Stand: 20.01.2026 20:26 Uhr

Warnstreiks im öffentlichen Dienst haben in Niedersachsen am Dienstag teils für Behinderungen im Verkehr gesorgt. In Hannover demonstrierten Hunderte Beschäftigte. Der Landkreis Göttingen ist auch Mittwoch noch betroffen.

Die gesperrte Schwinge-Klappbrücke bei Stade sorgte am Dienstag Informationen von NDR Niedersachsen zufolge für etwas mehr Verkehr in der Stadt. Wegen der gesperrten Fahrspuren im Elbtunnel kam es zu Staus und stockendem Verkehr auf der A7 und der A1. Bis zu drei Stunden mussten Verkehrsteilnehmende an der Fähre Brake-Sandstedt warten, anderthalb Stunden waren es an der Fähre Nordenham-Blexen. Grund: der geschlossene Wesertunnel. In Hamburg sorgte der Warnstreik für massive Verkehrsprobleme am Elbtunnel. Sowohl der Tunnel als auch die Ausweichstrecken waren nach Angaben der Verkehrsleitzentrale stark überlastet.

Sperrungen am Montag, Dienstag, Mittwoch und Donnerstag

  • Hamburg: Im Elbtunnel war in beide Fahrtrichtungen eine von drei Fahrspuren gesperrt – von Montag um 18 Uhr bis Dienstag um 18 Uhr.
  • Hannover: In der Innenstadt gab es wegen einer Demonstration am Dienstag Einschränkungen.
  • Landkreise Cuxhaven und Wesermarsch: Der Wesertunnel auf der B437 ist am Dienstag voraussichtlich noch bis 0 Uhr gesperrt.
  • Leer: Die Jann-Berghaus-Brücke ist am Dienstag voraussichtlich noch bis 23 Uhr gesperrt.
  • Stade: Die Schwinge-Klappbrücke bei Stade war am Dienstag ganztägig gesperrt.
  • Landkreis Göttingen: Die Tunnel Bovenden und der Butterbergtunnel sind aktuell weiter gesperrt. Beide Tunnel sollen am Mittwoch von 16 Uhr bis 0 Uhr öffnen, am Donnerstag aber wieder gesperrt werden.

Ver.di zufrieden mit der Demo in Hannover

In Hannover demonstrierten am Dienstag rund 400 Beschäftigte der Autobahn GmbH und der Straßenmeistereien aus ganz Niedersachsen. „Die Beteiligung war sehr gut“, sagte ein Sprecher von ver.di. Die Aktion sei ein starkes Zeichen für die Tarifverhandlungen gewesen. Die Gewerkschaft hatte zu einem Sternmarsch durch die Landeshauptstadt aufgerufen – mit einer anschließenden Abschlusskundgebung auf dem Platz vor dem niedersächsischen Wirtschaftsministerium.

Kritik an Sperrung des Wesertunnels

Die Oldenburgische Industrie- und Handelskammer (IHK) übte Kritik an der Sperrung des Wesertunnels, der Bremerhaven und Nordenham (Landkreis Wesermarsch) verbindet. „Gerade in einer wirtschaftlich unsicheren Zeit sendet eine ganztägige Sperrung einer Schlüsselinfrastruktur das falsche Signal an Unternehmen“, sagte Fokke Fels, Vorsitzender des IHK-Verkehrsausschusses. Die Sperrung zwinge den Berufs- und Lieferverkehr zu weiträumigen Umleitungen, hieß es. Das verlängere Fahrzeiten erheblich.

Stau vor dem Elbtunnel.

Ein ver.di-Warnstreik hatte Folgen für die Autofahrer: Bis Dienstagabend waren in beiden Richtungen nur zwei der je drei Fahrstreifen befahrbar.

Warnstreik wegen stockender Tarifverhandlungen

Die Gewerkschaft ver.di hatte rund 14.000 Beschäftigte der Autobahn GmbH des Bundes und Tausende Mitarbeitende der Landesstraßenbauverwaltungen dazu aufgerufen, ihre Arbeit niederzulegen. Ver.di begründete die Warnstreiks mit dem „zähen bis inakzeptablen“ Verlauf der Tarifverhandlungen. Die Gewerkschaft fordert in den Tarifverhandlungen für die Beschäftigten der Autobahn GmbH des Bundes und des öffentlichen Dienstes der Länder unter anderem sieben Prozent mehr Gehalt pro Monat – mindestens aber 300 Euro mehr. Die Autobahn GmbH des Bundes habe bisher kein Einkommensangebot vorgelegt. Die Tarifgemeinschaft deutscher Länder hatte in der zweiten Tarifrunde nach Ansicht von ver.di zuletzt eine „ungenügende, zudem unkonkrete Position“ unterbreitet.

Ver.di: „Zeigen, dass ihre Arbeit besser bezahlt gehört“

Mit dem Warnstreik wollte die Gewerkschaft den Druck auf die Arbeitgeberseite erhöhen. „Jeden Tag kümmern sich Abertausende Beschäftigte um einen möglichst reibungslosen Verkehr auf Autobahnen, Bundes- und Landesstraßen, sowie Brücken und Tunneln. Und sie wollen mit diesem Streiktag zeigen, dass ihre Arbeit besser bezahlt gehört“, betonte die stellvertretende ver.di-Vorsitzende Christine Behle.

Abschluss im Februar möglich?

Der Verhandlungsführer der Länder, Hamburgs Finanzsenator Andreas Dressel (SPD), hatte die Forderungen wegen knapper Länderhaushalte zuletzt als überzogen bezeichnet. Er zeigte sich vergangenen Freitag allerdings zuversichtlich, dass im Februar ein Abschluss möglich sei.

Was ist der Unterschied zwischen Warnstreik und Streik?

Bei Warnstreiks handelt es sich laut dem Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) vorwiegend um kurzfristige Arbeitsniederlegungen. Diese umfassen etwa wenige Arbeitsstunden oder einzelne Schichten und können wiederholt werden. Das Ziel: Mitglieder und Beschäftigte zu mobilisieren und Kampfbereitschaft zu signalisieren. In der Praxis ziehen sich Warnstreiks auch mal über mehrere Tage, die Grenzen zu einem Streik sind somit fließend. Juristisch gibt es nach Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts (BAG) keine Unterscheidung. Für einen regulären Streik gibt es aus Sicht des DGB jedoch zwei Voraussetzungen: Die Verhandlungen zwischen Gewerkschaft und Arbeitgeber müssen formal für gescheitert erklärt werden. Und die Gewerkschaftsmitglieder unter den Beschäftigten müssen sich in einer Urabstimmung für einen Streik aussprechen.

Ein Teilnehmer einer Demonstration in Schwerin trägt eine Warnweste mit dem Logo der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW).

Die Gewerkschaften haben eine Ausweitung der Streiks im öffentlichen Dienst der Länder angekündigt. Ab kommender Woche soll es Ausstände in Unikliniken, Kitas und Verwaltungen geben.

Mitglieder der Gewerkschaft ver.di bei einer Demontration in Hannover

Aufgerufen hatte die Gewerkschaft ver.di. In Braunschweig hatten sich am Dienstag Hunderte Menschen am Warnstreik beteiligt.

Eine Schranke und rote Leuchtsignale vor dem gesperrten Wesertunnel.

Betroffen ist unter anderem die Jann-Berghaus-Brücke. Weil der Wesertunnel dicht ist, ist die Fähre in Sandstedt überlastet.

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Sachsenross in Hannover vor der Leibniz Universität

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