
AUDIO: Gabriela Jolowicz im Sprengel Museum (3 Min)
Stand: 21.01.2026 16:44 Uhr
Ende Januar erscheint der 80. Band der Monographie-Reihe „Kunst der Gegenwart aus Niedersachsen“. Dieser würdigt das Werk von Gabriela Jolowicz, zusammen mit der Ausstellung im Sprengel Museum Hannover die jetzt dort zusehen ist.
Auf einem Bild sieht man den Holzschnitt eines Hausboots, kantig mit großen Glasflächen, Dachterrasse und Veranda, es herrscht leichter Wellengang. Wie auf einem Wimmelbild lassen sich dort viele Dinge entdecken. Die Inspiration für das Werk kam Gabriela Jolowicz vor rund zehn Jahren nach einer Fahrt mit einem Hausboot auf der Havel. „Im Inneren sieht man eine Art Gebirgslandschaft mit einem Fluss und einem ganz kleinen Männchen“, erzählt die Künstlerin. „Das ist tatsächlich an eine Original-Illustration von Tolkien angelehnt, der kleine Hobbit. Und da kann man fast alle Sachen sehen, die gerade in dem Moment um mich herum waren, die wandern irgendwie auch in dieses Bild.“
Der Detailreichtum ist typisch für die Arbeiten von Gabriela Jolowicz. Sie hat Spaß daran, sichtbar zu machen, was sie selbst gesehen hat, ob in realiter oder digital. Auch triviale Gegenstände wie ein Sparkassenzeichen oder Plastikgartenstühle lassen sich in ihrem Mosaik aus Alltagsdingen finden, die sie zu einer Erzählung verwebt. Dazu verschränkt sie oft einen inneren mit einem äußeren Raum, spielt mit Perspektiven.
Holzschnitte erinnern an Comics oder Graphic Novels
Ein Thema, das ihr schon seit der Kindheit in den 80er-Jahren in Salzgitter vertraut ist. „Meine Oma väterlicherseits war Malerin und Grafikerin, hat sogar Linol-Schnitt gemacht und Illustrationen. Da haben wir schon immer total viel mitgekriegt. Da lag zu Hause auch immer ein Escher-Buch rum. Mein Vater ist zum Beispiel in Brasilien aufgewachsen und meine Oma hat dann auch ganz oft so vor Ort gezeichnet, also die Leute und das Haus. Und dieses ‘Erzählen, was man gerade sieht’, das ist auch schon ziemlich früh mitgekommen.“
Rund 50 Werke werden im Sprengel Museum gezeigt. Die Tatsache, dass hier eine Technik aus dem Mittelalter wie der Holzschnitt Bilder hervorbringt, die nicht zuletzt durch heutige Häuserschluchten und digitale Endgeräte an Comics oder Graphic Novels erinnern, verleiht den Drucken viel Aktualität. Man wird sofort neugierig, sich in die Werke zu vertiefen. In einer fünfteiligen Arbeit zitiert Gabriela Jolowicz zudem ein Selbstporträt des Künstlers Ernst Ludwig Kirchner von Anfang des letzten Jahrhunderts – im Expressionismus, eine Hochphase des Holzschnitts.

Das Museum zählt zu den wichtigsten Häusern für moderne Kunst weltweit. Es zeigt Sammlungen von Max Ernst und Kurt Schwitters.
Richtige Entdeckung: Der Katalog zur Ausstellung
Eine richtige Entdeckung ist zudem der Katalog zur Ausstellung aus dem Wallstein Verlag Göttingen. Neben Werken verschiedener Schaffensphasen haben die Kunsthistorikerinnen Gunda Luyken und Sandra Rendgen zu Stichworten wie „Der Alltag der Dinge“ oder „Moment und Muster“ Gespräche mit Gabriela Jolowicz geführt. Sie sind wie Sprechblasen neben den Bildern platziert – Wissenshappen, die Lust auf mehr machen.

Sie ist damit eine der erfolgreichsten im Sprengel Museum in Hannover. Die Ausstellung geht noch bis Februar.

Die Herrenhäuser Gärten, die farbenfrohen Nanas und ein Museum mit 400 Werken von Picasso gehören zu den Highlights der Stadt.

Manche Ausstellungen reichen noch weit ins neue Jahr. Was die Kunsthäuser darüber hinaus planen, zeigt ein Ausblick.

Kantig und kontrastreich: Die Holzschnitte der Gabriela Jolowicz
Das Sprengel Museum würdigt das Werk der aus Salzgitter stammenden Künstlerin. Ihre Holzschnitte sind jetzt in Hannover zu sehen.
- Datum:
- 29.01.2026, 10:00 Uhr
- Ende:
- 10.05.2026
- Ort:
-
Sprengel Museum
Hannover