London (England) – Zu Beginn dieses Verhandlungstages wirkte Prinz Harry (41) zuversichtlich, kämpferisch. Am Ende schien er den Tränen nahe. Mit einem leichten Lächeln im Gesicht betritt der Prinz am Morgen das Gerichtsgebäude: Harry ist aus Kalifornien in seine alte Heimat gereist. Der Grund? Kein Familientreffen. Die Versöhnung mit seiner Royal-Familie liegt nach wie vor in weiter Ferne. Stattdessen sagt der Sohn von König Charles III. (77) am Mittwoch vor dem High Court in London aus. Ein Royal im Kreuzverhör: BILD ist vor Ort.

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Es geht um sein Verfahren gegen die britische Boulevardzeitung „Daily Mail“ und deren Schwesterzeitung „Sunday Mail“ wegen Verletzung seiner Privatsphäre. In dem Fall, in dem Harry von weiteren VIPs – u.a. Elton John (78), Elizabeth Hurley (60) und Sadie Frost (60) – unterstützt wird, geht es um mehrere Millionen Euro. Die VIPs behaupten, der Herausgeber der „Daily Mail“ habe Privatdetektive beauftragt, ihre Autos zu verwanzen, ihre persönlichen Unterlagen zu beschaffen und ihre Telefongespräche abzuhören. Das Unternehmen „Associated Newspapers Ltd.“, zu dem auch die „Daily Mail“ gehört, weist alle Vorwürfe von sich. Es beruft sich auf legitime Quellen, darunter „undichte“ Mitarbeiter, die bereit waren, schmutzige Details über ihre berühmten Freunde auszuplaudern.

Mehr zum Thema„Viele von ihnen habe ich gehasst!“

Harry wird im Saal von einem Anwalt der „Daily Mail“ befragt. Es geht um 14 Journalisten, die Artikel über den Prinzen verfassten. Ob diese Journalisten Freunde von Harry waren, wird er gefragt. „Nein“, kommt die klare Antwort. Harry weiter: „Diese Informationen kamen nicht von meinen Freunden. Warum sonst wären Privatdetektive benutzt worden?“ Der Prinz wirkt genervt, zeigt klar seine Abneigung gegen einige der Boulevardjournalisten: „Viele von ihnen habe ich gehasst!“

Daumen hoch auf dem Weg ins Gerichtsgebäude! Laut Prinz Harrys Anwalt hätten die Zeitungen zwei Jahrzehnte lang „eindeutig, systematisch und nachhaltig unrechtmäßige Informationsbeschaffung“ betrieben

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Foto: HENRY NICHOLLS/AFP

Prinz Harry wirkt hoch emotional

Um eine Minute nach zwei stehen alle im Gericht auf, der Richter tritt ein. Prinz Harry wird weiter vernommen. Anwalt Anthony White, der als Verteidiger das Medienunternehmen ANL (Associated Newspapers Limited) und somit die Gegenseite vertritt, bohrt nach: „Es gibt viele Fotos von Ihnen mit Ihren Freundinnen, Prinz Harry.“ Der Prinz antwortet: „Jede Frau, mit der ich je fotografiert wurde, ist laut der Presse meine Freundin!“

Der Prinz mit Ehefrau Meghan (44). Vor Gericht sagte Harry, dass die „Daily Mail“ sein Leben, „und vor allen Dingen das meiner Frau, unerträglich“ gemacht habe

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Foto: Getty Images for the Invictus Games Foundation

Nach der Mittagspause wirkt Harry zappelig. Er dreht sich auf dem Stuhl in der kleinen Box, in der er sitzt, immer wieder hin und her. Er blinkt häufig mit den Augen, wirkt angespannter als noch am Morgen. Dennoch artikuliert sich der Prinz sehr gut. Er spricht flüssig, und seine Antworten sind schlüssig.

Um 14.25 Uhr beendet Anwalt Anthony White das Verhör.

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Anschließend wird der Prinz von seinem Anwalt befragt. Immer wieder macht sich Harry (er trägt einen silbernen Armreif am rechten Arm) Notizen zu den Fragen, schreibt mit einem Kugelschreiber in ein Heft. Wie sich der Prinz fühle hinsichtlich der falschen Berichterstattung, will sein Anwalt wissen. „Die ,Daily Mail‘ hat mein Leben, und vor allen Dingen das meiner Frau, unerträglich gemacht“, antwortet Harry.

Um 14.31 Uhr wird dem Prinzen erlaubt, den Zeugenstand zu verlassen.

Harry steht an der Gerichtstür. Er hält seine Notizen in der Hand. Er ist sichtlich bewegt, fast den Tränen nahe. Um 14.32 Uhr verlässt ein emotionaler Prinz Harry Gerichtssaal Nr. 76 im High Court in London.

Trifft sich Harry mit Papa Charles?

Harry sollte eigentlich erst am Donnerstag aussagen, doch die Eröffnungsplädoyers wurden bereits am Dienstag früher als erwartet abgeschlossen, weshalb alles um einen Tag vorverlegt wurde. Zeit für eine Tasse Tee mit seinem Vater hätte er damit zwar, doch Charles hält sich in Schottland auf und zeigt keinerlei Ambitionen, für Harry nach London zu reisen. Vor dem Hintergrund der angespannten Situation gilt ein Treffen daher als ausgeschlossen.