Tamerlano, Rinaldo und Atalanta: Von 20.2. bis 8.3. werden in Karlsruhe gleich drei Händel-Opern aufgeführt. Auch eine Gala der Countertenöre gehört zum Festspielprogramm.

Ein Herrscher fällt seinem politischen Gegner in die Hände, am Ende einer damit beginnenden Spirale der Erniedrigung entzieht er sich der Gefangenschaft durch Selbstmord. Was nach der neuesten Nachricht aus der Welt der Despoten unserer Tage klingt, ist in Wahrheit der Handlungskern einer Händel-Oper, die 1724 in London uraufgeführt wurde.

Tamerlano, der Herrscher der Mongolen und vielleicht besser unter seinem historischen Namen Timur Lenk bekannt, setzt darin den besiegten osmanischen Sultan Bajazet gefangen. Damit nicht genug, will Tamerlan, obwohl er bereits mit Irene, der Prinzessin von Trapezunt, verlobt ist, Bajazets Tochter Asteria ehelichen. Und ausgerechnet sein griechischer Verbündeter Andronico, den Asteria heimlich liebt, soll in seinem Namen um die Widerspenstige werben. Dadurch kommen Ereignisse in Gang, die schließlich dazu führen, dass Bajazet lieber Gift schluckt, als Tamerlans Gier und Willkür noch länger ausgeliefert zu sein.

Bruch mit Traditionen

In seinem „Tamerlano“, der als Opernneuproduktion im Mittelpunkt der diesjährigen Karlsruher Händel-Festspiele (20.2. bis 8.3.) steht, erweist sich der Barockkomponist als auffällig innovativ. Dass Georg Friedrich Händel die Hauptrolle des Bajazet nicht mit einem Kastraten, sondern mit einem Tenor besetzte, war für damalige Operngepflogenheiten geradezu revolutionär. Und auch, wie in Bajazets Sterbemonolog Arioso und Rezitativ ineinander übergehen, bedeutet einen krassen Bruch mit den Traditionen der Opera seria: Der Gesang erfährt zunächst eine dramatische Steigerung, ehe er, immer stärker stockend und leiser werdend, regelrecht zerbröselt.

Experte für historisch informiertes Musizieren: René Jacobs dirigiert „Tamerlano“. Experte für historisch informiertes Musizieren: René Jacobs dirigiert »Tamerlano«.| | Foto: P. Matsas

Am Badischen Staatstheater Karlsruhe übernimmt mit René Jacobs einer der besten Dirigenten im Alte-Musik-Bereich die Einstudierung dieses Ausnahmewerks. Es spielt das Freiburger Barockorchester. Zwei Countertenöre – Christophe Dumaux und Alexander Chance – schlüpfen in die Rollen von Tamerlano und Andronico, den Bajazet singt der schottische Tenor Thomas Walker. Inszenierung, Bühnenbild und Kostüme ersinnt der 1969 in Südafrika geborene Opernsänger und Regisseur Kobie van Rensburg.

Von den fünf „Tamerlano“-Vorstellungen sind drei bereits ausverkauft. Karten gibt es noch für die Aufführungen am Mittwoch, 25. Februar, und Dienstag, 3. März, jeweils um 19 Uhr.

Wiederaufnahme aus dem Vorjahr: „Rinaldo“ mit Countertenor Lawrence Zazzo in der Titelpartie. Wiederaufnahme aus dem Vorjahr: »Rinaldo« mit Countertenor Lawrence Zazzo in der Titelpartie.| Foto: Felix Grünschloß/oho

Bei den szenischen Produktionen sorgen diese 48. Händel-Festspiele außerdem für ein Wiedersehen mit dem „Rinaldo“ aus dem Vorjahr. Die Inszenierung von Hinrich Horstkotte spielt, optisch opulent, mit dem Erbe der barocken Zauberoper. Das ergibt tolle Bilder, in der Personenregie aber fällt die Darbietung oft ab ins unfreiwillig Lächerliche. In der Titelpartie ist, wie schon 2025, der Countertenor Lawrence Zazzo zu erleben (Fr 27.2., 19 Uhr; So 1.3., 15 Uhr; Mi 4.3., 19 Uhr).

Gala der Countertenöre

Neben einer dritten Barockoper, „Les Boréades“, die freilich nicht von Händel, sondern von seinem französischen Zeitgenossen Jean-Philippe Rameau stammt, gehören auch etliche Konzerte zum Programm der Festspiele.

So singt etwa Mayaan Licht, der nicht als Countertenor, sondern dezidiert als Sopranist angekündigt wird, am Samstag, 21. Februar, 19.30 Uhr, im Badischen Staatstheater Arien von Händel, Porpora und Vivaldi. Zuletzt frappierte Licht hierzulande bei den Schwetzinger Festspielen 2025, als er seine Sopranstimme in Johann Christian Bachs „Amor Vincitore“ dem liebeskummervollen Hirten Alcidoro lieh.

Frappiert mit hoher Stimme: Sopranist Mayaan Licht singt am 21.2. Arien von Händel, Porpora und Vivaldi. Frappiert mit hoher Stimme: Sopranist Mayaan Licht singt am 21.2. Arien von Händel, Porpora und Vivaldi.| Foto: Nadav Yahalomi/oho

Apropos Männer mit hohen Stimmen: Der Farinelli-Gesangswettbewerb für Countertenöre, der dieses Jahr zum zweiten Mal im Rahmen der Karlsruher Händel-Festspiele stattfinden sollte, wurde wegen der „geringen Zahl an qualifizierten Bewerbungen“ abgesagt. Stattdessen wird es nun, ebenfalls im Namen des berühmten Kastratensängers Farinelli, eine Galanacht der Countertenöre geben (Mo 2.3., 19 Uhr).

Mit von der Partie ist dann auch Dennis Orellana, der Sieger des letztjährigen Farinelli-Wettbewerbs. In der Rolle des Meleager wirkt Orellana zusätzlich an zwei konzertanten Aufführungen von Händels „Atalanta“ mit, einer Pastoraloper, die eine mythologische Geschichte aus Ovids „Metamorphosen“ mit dem Genre des Schäferspiels verknüpft (Sa 28.2., 19.30 Uhr; So 8.3., 16 Uhr, jeweils in der Christuskirche).

48. Händel-Festspiele: 20.2. bis 8.3., Karlsruhe, Badisches Staatstheater (und andere Stätten), Karten/Info: www.staatstheater.karlsruhe.de

Tamerlano, Rinaldo und Atalanta: Von 20.2. bis 8.3. werden in Karlsruhe gleich drei Händel-Opern aufgeführt. Auch eine Gala der Countertenöre gehört zum Festspielprogramm.

Ein Herrscher fällt seinem politischen Gegner in die Hände, am Ende einer damit beginnenden Spirale der Erniedrigung entzieht er sich der Gefangenschaft durch Selbstmord. Was nach der neuesten Nachricht aus der Welt der Despoten unserer Tage klingt, ist in Wahrheit der Handlungskern einer Händel-Oper, die 1724 in London uraufgeführt wurde.

Tamerlano, der Herrscher der Mongolen und vielleicht besser unter seinem historischen Namen Timur Lenk bekannt, setzt darin den besiegten osmanischen Sultan Bajazet gefangen. Damit nicht genug, will Tamerlan, obwohl er bereits mit Irene, der Prinzessin von Trapezunt, verlobt ist, Bajazets Tochter Asteria ehelichen. Und ausgerechnet sein griechischer Verbündeter Andronico, den Asteria heimlich liebt, soll in seinem Namen um die Widerspenstige werben. Dadurch kommen Ereignisse in Gang, die schließlich dazu führen, dass Bajazet lieber Gift schluckt, als Tamerlans Gier und Willkür noch länger ausgeliefert zu sein.

Bruch mit Traditionen

In seinem „Tamerlano“, der als Opernneuproduktion im Mittelpunkt der diesjährigen Karlsruher Händel-Festspiele (20.2. bis 8.3.) steht, erweist sich der Barockkomponist als auffällig innovativ. Dass Georg Friedrich Händel die Hauptrolle des Bajazet nicht mit einem Kastraten, sondern mit einem Tenor besetzte, war für damalige Operngepflogenheiten geradezu revolutionär. Und auch, wie in Bajazets Sterbemonolog Arioso und Rezitativ ineinander übergehen, bedeutet einen krassen Bruch mit den Traditionen der Opera seria: Der Gesang erfährt zunächst eine dramatische Steigerung, ehe er, immer stärker stockend und leiser werdend, regelrecht zerbröselt.

Experte für historisch informiertes Musizieren: René Jacobs dirigiert „Tamerlano“. Experte für historisch informiertes Musizieren: René Jacobs dirigiert »Tamerlano«.| | Foto: P. Matsas

Am Badischen Staatstheater Karlsruhe übernimmt mit René Jacobs einer der besten Dirigenten im Alte-Musik-Bereich die Einstudierung dieses Ausnahmewerks. Es spielt das Freiburger Barockorchester. Zwei Countertenöre – Christophe Dumaux und Alexander Chance – schlüpfen in die Rollen von Tamerlano und Andronico, den Bajazet singt der schottische Tenor Thomas Walker. Inszenierung, Bühnenbild und Kostüme ersinnt der 1969 in Südafrika geborene Opernsänger und Regisseur Kobie van Rensburg.

Von den fünf „Tamerlano“-Vorstellungen sind drei bereits ausverkauft. Karten gibt es noch für die Aufführungen am Mittwoch, 25. Februar, und Dienstag, 3. März, jeweils um 19 Uhr.

Wiederaufnahme aus dem Vorjahr: „Rinaldo“ mit Countertenor Lawrence Zazzo in der Titelpartie. Wiederaufnahme aus dem Vorjahr: »Rinaldo« mit Countertenor Lawrence Zazzo in der Titelpartie.| Foto: Felix Grünschloß/oho

Bei den szenischen Produktionen sorgen diese 48. Händel-Festspiele außerdem für ein Wiedersehen mit dem „Rinaldo“ aus dem Vorjahr. Die Inszenierung von Hinrich Horstkotte spielt, optisch opulent, mit dem Erbe der barocken Zauberoper. Das ergibt tolle Bilder, in der Personenregie aber fällt die Darbietung oft ab ins unfreiwillig Lächerliche. In der Titelpartie ist, wie schon 2025, der Countertenor Lawrence Zazzo zu erleben (Fr 27.2., 19 Uhr; So 1.3., 15 Uhr; Mi 4.3., 19 Uhr).

Gala der Countertenöre

Neben einer dritten Barockoper, „Les Boréades“, die freilich nicht von Händel, sondern von seinem französischen Zeitgenossen Jean-Philippe Rameau stammt, gehören auch etliche Konzerte zum Programm der Festspiele.

So singt etwa Mayaan Licht, der nicht als Countertenor, sondern dezidiert als Sopranist angekündigt wird, am Samstag, 21. Februar, 19.30 Uhr, im Badischen Staatstheater Arien von Händel, Porpora und Vivaldi. Zuletzt frappierte Licht hierzulande bei den Schwetzinger Festspielen 2025, als er seine Sopranstimme in Johann Christian Bachs „Amor Vincitore“ dem liebeskummervollen Hirten Alcidoro lieh.

Frappiert mit hoher Stimme: Sopranist Mayaan Licht singt am 21.2. Arien von Händel, Porpora und Vivaldi. Frappiert mit hoher Stimme: Sopranist Mayaan Licht singt am 21.2. Arien von Händel, Porpora und Vivaldi.| Foto: Nadav Yahalomi/oho

Apropos Männer mit hohen Stimmen: Der Farinelli-Gesangswettbewerb für Countertenöre, der dieses Jahr zum zweiten Mal im Rahmen der Karlsruher Händel-Festspiele stattfinden sollte, wurde wegen der „geringen Zahl an qualifizierten Bewerbungen“ abgesagt. Stattdessen wird es nun, ebenfalls im Namen des berühmten Kastratensängers Farinelli, eine Galanacht der Countertenöre geben (Mo 2.3., 19 Uhr).

Mit von der Partie ist dann auch Dennis Orellana, der Sieger des letztjährigen Farinelli-Wettbewerbs. In der Rolle des Meleager wirkt Orellana zusätzlich an zwei konzertanten Aufführungen von Händels „Atalanta“ mit, einer Pastoraloper, die eine mythologische Geschichte aus Ovids „Metamorphosen“ mit dem Genre des Schäferspiels verknüpft (Sa 28.2., 19.30 Uhr; So 8.3., 16 Uhr, jeweils in der Christuskirche).

48. Händel-Festspiele: 20.2. bis 8.3., Karlsruhe, Badisches Staatstheater (und andere Stätten), Karten/Info: www.staatstheater.karlsruhe.de