Sätze, die anfangen mit den Worten „Ganz Hamburg trauert um“, die stimmen nie. Und natürlich stimmt es auch nicht, dass „ganz Ottensen“ um Cengiz trauert. Es gibt sicher ein paar Menschen, die ihn verpasst haben. Und das ist traurig für sie. Denn er war einer, der den Unterschied machen konnte. An Tagen, an denen ein Baby unablässig schrie oder die Chefs richtig blöd waren, an solchen Tagen ging ich besonders gern ins Lily of the Valley, zu Cengiz.

Er war der einzige Mensch, abgesehen von meiner lange verstorbenen Tante Inge, der sich traute, mich „Schatzi“ zu nennen, auch dann, wenn mein Mann danebenstand. Er war der Einzige, der mir mein Baby entriss, mit ihm durchs Restaurant wirbelte und dafür keine Fausthiebe kassierte. Cengiz durfte das. Seine Herzlichkeit war im besten Sinne entwaffnend, seine Komplimente manchmal völlig wild: Auch Jahre nach der Geburt beglückwünschte er mich immer wieder enthusiastisch zu meiner wiedererlangten Figur.