Die amerikanische Sängerin Halsey steht in einer Ahnenreihe großer Schmerzenskünstlerinnen, die von Nina Simone bis Billie Eilish reicht. Ihr letztes Album ist ein faszinierendes Verwechslungsspiel mit 18 Ikonen der Pophistorie.

Außerdem von der Ticket-Redaktion für Sie ausgewählt: eine schwedische Avantgarde-Organistin, eine Berliner Underground-Legende, genderfluider Glamrock und Hip-Hop aus Kalifornien und dem Rhein-Main-Gebiet.

1 Anna von Hausswolff Anna Von Hausswolff The Swedish composer and pianist Anna Von Hausswolff performs a live concert at VEGA in Copenhagen as part of Colossal Weekend Festival 2017. Denmark, 05/05 2017. Copenhagen Denmark VEGA Copenhagen PUBLICATIONxNOTxINxDENxNOR Copyright: xGonzalesxPhoto/PeterxTroestx Auch ohne Iggy eine Klasse für sich: Die Schwedin Anna von Hausswolff.

© imago images/Gonzales Photo/Gonzales Photo/Peter Troest via www.imago-images.de

Als Tochter eines Avantgarde-Musikers ist Anna von Hausswolff familiär vorbelastet. Jedenfalls hat die Schwedin seit 2010 ein halbes Dutzend Alben veröffentlicht, mit denen sie das Klangspektrum der zeitgenössischen Popmusik unermüdlich erweitert.

Wenn ihr frostiger Sirenengesang auf bollerndes Schlagwerk und massive Orgeldrones trifft, entsteht ein ins Jenseitige wabernder Sound, der klingt, als hätten Nico, Sonic Youth und Rick Wakeman eine Gothic-Rock-Band gegründet.

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„Iconoclasts“ heißt ihr jüngstes Werk, auf dem der unkaputtbare Iggy Pop ein Duett mit Hausswolff singt.

Huxleys Neue Welt, Hasenheide 108, Neukölln, Do 22.1., 20 Uhr, 33 Euro

2 Halsey Halsey bei den 82. Internationalen Filmfestspiele von Venedig Venedig Macht auch auf dem roten Teppich eine gute Figur: Halsey mit Freund Avan Jogia bei den Filmfestspielen von Venedig am 1. September 2025.

© IMAGO/Christian Ender/IMAGO/Christian Ender

Von Nina Simone bis Nick Drake, von Kurt Cobain bis Billie Eilish: Große Popmusik war schon immer nicht nur Rebellion und Extase, sondern auch Leiden an den Unzulänglichkeiten des Daseins und Hadern mit der eigenen Existenz.

In diese Ahnenreihe gehört auch die amerikanische Musikerin Halsey, deren Karriere ein Leben als Balanceakt zwischen Absturz und Triumph reflektiert.

Schon als Jugendliche wurde bei Ashley Frangipane (ihr Alias ist ein Anagramm ihres Vornamens) eine bipolare Störung attestiert. Ihre Krankenakte (Lupus, Tachykardiesyndrom, Endometriose u. a.) liest sich wie die Zusammenfassung einer Staffel von „Dr. House“.

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Angesichts dieses Hintergrunds und turbulenter Liebesbeziehungen mit Celebrities wie Matty Healy (Sänger von The 1975) oder Schauspieler Evan Peters („X-Men“) wundert es kaum, dass auch die Musik von Halsey einen Zug ins Tragische aufweist.

So ist ihr größter Hit „Without Me“ (2018) eine Aufarbeitung der toxischen On-off-Beziehung mit dem Rapper G-Eazy. Erstaunlicherweise hat die mit jedem Album zunehmende Gemütsverschattung Halseys Erfolg nicht ausgebremst.

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Ihr fünftes Album „If I Can’t Have Love, I Want Power“, auf dessen Cover Halsey wie eine mörderische Königin aus „Game of Thrones“ posiert, ist ein nachtschwarzes Meisterwerk und erreichte in etlichen Ländern die Top 10.

Halseys Alben, anfangs noch im erweiterten Mainstream zwischen Lana Del Rey und Lorde zu verorten, wurden nicht nur düsterer, sondern auch komplexer.

Das gipfelte 2024 in „The Great Impersonator“: Mit 18 eigens komponierten Songs huldigt Halsey Pop-Größen (darunter ihrem jüngeren Selbst aus dem Jahr 2014), die für ihre Entwicklung entscheidend waren.

Sie channelt Pop-Ikonen wie Marilyn Monroe, PJ Harvey, David Bowie oder Björk. Natürlich sind naheliegende Vorbilder wie Fiona Apple, Joni Mitchell oder Tori Amos dabei, aber auch unerwartete Heldinnen und Helden wie Dolly Parton und Bruce Springsteen.

Erstaunlich ist, dass die Platte beides ist: eine chamäleonhaft täuschende Hommage – ist das wirklich Stevie Nicks, die da in „Panic Attack“ singt? (Nein, sie ist es nicht) – und das originäre Werk einer hinter der Camouflage stets erkennbaren Musikerin.

„The Great Impersonator“ ist große Pop-Kunst – und Halseys am wenigsten erfolgreiches Werk. Sie wird es verschmerzen können.

Velodrom, Paul-Heyse-Str. 26, Prenzlauer Berg, Fr 23.1., 20 Uhr, ab 76 Euro

3 Masha Qrella Masha Qrella Heldin des Untergrunds: Masha Qrella.

© Diana Naecke

Sie würde nie auf die Idee kommen, sich als gescheiterte Künstlerin zu betrachten. Doch auch nach 30 Jahren im Musikgeschäft ist Masha Qrella nicht annähernd so bekannt, wie es längst verdient wäre.

Wie kaum eine andere hat sie sich um die Berliner Indie-Szene verdient gemacht, ist aber trotz Achtungserfolgen (zwei ihrer Songs tauchten in der TV-Serie „Grey’s Anatomy“ auf) und zahlloser Projekte eine unbesungene Heldin der Selbstverwirklicher-Metropole.

Für ihr aktuelles Konzert, wieder mal in einer überschaubaren Location, hat sich Qrella das befreundete Berliner Post-Krautrock-Trio Yelka eingeladen.

Drei Tage vorher gastiert Masha Qrella auch in Potsdam, um ihr letztes Album „Songbook“ vorzustellen: Waschhaus Potsdam, Schiffbauergasse 6, Sa 24.1., 20 Uhr, 22 Euro

Kantine am Berghain, Am Wriezener Bahnhof, Friedrichshain, Di 27.1., 20 Uhr, 22 Euro

4 Ezra Furman Ezra Furman Für Sie immer noch: Ms. Ezra Furman.

© Eleanor Petry

Seit der ersten Staffel im Jahr 2019 gehört Ezra Furman zu jenem exklusiven Zirkel, der die Netflix-Serie „Sex Education“ mit passender Musikbegleitung versorgt. Das ist auf vielerlei Ebenen überaus passend.

Denn Furman hat nicht nur mit leidenschaftlichen Indie-Glamrock-Hymnen wie dem springsteenesken „Suck the Blood from My Wound“ (eine Art queeres „Born To Run“) Maßstäbe gesetzt und Suchenden aller Gender Identifikationsmaterial geliefert.

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Furman, geboren 1986 in Chicago, ist auch durch die eigene Transition – Furman hatte ihr Coming Out als trans Frau 2021 – Role Model für eine Generation, die klassische Geschlechterzugehörigkeiten für obsolet hält.

Columbia Theater, Columbiadamm 9-11, Tempelhof, So 25.1., 20 Uhr, 33 Euro

5 Reezy Reezy Auf dem Weg nach ganz oben: Reezy.

© imago/Gartner/IMAGO/Gartner

Reezy, bürgerlich Raheem Heid, konnte im Gegensatz zu seinem Vater D-Flame, der in den 90ern zur ersten deutschen Hip-Hop-Generation gehörte, die volle Bandbreite der Social-Media-Kanäle nutzen, um seiner Karriere die nötige Starthilfe zu verschaffen.

Natürlich ist neben der Selbstvermarktung Talent der wichtigste Baustein für eine erfolgreiche Rapperlaufbahn. Und davon scheint Reezy, 30 Jahre alt, aufgewachsen in der Nordweststadt in Frankfurt am Main, genug zu haben.

Vom harten Gangstarap regionaler Kollegen wie Azad oder Haftbefehl grenzt sich sein melodischer Singsang deutlich ab. Reezy orientiert sich an US-Vorbildern wie Travis Scott oder A$ap Rocky und trifft mit seinen grüblerischen Lyrics einen Nerv.

Sein jüngstes Album „Born Spinner“, natürlich Nr. 1 in Deutschland, ist der vorläufige Endpunkt einer rasanten Entwicklung, die Reezy im Triumphzug durch die größten Hallen führt.

Uber Arena, Uber Platz 1, Friedrichshain, Mo 26.1., 20 Uhr, ab 62 Euro

Mehr zu den Themen Popkultur und KonzerteComeback-Konzert in Berlin Das große Glück von Xavier Naidoo Neuer Song von Haftbefehl Der Rapper kehrt mit „Syndrom Stockholm“ zur alten Härte zurück Mit Röhrenmikro auf die Vinyl-Scheibe Warum internationale Musikprofis in ein Tonstudio nach Berlin-Kreuberg pilgern 6 Earl Sweatshirt Earl Sweatshirt Lieber breit als Streit: Earl Sweatshirt nimmt’s locker.

© Trinity/Promo

Obwohl seine Karriere im krawallbereiten Kollektiv Odd Future an der Seite von Tyler, The Creator und Frank Ocean Fahrt aufgenommen hat, ist Earl Sweatshirt von den Verwerfungen der jüngeren Hip-Hop-Ära verschont geblieben.

Statt Beef mit Drake oder Zoff mit Kanye zu haben, chillt sich Thebe Kgositsile, wie der 1994 in Chicago geborene Wortartist bürgerlich heißt, mit unverwechselbarem Flow durch seine irrlichternden Tracks.

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Sweatshirt ist sicher nicht der produktivste (in den vergangenen sieben Jahren erschienen drei Alben, jeweils 24 Minuten lang), aber einer der spannendsten Rap-Stilisten der Gegenwart.

Metropol, Nollendorfplatz 5, Schöneberg, Di 27.1., 20 Uhr, 45 Euro