Die Aussagen von Bundeskanzler Friedrich Merz zum Krankheitsstand der Deutschen haben eine intensive Debatte ausgelöst. Der CDU-Politiker hatte am Wochenende betont, dass die Beschäftigten in Deutschland im Schnitt auf 14,5 Krankentage kämen. „Das sind fast drei Wochen in denen die Menschen in Deutschland aus Krankheitsgründen nicht arbeiten. Ist das wirklich richtig? Ist das wirklich notwendig?“, hatte Merz gesagt. Am Montag dann hatte der Kanzler nachgelegt und darauf verwiesen, dass bei den durchschnittlich 14,5 Krankentagen die kurzfristigen Krankmeldungen von ein oder zwei Tagen noch gar nicht dabei seien.

Sprunghafter Anstieg der Fehltage von 2021 auf 2022

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Bei der Deutschen Angestellten-Krankenkasse (DAK), mit rund 5,5 Millionen Mitgliedern eine der größten Krankenkassen in Deutschland, waren die Versicherten im vergangenen Jahr im Schnitt sogar 19,5 Tage krankgeschrieben. „Der Krankenstand in Deutschland pendelt sich demnach auf einem hohen Niveau ein“, erklärte die Kasse am Dienstag. Im Vorjahr 2024 wurde den Angaben zufolge im Schnitt mit 19,7 Fehltagen nur geringfügig mehr verzeichnet.

Und wie sieht es mit dem Krankenstand in Mecklenburg-Vorpommern aus? DAK-Versicherte im nordöstlichsten Bundesland waren im Jahr 2024 durchschnittlich an rund 23 Tagen krankgeschrieben, 2023 waren es noch 24 Tage. Nach Angaben der DAK gab es einen sprunghaften Anstieg bei den Fehltagen von 2021 auf 2022. Damals waren erstmals Arzt-Atteste zur Arbeitsunfähigkeit elektronisch direkt an die Krankenkassen gegangen und mussten nicht mehr von den Versicherten selbst eingereicht werden. Die Zahlen aus dem Jahr 2025 werden laut DAK erst Ende Januar vorliegen. Die Mehrzahl der Fehltage in Mecklenburg-Vorpommern gingen 2024 auf das Konto von drei Erkrankungsgruppen: Atemwegserkrankungen, Muskel-Skelett-Probleme und psychische Leiden.

Wie sieht es in den Landkreisen in MV aus?

Dass sich der Krankenstand in Mecklenburg-Vorpommern auch bei anderen Krankenkassen über dem Bundesdurchschnitt bewegt, zeigen  Daten des Dachverbands der Betriebskrankenkassen (BKK). Demnach lag der Durchschnitt bei den Ausfalltagen in den sechs Landkreisen Mecklenburg-Vorpommerns bei 28,33. Der höchste Krankenstand im Jahr 2024 wurde bei der BKK in Vorpommern-Greifswald mit 29,57 Tagen registriert. Bei den Betriebskassen sind rund neun Millionen Versicherte registriert.

Der DAK-Vorstandsvorsitzende Andreas Storm begrüßte die vom Bundeskanzler initiierte Debatte um den „im internationalen Vergleich hohen Krankenstand“. Storm fordert einen Krankenstands-Gipfel im Kanzleramt. Ziel müsse es sein, „Arbeitgeber, Gewerkschaften, Ärzteschaft und Krankenkassen an einen Tisch“ zu bringen, um Ursachen und Lösungen zu diskutieren. „Ein wichtiger Baustein kann die Einführung einer Teilkrankschreibung bei bestimmten Erkrankungen und Diagnosen sein“, erklärte Storm. Sie sei „bereits ein bewährtes Instrument in skandinavischen Ländern“ und könne ein „wichtiges Instrument zur Senkung des Arbeitsausfalls“ sein.