Ubisoft-CEO Yves Guillemot bei der 30-Jahres-Feier von Ubisoft Mainz im Mai 2025 (Foto: GamesWirtschaft)
In wenigen Monaten wird Ubisoft nicht wieder zu erkennen sein: Der französische Publisher unterzieht sich einer schmerzhaften Rosskur.
Ein massives Sparprogramm, Projektstopps, einkassierte Umsatz-Ziele: Die Meldung, die Ubisoft am Abend nach Börsenschluss verbreiten ließ, hat es in sich. Im Kern steht ein fundamentaler Umbau des kompletten Unternehmens. Wörtlich spricht der Konzern von einem „major reset“ – eine Folge des veränderten Marktumfelds, das von steigenden Entwicklungskosten und einem zunehmendem Verdrängungswettbewerb im Shooter-Genre geprägt ist.
Dagegen will Ubisoft mit einem ganzen Maßnahmen-Bündel ansteuern: Kostendisziplin, generative KI und gezielte Investitionen in Genres und Marken.
Das Geschäftsmodell soll im Kern auf zwei Säulen ruhen: Open-World-Abenteuer (Far Cry, Assassin’s Creed) und „GaaS-native-experiences“, also Online-Spiele à la Rainbow Six Siege und The Division, die laufende Einnahmen versprechen.
Wie angekündigt werden alle Ubisoft-Marken und -Studios in ‚Creative Houses‘ aufgeteilt, die sich gezielt und eigenverantwortlich um einzelne Genres und Franchises kümmern sollen (siehe unten). Ubisoft-CEO Yves Guillemot spricht von einem „radikalen Schritt“ – auch mit Blick auf die Drei-Jahres-Planung, die komplett auf links gedreht wird.
Sechs Projekte – darunter das Prince of Persia Remake und vier unangekündigte Spiele – werden eingestellt; ein ursprünglich für 2026/27 geplanter Blockbuster wird ins Folge-Geschäftsjahr verschoben.
Das Kostensenkungs-Programm wird beschleunigt – was zu weiteren Studio-Schließungen und Entlassungen führt, wie bereits die vergangenen Tage gezeigt haben. So wurde unter anderem die Niederlassung im kanadischen Halifax und im schwedischen Stockholm geschlossen. Ubisoft kehrt außerdem zu einer Fünf-Tage-pro-Woche-Anwesenheitspflicht zurück – Remote-Arbeit (‚Home-Office‘) ist nur noch in beschränktem Umfang zulässig.
Allein in den kommenden zwei Jahren will Ubisoft die Fixkosten um weitere 200 Mio. € senken.
Ubisoft fußt ab April auf fünf ‚Creative Houses‘:
- Vantage Studios: Das bereits bestehende Joint-Venture mit Großaktionär Tencent soll Assassin’s Creed, Rainbow Six Siege und Far Cry zu Marken mit jährlichen Milliarden-Umsätzen entwickeln.
- Creative House 2 setzt auf kompetitive und kooperative Shooter: The Division, Ghost Recon, Splinter Cell
- Creative House 3 baut ‚Live Experiences‘ auf Basis von For Honor, The Crew, Riders Republic, Brawlhalla und Skull & Bones
- Creative House 4 umfasst ‚immersive Fantasy-Welten‘ – und wirkt wie ein Kessel Buntes. Darin enthalten: Anno, Might & Magic, Rayman, Prince of Persia und Beyond Good & Evil
- Creative House 5 produziert Casual Games und Spiele für die ganze Familie – mit Spielen wie Just Dance, Idle Miner Tycoon, Hungry Shark und Uno.
Für vier neue Produktlinien – darunter das jüngst von Amazon übernommene Online-Strategiespiel March of Giants – gibt es noch keine konkrete kreative Heimat.
Ein ‚Creative Network‘ und mehrere ‚Core Services‘ dient außerdem als verlängerte Werkbank mit Blick auf Engines, Plattformen, Tools, Lokalisierung, Qualitätssicherung, Infrastruktur sowie Entwicklungs-Kapazitäten, Marketing und Vertrieb.
Die Auswirkungen auf die vier Niederlassungen in Deutschland mit ihren mehr als 800 Beschäftigten sind noch nicht absehbar: Ubisoft betreibt Studios in Düsseldorf, Mainz und Berlin – in der Hauptstadt ist außerdem das Mobilegames-Studio Kolibri Games angesiedelt.
Der Konzern-Umbau samt Einstellung und Verschiebung von Spielen führt dazu, dass das Unternehmen die bislang kommunizierten Umsatz- und Gewinn-Pläne nicht länger aufrecht erhalten kann. Für das laufende Geschäftsjahr erwartet Ubisoft statt 2 Mrd. € deutlich geringere Einnahmen von 1,5 Mrd. €. (pf)
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