Ausfallkosten von 180 Millionen Euro im Jahr

Marode Rheinbrücken werden zum Wirtschaftsrisiko

Aktualisiert am 21.01.2026 – 14:19 UhrLesedauer: 2 Min.

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Die Theodor-Heuss-Brücke in Düsseldorf (Archivbild): Ab Februar dürfen nur noch Fahrzeuge bis 3,5 Tonnen die Rheinbrücke benutzen. (Quelle: Jochen Tack/imago-images-bilder)

Marode Rheinbrücken verursachen jährlich Millionenverluste und gefährden den Wirtschaftsstandort Rheinland. Die IHK warnt vor den Folgen.

Die Brücken entwickeln sich laut IHK zu einem ernsthaften Risiko für den Wirtschaftsstandort Rheinland, weil die Unternehmen Zeit, Planungssicherheit und Wettbewerbsfähigkeit verlieren. „Lieferketten werden unterbrochen, Umwege verursachen zusätzliche Kosten und belasten Umwelt wie Beschäftigte gleichermaßen“, heißt es in einer Mitteilung.

Nach Berechnungen der IHK belaufen sich die Ausfallkosten wegen der eingeschränkten Nutzbarkeit der Theodor-Heuss-Brücke, der Friedrich-Ebert-Brücke in Bonn (Nordbrücke, Ablastung auf 7,5 Tonnen) und zuvor der Josef-Kardinal-Frings-Brücke sowie der Uerdinger Brücke zwischen Krefeld und Duisburg bereits jetzt auf rund 180 Millionen Euro pro Jahr.

Für Gregor Berghausen, Hauptgeschäftsführer der geschäftsführenden IHK Düsseldorf, sind die Rheinbrücken „systemrelevante Lebensadern für den Wirtschaftsraum Rheinland“. Wenn sie für Lkws und den Wirtschaftsverkehr nicht mehr nutzbar sind, „trifft das Unternehmen unmittelbar – mit massiven Folgen für Investitionsentscheidungen, Wirtschaftswachstum, Wettbewerbsfähigkeit und Versorgungssicherheit“, sagt er.

Viele der maroden Brücken – darunter auch die Fleher Brücke in Düsseldorf – müssen neu gebaut werden. Laut IHK ist entscheidend, dass dafür alle verfügbaren Instrumente zur Planungs- und Genehmigungsbeschleunigung konsequent genutzt werden. „Die Baulastträger müssen sämtliche Möglichkeiten ausschöpfen, die das geltende Planungsrecht bietet. Die IHKs haben hierzu zahlreiche konkrete Vorschläge vorgelegt – jetzt müssen sie umgesetzt werden“, sagt Berghausen.

Ferner ist für die IHK eine deutlich stärkere Koordinierung durch das Land NRW erforderlich. Bund, Land, Kommunen und Bahn als unterschiedliche Baulastträger müssten ihre Maßnahmen abstimmen, um zusätzliche Engpässe zu vermeiden. Die bisherigen Arbeitskreise erzielten diesbezüglich zu wenig Wirkung. Ebenso notwendig seien gemeinsam mit den Städten entwickelte Umleitungskonzepte, die die bestehenden Restriktionen realistisch berücksichtigen und weitere Brückenausfälle einkalkulieren.

Ein letzter zentraler Punkt bei der Problemlösung ist aus Sicht der IHK der Denkmalschutz. Angesichts der Systemrelevanz der Rheinbrücken bräuchte es pragmatische Ausnahmen, um notwendige Neubauten oder Ersatzlösungen nicht weiter zu verzögern. Auch auf der rechtlichen Ebene sieht die IHK Handlungsbedarf: Um Klagen gegen Infrastrukturprojekte zügig zu bearbeiten, fordert sie die Einrichtung eines eigenen Infrastruktursenats beim Oberverwaltungsgericht Münster.

Berghausen nimmt abschließend Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) in die Pflicht, von dem nun politische Führung gefragt ist. Wüst müsse die Koordination übernehmen und die zuständigen Stellen im Verkehrsministerium, im Heimatministerium sowie bei den Bezirksregierungen klar anweisen, gemeinsam und entschlossen zu handeln. Berghausen sagt: „Ohne schnelles und abgestimmtes Vorgehen droht dem Rheinland ein dauerhafter Infrastrukturstillstand – mit enormen Schäden für Wirtschaft und Arbeitsplätze.“