Bei Markus Lanz diskutieren die Gäste über den Grönland-Konflikt. Dabei nennt der Politologe Peter Neumann drei Maßnahmen, mit denen Europa jetzt reagieren sollte – und ein Szenario, das es unbedingt zu vermeiden gilt.
Der Sicherheitsexperte Peter Neumann hat in der ZDF-Sendung „Markus Lanz“ beschrieben, wie ein mögliches militärisches Vorgehen der USA gegen Grönland aus seiner Sicht ablaufen könnte. Eine unmittelbare Invasion hält der Professor am Londoner King’s College dabei nicht für wahrscheinlich. „Ich glaube nicht, dass Trump in einer Woche befehlen wird, jetzt geht die Invasion los“, sagte Neumann.
Stattdessen rechnet er mit einer schrittweisen Eskalation. „Auch das wird stufenweise laufen“, erklärte Neumann. Konkret nannte er militärische Machtdemonstrationen: „Da wird es militärische Manöver über Grönland geben.“ Möglich seien zudem provokative Aktionen aus der Luft: „Amerikanische Jets, die ganz niedrig über der Hauptstadt von Grönland fliegen.“
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Zudem sieht Neumann die Gefahr militärischer Erpressung. Die USA könnten andere Konflikte in die Auseinandersetzung einbeziehen. „Indem man sagt, wenn ihr uns nicht Grönland gebt, dann ziehen wir unsere Unterstützung der Ukraine zurück“, sagte er.
Neumann ordnete diese Schritte als gezielte Provokationen ein und zog einen Vergleich zu Ostasien: „Provokationen, so wie man das vor Taiwan sieht. So wie man das bei Taiwan und China sieht.“ Solche Aktionen würden Europa vor schwer lösbare Fragen stellen.
Neumann verwies in diesem Zusammenhang ausdrücklich auf die Abhängigkeit der Ukraine von amerikanischer Hilfe. „Es kommen ja ganz viele Waffen aus Amerika, die aber von Europa bezahlt werden“, sagte er. Sollte Washington sich zurückziehen, hätte das gravierende Folgen: „Wenn Amerika sich da komplett zurückzieht, dann sieht es für die Ukraine wirklich schlecht aus.“
Neumann benannte zugleich „vier Dinge“, die Europa im Umgang mit Donald Trump beachten müsse. „Diejenigen in Europa, die einen guten Draht zu Donald Trump haben, die sollten den nutzen“, sagte er, „nicht, um ihm zu schmeicheln“, sondern „um ihm klarzumachen, dass das nicht so weitergehen kann“. Als gelungenes Beispiel für den Umgang mit Trump nannte er die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni.
Zuvor hatte Neumann Trumps derzeitige Haltung als ungewöhnlich ungehemmt bezeichnet. „Es gibt eine politische Erklärung. Es gibt eine persönliche Erklärung“, sagte er. Politisch gehe es um den Anspruch der USA auf „die militärische Dominanz über die westliche Hemisphäre“. Persönlich komme hinzu, dass Donald Trump „seit diesem Erfolg in Venezuela, seit diesem relativ einfachen Erfolg, total ungehemmt ist und so eine Art Hybris verspürt und glaubt, es ginge alles“.
Neumann nennt deshalb auch zweites Instrument im Umgang mit Trump: „die amerikanische Öffentlichkeit, der amerikanische Kongress“, denn „auch und besonders republikanische Senatoren“ seien „absolut bestürzt darüber, was gerade passiert“. Diese besäßen jedoch einen wirksamen Hebel, denn in den USA kann „der Präsident ohne die Zustimmung des Kongresses nichts machen, was Geld kostet“. Der Kongress könne also das Ganze stoppen.
Als dritten Punkt nannte Neumann die Notwendigkeit klarer Gegenmaßnahmen. „Natürlich müssen wir eine rote Linie setzen“, sagte er, und zwar auch wirtschaftlich: „Natürlich ist es wichtig, dass wir auf diese Zölle antworten mit ähnlichen Maßnahmen.“ Gleichzeitig warnte er davor, falsch zu reagieren: „Wenn wir auf Zölle auf Güter mit anderen Zöllen auf Gütern antworten, dann glaube ich, vermute ich, leiden wir Europäer mehr, als dass es die Amerikaner tun.“
Der vierte Punkt sei jedoch entscheidend: „Wir müssen unbedingt verhindern, dass es zu einer militärischen Auseinandersetzung eskaliert“, so Neumann. „In dem Moment, wo die Amerikaner sagen, jetzt geht es aber militärisch los, dann hat eigentlich Europa verloren“, sagte Neumann. Europa habe in solchen Szenarien kaum Handlungsspielraum. „Was machen wir denn? Schießen wir dann amerikanische Flugzeuge ab? Ich glaube nicht, dass viele in Europa dazu bereit sind.“
kami