
Seen, Feuchtgebiete, Gletscher: Viele Wasserreserven sind erschöpft und für den Menschen unwiederbringlich verloren, warnt ein UN-Bericht. Die Vereinten Nationen mahnen, jetzt entschlossen zu handeln.
Es reiche nicht mehr, von einer Krise zu sprechen, sagt Kaveh Madani. Er ist Direktor des UN-Instituts für Wasser, Umwelt und Gesundheit und Hauptautor des neuen Wasserberichts. Das Wort „Krise“ suggeriere, dass es ein vorläufiger Zustand sei, von dem man sich erholen könne. Sein Bericht zeige aber eine andere Realität.
An vielen Orten kämen Wasserreserven nicht mehr in einem für Menschen relevanten Zeitraum zurück. Im Bericht wird deshalb von „Wasserbankrott“ gesprochen, von einem unumkehrbaren Verlust von Süßwasserreserven.
Wir verbrauchen und verschmutzen mehr Wasser, als erneuerbare Quellen wiederherstellen können. Unumkehrbarkeit heißt, dass wir wichtige natürliche Wasserreserven zerstört haben.
Mehr als die Hälfte der großen Seen weltweit haben seit Anfang der 1990er-Jahre Wasser verloren. Etwa zwei Drittel der großen Grundwasserleiter zeigen langfristige Rückgänge. Dutzende Flüsse fließen in bestimmten Monaten des Jahres nicht mehr bis zum Meer. Und etwa ein Drittel der Gletschermasse sei seit den 1970er-Jahren verloren gegangen.
Landwirtschaft benötigt viel Wasser
70 Prozent des weltweiten Süßwassers würden für die Landwirtschaft entnommen, erklärt Madani. Das führt besonders in Asien zu einem immer größeren Wasserproblem. Denn dort produzieren die Bauern nicht nur für die eigene Bevölkerung, sondern vor allem auch für den globalen Norden. Häufig die einzige Möglichkeit für die Menschen, Geld zu verdienen.
„Strategisch gesehen müssen diese Länder ihre Wirtschaft mehr diversifizieren und industrialisieren, damit sie nicht mehr so stark auf die Landwirtschaft angewiesen sind“, so Madani. Das werde nicht über Nacht passieren, aber es gebe jetzt die Möglichkeit dazu.
Auch, wenn der globale Norden sich nicht vom Wasserbankrott betroffen fühle – es sei ein globales Problem, betont Madani. Deswegen müssten reiche Industrienationen dem globalen Süden helfen. Neben Asien sind auch der Nahe Osten und Nordafrika stark vom Verlust von Süßwasser betroffen. Aber auch der Südwesten der USA.
Globale Erwärmung verschärft das Problem
„Die Botschaft des UN-Berichts ist nicht Verzweiflung, sondern Klarheit“, sagt Madani. Je früher man sich dem stelle, desto mehr Optionen blieben. Schon jetzt leiden etwa vier Milliarden Menschen mindestens einen Monat im Jahr unter schwerer Wasserknappheit. Drei Milliarden leben in Gebieten, in denen Wasservorräte zurückgehen.
Als weitere Gründe für den Wasserbankrott werden im Bericht Grundwasserverschmutzung, Verschlechterung der Bodenfruchtbarkeit oder die Rodung von Wäldern genannt. Die globale Erwärmung verschärft das Problem.
