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20 Jahre lang war „Christiane“ Zielscheibe von Vandalismus. Nun ist die nackte Frauenfigur verschwunden. Die Skulptur war nicht mehr zu retten.

Hamm – Eines der bekanntesten Kunstwerke aus Hamm wurde abgebaut. Bis vor Kurzem saß „Christiane“, die gewichtige, nackte Frau, die auf der Mauer an der Ecke Sternstraße/Nassauer Straße am Parkplatz der Johanniterklinik (Ex-Marienkrankenhaus). Doch am vergangenen Samstag wurde sie entfernt. Der Grund: „Die Figur ist nicht mehr reparabel“, sagt Werner Reumke, viele Jahre der kreative Kopf des Martin-Luther-Viertels.

[Foto: © Andreas Rother]   -->   Hamm:  Martine Mallet Figur auf der Mauer an der Sternstraße wird abgebaut.Ein veraltetes Bild: Die Skulptur „Christiane“ der Künstlerin Martine Mallet. Die Figur auf der Mauer an der Sternstraße wurde abgebaut. © Andreas Rother/Andreas Rother

Vor 20 Jahren war die Skulptur der Künstlerin Martine Mallet dank eines Sponsors und der Unterstützung der Stadt und des Bezirksvorstehers Wolf Köhler an der viel befahrenen Straße in der Stadtmitte errichtet worden. „Schon bald gab es zwei entgegengesetzte Entwicklungen“, erinnert sich Reumke: „Die Figur wurde zu einem begehrten Fotomotiv in Hamm und taucht immer wieder auch im Internet auf. Sie wurde aber in dunklen Tageszeiten auch zu einem negativen Filmort.“ Dass man ihr mal einen BH umgebunden hätte, sei noch das wenigste gewesen.

Figur war Zielscheibe von Vandalismus

Viel schlimmer: „Die Figur wurde immer wieder Zielscheibe von Vandalismus“, so Reumke. Zudem sei der Beton zunehmend erodiert. Ganz aus massivem Beton bestehe die Skulptur nicht, sondern die Skulptur sei eine Konstruktion, die durch ein Metallgerüst gehalten werde. Und so musste die Skulptur erstmals nach fünf Jahren und dann immer wieder von der Künstlerin oder eigenen Leuten aus dem Lutherviertel aufwendig neu modelliert und repariert werden.

Jetzt, nach 20 Jahren, sei die Skulptur nicht mehr reparabel, sagt Reumke: „Es macht einfach keinen Sinn mehr.“ Tatsächlich ist die Figur an mehreren Stellen besprüht und nicht nur die ehemals schwarze Farbe ist nahezu komplett abgeplatzt. Auch weitere Schichten weisen tiefe Risse auf, und an manchen Stellen schimmert der nackte Beton durch, ebenfalls mit Rissen.

Eines der bekanntesten Kunstwerke aus Hamm wurde abgebaut: „Christine“ ist weg. Ecke Sternstraße/Nassauer Straße am Parkplatz der Johanniterklinik Eines der bekanntesten Kunstwerke aus Hamm wurde abgebaut: „Christiane“ ist weg. Nur Abdrücke blieben an der Ecke Sternstraße/Nassauer Straße zurück. © Jan-Niklas Dalley

Und falls jemand nach Kosten gefragt hätte, um die Skulptur doch zu „retten“: Der Förderverein des Martin-Luther-Viertels hat sich im vergangenen Jahr aufgelöst. Und auch wenn schon vor „Christiane“ einige marode Kunstwerke des Lutherviertels abgebaut wurden, sieht Reumke keinen Niedergang des Viertels. Im Gegenteil: „Das Lutherviertel lebt weiter.“ Noch immer seien dort über 70 Kunstwerke auf engstem Raum zu sehen, Künstler seien aktiv und kreativ und es gebe auch Neuansiedlungen und -vermietungen.

Ob den Hammern die Skulptur fehlen wird? Vielleicht. Zumindest machte ein Polizeieinsatz am vergangenen Samstag den Eindruck. Die Polizei wurde von Bürgern alarmiert, als zwei Männer die Skulptur mit Werkzeug bearbeiteten. Die Steinbauer, die für den Abbau zuständig waren, konnten die Situation jedoch schnell erklären. Und so gingen die Arbeiten weiter, bis „Christiane“ schließlich vollständig verschwand.