
In Zukunft soll es möglich sein, das Industriemuseum Chemnitz auch virtuell zu besuchen. Mittels VR-Brille und mit einer 360-Grad-Kamera ausgestatteten Telepräsenzroboter kann der Museumsbesuch dann auch von zu Hause aus stattfinden. So können gemeinsame Kulturereignisse trotz großer Distanzen erlebbar gemacht werden. Für die Endevaluation der Forschungsstudie TeleVeRbundenheit wird die neue Anwendung seit Dienstag von Probandenpaaren getestet.
Von Fabiana Blasco, MDR Kulturdesk
Von zu Hause aus durch das Industriemuseum Chemnitz spazieren? Das Forschungsprojekt TeleVeRbundenheit der TU Chemnitz möchte das nun möglich machen. Mittels VR-Brille und einem mit einer 360-Grad-Kamera ausgestatteten Telepräsenzroboter soll man in Zukunft das Industriemuseum Chemnitz ortsunabhängig besuchen können.
Auf diese Weise sollen auch Menschen gemeinsame Erlebnisse teilen können, die nicht die Möglichkeit haben, das Museum physisch zu besuchen, so Projektleiterin Lena Franzkowiak.
Die Anwendung in der Testphase
Die beiden Chemnitzer Rentner Kerstin und Lutz Pannasch haben sich an diesem Nachmittag als Probanden für die Studie gemeldet. Ihre Aufgabe wird es heute sein, einen 15-minütigen Rundgang durch die Museumsausstellung zu erleben. Kerstin Pannasch läuft dabei gemeinsam mit dem Telepräsenzroboter durch die Ausstellung.
Der Telepräsenzroboter wird mit Controllern und VR-Brille gesteuert.
Dieser besteht aus Rädern und einer Halterungsstange, auf der ein Bildschirm und eine 3D-Kamera montiert sind. Lutz Pannasch bleibt in einem separaten Raum, um die Distanz zu simulieren und wird per WLAN auf den Telepräsenzroboter zugeschaltet. Er trägt eine Virtual-Reality-Brille und folgt damit dem Blick des Roboters in der Ausstellungshalle des Industriemuseums Chemnitz, in der neben vielen weiteren Objekten zahlreiche Eisenbahnen, Zeppeline, Bagger und Autos aus verschiedenen Epochen zu sehen sind.
Per Controller kann er die Bewegungen des Roboters steuern und durch die Ausstellung führen. Kerstin Pannasch kommuniziert mit ihrem Mann per Headset. In kurzer Zeit entwickeln die beiden ein Ratespiel zu den Baujahren verschiedener Eisenbahnmodelle, die Lutz Pannasch erst durch näheres Heranzoomen erkennen kann.
Der Telepräsenzroboter wird von draußen gesteuert.
Nähe trotz räumlicher Distanz
Für Lena Franzkowiak von der TU Chemnitz besteht die besondere Herausforderung darin, einen Eindruck von räumlicher Nähe über Distanz hinweg zu schaffen, denn das würden herkömmliche Kommunikationstechnologien nicht ermöglichen. Verbundenheit und ein Gefühl der Nähe herzustellen, seien für gemeinsame Erlebnisse essentiell, so die Projektleiterin.
Verbundenheit und ein Gefühl der Nähe herzustellen, sind für gemeinsame Erlebnisse essentiell.
Projektleiterin Lena Franzkowiak |
Lena Franzkowiak leitet das Projekt TeleVeRbundenheit der TU Chemnitz.
„Wir erinnern uns ja gerne daran zurück, was wir mit einer Freundin oder einem Ehepartner vielleicht zusammen mal erlebt haben – und solche Erlebnisse verbinden“, sagt Franzkowiak.
Wie ist das Projekt entstanden?
Die Idee für das Projekt entstand mit der Corona-Pandemie, die den Bewegungsspielraum vieler Menschen drastisch einschränkte. So begannen Franzkowiak und ihr Team nach Wegen zu suchen, Menschen trotz räumlicher Distanz zusammenzubringen. Vor allem älteren Menschen oder Personen, die aufgrund anderer gesundheitlicher Einschränkungen nicht in der Lage sind, ein Museum selbst zu besuchen, könne diese Technologie ermöglichen, wieder mehr am sozialen Leben und an kulturellen Angeboten teilzunehmen.
Nach einigen Minuten hat sich Lutz Pannasch mit den Controllern eingegroovt und die Steuerung des Roboters läuft fast unfallfrei. Die Technik hakt noch an einigen Stellen, aber auch diese Fehler sind schnell behoben. Kerstin und Lutz Pannasch sind von der neuen Anwendung begeistert.
„Es war wirklich klasse! Diese Technologie wird sicherlich in vielen Bereichen Einzug erhalten. Klar, sie ist noch verbesserungsfähig, aber jede neue Technik hat ja mal mit Reibereien und Problemen begonnen“, sagt Lutz Pannasch.
Die neue Technologie wird im Industriemuseum Chemnitz getestet.
Das Projekt startete im Juni 2023 und wurde mit rund zwei Millionen Euro gefördert. Die VR-Brillen fänden in vielen Haushalten immer mehr Verbreitung, so Franzkowiak. Um die neue Technologie in der Praxis wirklich anwenden zu können, müssten Museen mit den Telepräsenzrobotern ausgestattet werden. Im März läuft das Forschungsprojekt TeleVeRbundenheit aus.