ICE-Trasse mit Gleisbett

Stand: 21.01.2026 11:57 Uhr

Sieben Organisationen und Verbände fordern die Koalition im Bund auf, einem Neubau der Bahnstrecke Hannover-Hamburg zuzustimmen. Ihren Angaben zufolge soll sich der Verkehrsausschuss des Bundestags bald damit befassen.

Ihre Forderung haben die Verbände und Organisationen in einem offenen Brief an die beiden verkehrspolitischen Sprecher der Koalitionsfraktionen im Bund adressiert, Isabel Cademartori (SPD) und Björn Simon (CDU/CSU). Unterzeichner sind Fridays for Future Deutschland, die Jusos Niedersachsen, Allianz pro Schiene, der Verkehrsclub Deutschland (VCD), Initiative Deutschlandtakt und NextGen Deutschlandtakt.

Offener Brief: „Katastrophale Lage für alle Bahnkunden“

Die Verbände und Organisationen betonen in dem Schreiben, dass nur ein Neubau die Kapazitäten schaffen könne, die es brauche, um mehr Verkehr von der Straße auf die Schiene zu verlagern. „Jetzt liegt es an Ihnen: Wollen Sie die derzeitige katastrophale Lage für alle Bahnkunden auf Jahrzehnte weiter zementieren oder gehen Sie mutig den Schritt nach vorne hin zu einem besseren Bahnverkehr für ganz Deutschland“, appelliert das Bündnis an die verkehrspolitischen Sprecher der CDU/CSU- und SPD-Bundestagsfraktionen.

Ein ICE steht an einem Bahngleis.

Das Bundesverkehrsministerium hat seinen Bericht nach NDR Informationen vorgelegt. Einige Wünsche blieben unberücksichtigt.

Naturschutz und Lärm: Bündnis sieht Handlungsspielraum

Im vergangenen Dezember hatte das Bundesverkehrsministerium dem Verkehrsausschuss seinen Bericht zur Neubaustrecke übermittelt. Darin empfiehlt es den Abgeordneten einen Neubau. Über die Bahnstrecke Hannover-Hamburg wird bereits seit Jahren gestritten. Kritiker der Neubaustrecke bemängeln unter anderem Eingriffe in die Natur. In dem offenen Brief geht das Bündnis zwar auch auf Vorbehalte ein, die es vor Ort entlang der geplanten Strecke gibt. Die Verbände und Organisationen betonen aber, dass es den Fraktionen in der parlamentarischen Befassung möglich sei, für eine flächenschonende Parallelführung der Strecke zur Autobahn A7 sorgen. Dazu könnten sie den Mindestabstand nach Bundesfernstraßengesetz aufheben. Auch könnten die Abgeordneten sich für einen guten Lärmschutz starkmachen und sich dafür einsetzen, dass entlang der Neubaustrecke Regionalhalte entstehen, von denen Anwohner profitieren.

Schätzung der Baukosten liegt weit auseinander

Kritik gibt es außerdem an den hohen Kosten, die durch den Neubau der Bahnstrecke anfielen. Zuletzt hatte Niedersachsens Verkehrsminister Grant Hendrik Tonne (SPD) die finanzielle Grundlage für die Neubaustrecke infrage gestellt. Die stark voneinander abweichenden Kostenannahmen würden keine verlässlichen Entscheidungen erlauben, sagte er. Die Baukosten werden derzeit auf rund 8,8 Milliarden Euro geschätzt – könnten jedoch auf bis zu gut 14,1 Milliarden Euro steigen. Das Bundesverkehrsministerium hatte den Entwurf als wirtschaftlich eingeschätzt.

Ein ICE der Deutschen Bahn fährt schnell durch ein bewaldetes Gebiet.

Zu diesem Ergebnis kommt das Bundesverkehrsministerium nach einer neuen Berechnung. Der Ausbau ist seit Jahren umstritten.

Politikerin aus der Region warnt vor schneller Entscheidung

Bundestagsabgeordnete Cornell Bebendererde (CDU) hatte zuletzt unter anderem mehr Zeit für das Verfahren zur Bahnstrecke gefordert. Es sei noch nicht reif für eine Entscheidung im Bundestag, weil zentrale fachliche, rechtliche und demokratische Voraussetzungen fehlten. „Bei einem Projekt dieser Tragweite müssen alle Fakten auf dem Tisch liegen, bevor das Parlament sich positioniert. Aktuell ist das Fundament dafür schlicht zu schwach“, teilte die CDU-Abgeordnete für den Wahlkreis Winsen (Landkreis Harburg) bereits am Dienstag mit. Sie fordert eine sogenannte Raumverträglichkeitsprüfung. Diese würde üblicherweise bei Großprojekten durchgeführt werden, so Bebendererde. Das sei bislang nicht passiert.

Bahnstrecke Hannover-Hamburg überlastet

Als frühester Fertigstellungstermin gilt 2050. Die Deutsche Bahn hält den Neubau für notwendig, um der wachsenden Nachfrage im Personen- und Güterverkehr gerecht zu werden. Die Strecke Hannover-Hamburg zählt nach ihren Angaben zu den unpünktlichsten in Deutschland: Täglich nutzen demnach rund 245 Züge eine Infrastruktur, die lediglich für etwa 185 Züge ausgelegt ist. Auch die Städte Hamburg, Hannover und Lüneburg sowie der Landkreis Lüneburg haben sich gemeinsam für einen Neubau ausgesprochen.

Ein Kreuz steht als Protest gegen eine geplante Neubaustrecke der Bahn auf einem Hof beim «Heidegipfel» zu dem die Bürgerinitiativen Pro-Alpha-E und der Projektbeirat Alpha-E eingeladen haben.

Die Trasse zwischen den Städten ist überlastet. Wie die Situation entlastet werden soll, wird seit 1962 diskutiert. Ende in Sicht?

Bahnarbeiter arbeiten auf einer Bahnstrecke in Hamburg.

Am Freitag hat das Unternehmen die Vorplanung vorgestellt. Die Niedersächsische Landesregierung reagierte empört.

Eine Gedenkstätte für das KZ Bergen-Belsen.

Die geplante Neubaustrecke Hannover-Hamburg verläuft in der Nähe der Gedenkstätte. Diese fordert eine alternative Trassenführung.

Gleise von Oben fotografiert.

Wegen der Arbeiten gibt es ab Mai Einschränkungen für Fahrgäste. Der erste Info-Termin findet am Dienstag in Celle statt.