US-Präsident Donald Trump hat beim Weltwirtschaftsforum (WEF) im Schweizer Alpenort Davos seine Besitzansprüche auf die zu Dänemark gehörende Insel Grönland bekräftigt und forderte sofortige Verhandlungen über den Erwerb der arktischen Insel.
„Wir brauchen es für die strategische nationale Sicherheit und die internationale Sicherheit“, sagte er. Gleichzeitig betonte er, dass er nicht militärisch vorgehen will: „Ich will keine Gewalt anwenden. Ich werde keine Gewalt anwenden.“
Grönland liege an einem strategisch wichtigen Ort und werde nicht verteidigt, sagte Trump. Die USA hätten Dänemark im Zweiten Weltkrieg gerettet, nun zeige sich das Land undankbar.
Ein Kauf Grönlands durch die USA würde die Sicherheit der Nato erhöhen und sei keine Bedrohung für das Bündnis. Ihm gehe es dabei nicht wie vielfach behauptet um den Abbau von Rohstoffen wie Seltene Erden, die Hunderte Meter unter dem Eis lägen.
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Zuvor hatte Trump seine Rede mit ausführlichem Eigenlob eröffnet. Im vergangenen Jahr – dem ersten seiner zweiten Amtszeit – seien die Löhne gestiegen, die Inflation unter Kontrolle und die Wirtschaft in Schwung gekommen, sagte Trump. Das bedeute, dass ein starkes Amerika auch der Welt nutze.
Bis zu seinem zweiten Amtsantritt am 20. Januar 2025 seien die USA ein „totes Land“ gewesen, sagte er. „Jetzt sind wir das angesagteste Land der Welt“, fügte er hinzu.
Trump zeigte sich in Davos zuversichtlich, dass sich die US-Wirtschaft positiv entwickeln werde. „Die USA sind der Wirtschaftsmotor der Welt“, sagte er. „Und wenn Amerika boomt, boomt die ganze Welt.“
„Ich glaube nicht, dass Europa in die richtige Richtung geht“
Dann folgte Kritik an Europa. „Der alte Kontinent geht nicht mehr in die richtige Richtung“, sagt Trump. „Ich erkenne es nicht wieder.“ Für die Lage machte er unter anderem „unkontrollierte Massenmigration und endlose Importe aus dem Ausland“ verantwortlich.
Bestimmte Orte in Europa seien nicht mehr wiederzuerkennen, behauptete Trump, und fügte hinzu, dass dies „nicht positiv“ gemeint sei. Welche Länder Trump konkret meint, sagte er nicht.
Auch Europas Bemühungen um saubere Energie griff er scharf an. Er sprach von einem „grünen Betrug“, „vielleicht dem größten Schwindel der Geschichte“. Europa verschandele die Landschaft mit Windrädern, die Energieproduktion sei viel zu teuer.
Trump betonte, die USA setzten weiterhin stark auf Öl und Gas, ergänzten dies aber durch einen deutlichen Ausbau der Atomenergie. „Ich habe eine Verordnung unterzeichnet, die den Bau und die Genehmigung vieler neuer Kernreaktoren vorsieht“, sagte er. Es seien große Fortschritte bei der Sicherheit von Atomreaktoren gemacht worden, behauptete er.
Lob hatte er dagegen für Bundeskanzler Friedrich Merz übrig. Deutschland generiere derzeit gut ein Fünftel weniger Strom als noch 2017, sagte Trump, doch das sei aber nicht die Schuld des CDU-Politikers. „Er löst das Problem. Er wird großartige Arbeit leisten“, so Trump.
Rechtfertigung für Eingriff in Venezuela
Trump verteidigte beim Weltwirtschaftsforum auch seinen angeordneten Eingriff in Venezuela. Er kündigte „goldene Zeiten“ für das Land an und stellte eine enge wirtschaftliche Zusammenarbeit in Aussicht. Die USA würden 50 Millionen Barrel venezolanisches Öl erhalten, das zwischen beiden Staaten aufgeteilt werde.
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Der US-Präsident erklärte, Venezuela sei „vor 20 Jahren ein großartiges Land“ gewesen, leide nun aber unter schweren Problemen. Die USA würden helfen, das Land wirtschaftlich wieder aufzubauen. Er prognostizierte, dass Venezuela „in den nächsten sechs Monaten mehr Geld verdienen wird als in den vergangenen 20 Jahren“ und große Ölkonzerne zurückkehren würden.
Trump will, dass das „Blutbad“ in der Ukraine endet
Den Krieg in der Ukraine bezeichnete er wiederum als Blutbad. „Und das ist, was ich beenden möchte“, sagte Trump. „Was bekommen die Vereinigten Staaten für all diese Arbeit, dieses Geld, außer Tod, Zerstörung und riesige Geldsummen für Menschen, die nicht anerkennen, was wir tun“, sagte Trump.
Nato und Europa müssten sich um die Ukraine kümmern. „Die USA sind weit entfernt. Wir haben einen großen, schönen Ozean, der uns davon trennt. Wir haben damit nichts zu tun.“
Trump betonte, er arbeite nur wegen der Menschen an einem Kriegsende in der Ukraine. „Sie sind jung. Junge Menschen wie Ihr. (…) Sie ziehen in den Krieg, ihre Eltern sind so stolz.“ Zwei Wochen später seien sie tot. Nur deshalb wolle er den Krieg beenden. „Aber indem ich das tue, helfe ich Europa, ich helfe der Nato.“
Er werde mit Russlands Präsident Wladimir Putin weiter beraten, noch heute könne er sich mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj treffen, sagte Trump weiter.
Zweifel an Nato-Unterstützung für USA
In Davos zweifelte Trump auch die Unterstützung der Nato-Verbündeten für die USA an. „Das Problem mit der Nato ist jedoch, dass wir zu 100 Prozent für sie da sein werden, aber ich bin mir nicht sicher, ob sie für uns da sein werden, wenn wir sie rufen“, sagte er.
Trump sprach von einem Szenario, in dem die USA „von dieser und jener Nation“ angegriffen und um Hilfe bitten würden: „Ich weiß, dass wir für sie da wären, aber ich weiß nicht, ob sie für uns da wären.“
Er knüpfte zudem an seine wiederholten Forderungen nach höheren Verteidigungsausgaben europäischer Nato-Partner an. Er sagte: „Bei all dem Geld, das wir ausgeben, bei all dem Blut, Schweiß und den Tränen weiß ich nicht, ob sie für uns da wären.“ Trump hatte bereits in der Vergangenheit kritisiert, die USA würden finanziell und militärisch von europäischen Bündnispartnern ausgenutzt.
Großer Andrang vor Rede
Seine Rede sorgte schon vor Beginn für einen großen Ansturm. Ungewöhnlich viele Besucher wollten sie hören. Laut dpa bildeten sich bereits mehr als eine Stunde vor dem geplanten Beginn um 14.30 Uhr lange Warteschlangen.
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Hunderte drängten vor dem Hauptsaal, teils kam es zu Gedränge und Schubsereien. Die Organisatoren wiesen darauf hin, dass nur Teilnehmer mit speziellen Zugangsberechtigungen überhaupt eine Chance auf einen Platz hätten. Für alle anderen waren Überlaufsäle vorgesehen, in denen die Rede per Leinwand übertragen werden sollte. (Reuters/dpa/Tsp)