
marktbericht
Die Sorge vor einer Eskalation im Streit um Grönland drückt die Aktienkurse weltweit. US-Präsident Trump hält an seinen Expansions-Plänen fest. Hoffnung liegt auf dem Treffen der Staats- und Regierungschefs in Davos.
Während auf der internationalen politischen Bühne EU-Staatslenker und der NATO-Generalsekretät versuchen, auf US-Präsident Donald Trump einzulenken, reagieren die Finanzmärkte mit Kursverlusten. Die Sorge vor einer Eskalation im Streit um Grönland drückt die Aktienkurse weltweit.
Der DAX hat bis zum Handelsschluss gut ein Prozent an Wert verloren und geht bei 24 703 Punkten aus dem Handel. Die verschärfte Rhetorik des US-Präsidenten rund um Grönland und die Ankündigung neuer US-Strafzölle hatte die Börsen schon gestern ins Minus gedrückt.
Auch an der Wall Street, die wegen eines Feiertags am Montag geschlossen war, sackten die Kurse ab. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte notierte zum Eröffnung rund 1,5 Prozent tiefer bei 48.694 Punkten.
Der breiter gefasste S&P 500 und die Technologiebörse Nasdaq verloren in etwa genauso viel auf 6846 und 23.130 Zähler.
Anlegerinnen und Anleger flüchten in als sicher geltende Anlagen wie den Schweizer Franken und Gold. Zudem gewinnt der sogenannte „Sell America“-Handel an Fahrt, bei dem Investoren US-Aktien, den Dollar und US-Staatsanleihen verkaufen. Letzteres sorgt dafür, dass die Renditen von US-Anleihen steigen.
„Auch wenn es zu einer Deeskalation kommt, wird diese Episode viele dazu veranlassen, an der Glaubwürdigkeit eines jeden Abkommens mit Trump zu zweifeln, so dass die Unsicherheit über die Zölle hoch bleiben wird“, sagte Henry Cook, Europa-Volkswirt bei MUFG.
Auch an den Devisenmärkten blieben die Reaktionen nicht aus. Der Euro-Kurs ist am Nachmittag auf 1,1728 Dollar gestiegen und wird damit 1,4 Cent höher gehandelt als noch am Freitagabend.
„Dass ausgerechnet der Euro gegenüber dem US-Dollar steigt, weil Investoren aus Amerika fliehen, hilft den um gleichzeitig höhere Zölle bangenden Exporteuren im DAX so gar nicht,“ schreibt Marktanalysten Christine Romar vom Broker CMC Markets. Investoren schalten demnach in den Risk-Off-Modus.
Große Hoffnungen liegen auf dem Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos. Heute hat das offizielle Programm der jährlichen Tagung in den Schweizer Alpen begonnen, morgen wird US-Präsident Trump mit einer Rede erwartet.
Namhafte EU-Politikerinnen und -politiker hoffen auf Gespräche mit dem US-Präsidenten am Rande des Gipfeltreffens. Die EU-Komission ringt zudem eine einheitliche Antwort auf Trumps neuste Zollandrohungen.
Mitten im neu aufgeflammten Zollstreit hat das Statistische Bundesamt heute neue Exportzahlen veröffentlicht. Von Januar bis November 2025 gingen Waren im Wert von rund 135,8 Milliarden Euro in die Vereinigten Staaten, das sind 9,4 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum.
Starke Einbußen musste vor allem die Autoindustrie hinnehmen. Ausfuhren von Autos und Autoteilen gingen bis November um 17,5 Prozent zurück.
Positive Nachrichten kamen dagegen von den Auftragsbeständen. Das Auftragspolster der deutschen Industrie ist im November den vierten Monat hintereinander gewachsen.
Im Vergleich zum Vormonat legte der Auftragsbestand preis-, saison- und kalenderbereinigt um 1,8 Prozent zu. Im Jahresvergleich wird ein Plus von 5,9 Prozent gemeldet.
Die Papiere der Deutschen Börse haben sich am Nachmittag mit kräftigem Kurszuwachs vom schwachen Gesamtmarkt positiv abgehoben.
An der DAX-Spitze gewannen die Titel des Börsenbetreibers zuletzt zwei Prozent auf rund 214 Euro. Auftrieb gab eine Meldung, wonach das Unternehmen der geplanten Übernahme des Fondsvertriebsspezialisten Allfunds näher komme.