehende Beleuchtungszeiten können bei der Unteren Naturschutzbehörde der Stadt beantragt werden. Dort wird dann geprüft, ob es Gründe gibt, die eine Ausnahmegenehmigung rechtfertigen“, sagt Hillinger. Und genau das könnte im Falle des Schlossplatzes passieren. Stadt und Land seien bezüglich der Ausweitung der Beleuchtung der beiden Schlossgebäude im guten Austausch. Es handele sich um bedeutsame historische Gebäude, bei denen eine Ausnahmegenehmigung grundsätzlich möglich wäre, heißt es im Rathaus.

Es besteht also Hoffnung, dass der Schlossplatz auch bei Nacht bald wieder ein Glanzlicht sein könnte. Eines scheint aber sicher: Die Debatte um das Stuttgart-Sign dürfte dennoch weitergehen.