Mit Plakaten, Reden und wehenden Israel-Flaggen haben am Mittwochabend rund 100 Menschen vor der Düsseldorfer Kunstakademie gegen den umstrittenen Auftritt der palästinensischen Künstlerin Basma al-Sharif protestiert. Unter dem Titel „Kein Podium für Terrorverherrlichung – nicht mit unseren Steuergeldern“ hatte die Jüdische Gemeinde die Kundgebung organisiert.
Zu Beginn der Veranstaltung positionierten sich die Demonstranten mit Plakaten vor dem Gebäude in der Düsseldorfer Altstadt. Zu lesen war darauf etwa: „Quo vadis, Kunstakademie?“ – aus dem Lateinischen übersetzt also „Wohin gehst du?“ Erinnert wurde an ehemalige Studierende und Mitarbeitende der Akademie, die von den Nationalsozialisten ausgegrenzt, verfolgt und ermordet wurden. „Wurzeln oder Wut? Hass oder Hoffnung?“ stand auf einem der Pappschilder.
Die Veranstaltung mit Basma al-Sharif hatte bereits vor Tagen Empörung in Düsseldorf ausgelöst. Jüdische Verbände kritisierten den Auftritt scharf und forderten eine Absage. Sie werfen der Künstlerin Antisemitismus, Israel-Hass und Terrorverherrlichung vor und verweisen dabei auf öffentliche Instagram-Postings.
An dem Protest nahmen auch NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur (Grüne) und der Antisemitismusbeauftragte der Stadt Düsseldorf, Wolfgang Rolshoven, teil. In ihrer Rede verurteilte die stellvertretende Ministerpräsidentin zum einen die Veranstaltung an sich. Zum anderen kritisierte sie, dass die Öffentlichkeit ausgeschlossen worden war. Teilnehmen durften ausschließlich Studierende, Lehrende und Mitarbeitende der Kunstakademie.
Über die Akademie sagte Neubaur: „Junge Menschen erhalten hier die Gelegenheit einer exzellenten Ausbildung.“ Umso unverständlicher sei es, dass der Künstlerin vor Ort eine Bühne geboten werde. Die Kunstakademie sei eine Hochschule für alle, sagte Neubaur im Gespräch mit unserer Redaktion.
Rolshoven betonte, dass es nicht sein könne, dass dem Antisemitismus mit solch einer Veranstaltung in einer Institution des Landes Raum gegeben werde. Darum war es ihm wichtig, am Mittwochabend an der Demo teilzunehmen und mit seinem Erscheinen ein Zeichen zu setzen.
Das dachten nicht wenige – denn angemeldet waren laut Polizei nur zehn Teilnehmer, fast das Zehnfache war es dann am Ende. Eine jüdische Studentin der Hochschule Düsseldorf hatte spontan zum Mikrofon gegriffen und eine emotionale Rede gehalten: „Kunst darf provozieren“, sagte sie, aber nicht entmenschlichen. Und „Wer einlädt, trägt Verantwortung.“ Vor allem kritisierte sie, dass die Kunstakademie von Steuergeldern finanziert werde, auch von ihren. Sie könne sich nicht vorstellen, dass man sie mit ihrer Israel-Flagge in den Vortragsraum ließe. Mehrere Demonstranten bemängelten zudem, dass sich niemand Verantwortliches aus der Kunstakademie bei ihnen sehen ließ.
Im Inneren des Gebäudes waren hinter den Eingangstüren Mitarbeiter eines Wachschutzes zu sehen. Eine Studentin erklärte unserer Reporterin vor Ort, dass eine solche Sicherheitsmaßnahme bei Veranstaltungen zwar üblich sei. An dem Abend sei diese aber verstärkt worden. Sie und ihre beiden Mitstudenten hatten sich für den Vortrag nicht akkreditiert, sondern noch für den Rundgang im Februar an ihren Arbeiten gearbeitet. Diskutiert sei über die Einladung der Künstlerin nur im privaten Kreis, sagte einer von ihnen.
Gezeigt werden sollten im Vortragsraum zwei Filme Basma al-Sharifs. Die 43-Jährige war im Zuge der von Studierenden betreuten Veranstaltungsreihe „Sparta“ eingeladen worden. Auf ihrer Webseite hatte die Akademie zuvor betont, die Veranstaltung stelle „keine institutionelle Positionierung der Kunstakademie Düsseldorf“ dar, werde moderiert und finde in einem „institutionell verantworteten Rahmen“ statt. Ebenso, dass „antisemitische, rassistische oder strafrechtlich relevante Äußerungen“ nicht geduldet würden.
In der vergangenen Woche hatte auch NRW-Hochschulministerin Ina Brandes die Akademie zum „Überdenken“ der Veranstaltung aufgefordert. An diese – sowie an die NRW-Staatskanzlei – richtet sich ein Schreiben des Jüdischen Forums, in dem nun die Absetzung der Rektorin der Kunstakademie gefordert wird, sagte am Mittwochabend Oded Horowitz, Vorstandsvorsitzender der jüdischen Gemeinde. Er wie auch sein Vorstandskollege Alon Dorn sowie Bert Römgens, Verwaltungsdirektor der Jüdischen Gemeinde, verurteilten ebenfalls aufs Schärfste, dass die Kunstakademie die Öffentlichkeit ausgeschlossen habe. Er, so Horowitz, hätte sich gerne ein persönliches Bild gemacht.