Er hält ihr vor, dass sie weggeschaut hätte, als er ihre Hilfe brauchte. Zudem habe sie ihn geschlagen und all ihre Wut an ihm ausgelassen. Sie beschimpft ihn als Perversen, dessen Anwesenheit sie krank mache und der besser verschwinden solle. Er und sie: Das sind in diesem Film ein junger Mann und seine Mutter. Die beiden haben sich seit Jahren nicht gesehen, bei einem Besuch will er die Vergangenheit aufarbeiten und Unausgesprochenes aussprechen. Dafür zückt er sein Handy wie eine Waffe und filmt das Gespräch. Sie filmt zurück und konfrontiert ihn mit noch viel heftigeren Vorwürfen. Immer hitziger wird das Gespräch, immer tiefer die Abgründe, in die beide blicken lassen.

„Scham“ ist ein filmisches Zweipersonenstück, es thematisiert häusliche Gewalt, Mobbing und sexuellen Missbrauch. Inszeniert und geschrieben wurde es vom Münchner Nachwuchsfilmer Lukas Röder, dessen Studentenfilm „Gehirntattoo“ vor vier Jahren bei den Hofer Filmtagen mit dem hoch dotierten Hofer Goldpreis ausgezeichnet wurde. „Scham“ ist Röders Abschlussfilm an der HFF München, das sieht man dem Film auch an: Er nutzt die Freiräume, die Filmemachern bei Debüts gewährt werden, er lotet Grenzen aus, ist inhaltlich und künstlerisch radikal.

Die Rolle der Mutter hat die erfahrene Berliner Schauspielerin Heike Hanold-Lynch übernommen, ihren Sohn spielt Til Schindler. Der gebürtige Münchner sammelte bereits als Jugendlicher erste Schauspielerfahrungen, er steht auf der Theaterbühne und spielt in Kurzfilmen oder Serien mit. Die Rolle in „Scham“ dürfte seine bisher größte und intensivste sein. Bundesweit in den Kinos läuft der Film am 29. Januar an, vorher stellen ihn der Regisseur und sein Team noch persönlich in München vor.

Scham, D 2025, Regie: Lukas Röder, Premiere und Filmgespräch am Sonntag, 25. Januar, 20.15 Uhr, Monopol Kino, Schleißheimer Straße 127