
Stand: 21.01.2026 19:05 Uhr
In Hannover haben sich am Dienstagnachmittag laut Polizei mindestens 3.000 Personen versammelt, um gegen die Gewalt an Zivilisten in Nordsyrien zu demonstrieren. Dabei kam es zu Ausschreitungen.
Die Teilnehmenden zogen vom Ernst-August-Platz in Richtung Goseriede. Auf dem Weg kam es laut Polizei zu Verstößen: Zahlreiche Demonstrierende hätten sich vermummt, Pyrotechnik gezündet und diese in Richtung der Polizisten geworfen. Auch verbotene Symbole und Fahnen seien gezeigt worden. Zudem wurden Beschränkungen missachtet und mehrere Hundert Menschen versuchten den Angaben zufolge, eine Polizeiabsperrung in der Schillerstraße zu durchbrechen. Die Polizei löste die Versammlung nach zwei Stunden auf.
Polizei muss mit „körperlichem Zwang“ vorgehen
Um die Auflösung durchzusetzen, waren Einsatzkräfte der Zentralen Polizeidirektion Niedersachsen und der Polizeidirektion Hannover im Einsatz. Sie mussten eigenen Angaben zufolge mit Polizeiketten und „körperlichem Zwang“ gegen unkooperative Teilnehmende vorgehen. Hinweise auf Verletzte gab es den Angaben zufolge am Dienstagabend nicht.

Obwohl der Krieg in Syrien vorbei schien, flammt er für die Kurden wieder auf. Hunderttausende mussten aus Aleppo fliehen.
Zwei Personen vorläufig festgenommen
Die Polizei nahm am Abend zwei Personen vorläufig fest. Ihnen wird vorgeworfen, Einsatzkräfte angegriffen zu haben: Ein Mann soll einen Polizeibeamten auf einem Pferd mit einer Fahnenstange attackiert haben, ein weiterer soll Einsatzkräfte mit einer Flasche beworfen haben. Gegen beide wurde Strafanzeige gestellt. Die Polizei leitete weitere Ermittlungen ein, unter anderem wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte und Verstößen gegen das Versammlungsgesetz. Der Einsatz dauerte bis in die Abendstunden. Nach der Demo kam es laut Polizei außerdem in der Innenstadt zu einem Streit, bei dem ein 22-Jähriger eine Stichverletzung erlitt. Tatverdächtig ist ein 18-Jähriger, der in Gewahrsam genommen wurde. Nach Angaben der Organisation NAV-DEM – Demokratisches Gesellschaftszentrum der Kurdinnen und Kurden in Hannover – soll der Verletzte eine Fahne der Kurdenmiliz YPG getragen haben, was Anlass für den Vorfall gewesen sein soll. Die Polizei machte auf Nachfrage dazu zunächst keine Angaben.
Weitgehend friedliche Demos in anderen Teilen Niedersachsens
Auch in anderen Städten in Niedersachen gab es am Dienstagabend Demonstrationen gegen die Gewalt in Nordsyrien. In Göttingen verlief eine Demo mit rund 750 Teilnehmern laut Polizei friedlich und störungsfrei. In Braunschweig hatten sich den Angaben zufolge etwa 600 Menschen auf dem Schlossplatz versammelt. Die Beamten berichten von einzelnen strafrechtlichen Verstößen. Auch in Bremen fand eine Demonstration mit rund 2.000 Teilnehmern statt, wie die Polizei mitteilte. In Bremerhaven hätten etwa 200 Menschen teilgenommen.
Syrien: Kämpfe zwischen Armee und kurdischen Milizen
Im Norden und Nordosten Syriens ist es in den vergangenen Wochen zu Kämpfen zwischen Truppen der syrischen Übergangsregierung und den kurdisch angeführten Syrisch-Demokratischen Kräften (SDF) gekommen – zuletzt auch trotz einer Waffenruhe. Die Übergangsregierung will die Gebiete, die bisher unter kurdischer Selbstverwaltung standen, unter ihre Kontrolle bringen und setzt dies militärisch durch. Nach dem Sturz von Syriens Langzeitmachthaber Baschar al-Assad Ende 2024 hatte sie sich zum Ziel gesetzt, das Land nach Jahren der Spaltung zu einen.

Ein Passant, der Teilnehmende der Demo am Dienstagabend mit Pfefferspray attackierte, wurde festgenommen.

Am Dienstagabend ist ein Demonstrationszug durch die Kieler Innenstadt gezogen. Die Polizei spricht von mehreren Zwischenfällen.

Eskalation in Aleppo
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Trotz einer Waffenruhe flammten in Syrien Kämpfe zwischen Regierungstruppen und kurdischen Milizen wieder auf. Nun starten beide Seiten einen neuen Versuch. Dabei geht es auch um Gefängnisse mit mutmaßlichen IS-Kämpfern.