Standdatum: 21. Januar 2026.

Autorinnen und Autoren:
Marike Deitschun

Ein Taschentuch liegt auf einem Tisch und ein Nasenspray steht daneben. Eine Hand hält ein Mobiltelefon.

Bild: dpa | Hannes P Albert

Die Krankschreibung per Telefon soll bleiben, sagen Bremer Ärztebünde. Sie erleichtert die Arbeit und schützt vor Ansteckung – trotz Kritik aus der Politik.

Nachdem Bundeskanzler Merz die telefonische Krankschreibung bereits mehrfach kritisiert hat und auch die Union diese abschaffen will, sprechen sich der Bremer Hausärzteverband und die Kassenärztliche Vereinigung Bremen (KVHB) dafür aus.

Schon länger kritisieren Fachleute aus der Wirtschaft, wie hoch der Krankenstand in Deutschland ist. Auch Kanzler Friedrich Merz (CDU) beklagte mehrfach, wie oft Menschen sich krankschreiben lassen – zuletzt am Wochenende. Durchschnittlich haben Deutsche 14,5 Krankentage im Jahr, so Merz.

Nun steht unter anderem die Frage im Raum, ob Beschäftigte die Möglichkeit missbrauchen, sich telefonisch krankschreiben zu lassen und man diese abschaffen sollte. Auch in Bremen gibt es seit 2023 die Möglichkeit, sich per Telefon krankschreiben zu lassen.

Tele-AU ist Arbeitserleichterung

Und das ist ein Segen für Kranke, sagt Holger Schelp, erster Vorsitzender des Hausärzteverbands Bremen und selbst praktizierender Hausarzt – gerade bei Migräne und Magen-Darm. Gleichzeitig sei die telefonische Krankschreibung, offiziell Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU), „eine große Arbeitserleichterung für die hausärztlichen Praxen“.

Deswegen wolle man diese auch erhalten. „Wenn wir erkennen, dass einzelne Patienten dies ausnutzen, dann intervenieren wir von uns aus“, erklärt Schelp. Gleichzeitig macht er darauf aufmerksam, dass früher Kurzkrankschreibungen von wenigen Tagen nicht in der Statistik gelangten, da man für diese vom Arbeitgeber oft keine AU brauchte.

Statistisch nur wenige Krankschreibungen per Telefon

Auch Christoph Fox, Sprecher der KVHB, sieht die AU per Telefon positiv. Sie schütze Ärztinnen und Ärzte vor Infektionskrankheiten, erspare den Kranken Wege und entlaste damit sowohl Praxen als auch Patientinnen.

Das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi) habe laut ihm die AU-Daten von 2020 bis 2023 ausgewertet. „Der Anteil der Tele-AU liegt bei gerade einmal 0,8 bis 1,2 Prozent aller Krankschreibungen“, so Fox. Der Anteil der AU per Videosprechstunde sei noch geringer. Zwar haben sich die AU-Fälle zwischen 2021 und 2023 verdoppelt, die Gründe dafür seien aber laut Zi-Analyse einerseits die Corona-Infekte und andererseits die bessere Dokumentation dieser durch die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU).

Dieses Thema im Programm:
Bremen Eins, Nachrichten, 20. Januar 2026, 8 Uhr