Immerhin: Sie reden wieder miteinander. Und nicht mehr nur übereinander. Vier Tage nach den gewaltsamen Ausschreitungen zwischen Fans des Fußball-Zweitligisten Hertha BSC und der Polizei haben sich Vertreter des Vereins, der Politik und der Polizei am Mittwoch zu einem ersten Gespräch getroffen.

Gespräche statt Pfefferspray Politik und Polizei sollten das Angebot von Hertha BSC ernstnehmen

Die Runde, die Innensenatorin Iris Spranger (SPD) am Montag angeregt hatte, tagte in vergleichsweise kleinem Kreis. Für die Polizei nahmen Vizepräsident Marco Langner, Thomas Goldack (Leiter der Polizeidirektion 2) und Sascha Eisengräber (Stellvertretender Leiter der Landespolizeidirektion) teil. Hertha war durch Geschäftsführer Peter Görlich und Marcus Becker, den Direktor Recht, vertreten.

Offener Austausch und deutliche Worte

Hertha BSC sprach in einer Mitteilung anschließend von einem sehr offenen und konstruktiven Austausch. Diesen Eindruck bestätigte auch die Innensenatorin. Sie teilte zudem mit: „Ich habe in dem Gespräch klargemacht, dass es in Berlin keine rechtsfreien Räume gibt. Gewalt gegen Einsatzkräfte werde ich nicht hinnehmen.“

Ich habe in dem Gespräch klargemacht, dass es in Berlin keine rechtsfreien Räume gibt. Gewalt gegen Einsatzkräfte werde ich nicht hinnehmen.

Innensenatorin Iris Spranger

Vor dem Zweitligaspitzenspiel zwischen Hertha BSC und dem Tabellenführer Schalke 04 war es am Samstagabend zu massiven Auseinandersetzungen gekommen, bei denen 31 Fans und 21 Polizisten verletzt wurden. Während die Polizei Herthas Anhänger für die Eskalation verantwortlich machte, sprachen die aktiven Fans des Klubs von massiver Polizeigewalt, für die es keinen konkreten Anlass gegeben habe.

In Herthas Erklärung nach dem Treffen heißt es nun: „Sowohl die Polizei Berlin als auch Hertha BSC haben deutlich gemacht, dass sie die Inhalte auch intern weiter aufarbeiten werden. Zugleich besteht bei beiden Seiten Einigkeit darüber, den Dialog fortzusetzen und in weiteren Gesprächen alle relevanten Akteure an einen Tisch zu bringen, um tragfähige und nachhaltige Lösungen umzusetzen.“

Nach den Ereignissen am Samstag hatte Herthas Vereinsführung einen besseren Austausch mit Politik und Polizei angemahnt. Der Klub habe seit mehreren Monaten den Wunsch nach einem weiterführenden Gesprächsformat mit der Polizei Berlin geäußert, das bislang noch nicht realisiert worden sei, hieß es in einer gemeinsamen Stellungnahme von Präsidium und Geschäftsführung am Tag nach dem Spiel. „Die aktuellen Entwicklungen unterstreichen die Notwendigkeit, den Dialog nun auf eine neue, verbindlichere Ebene zu heben.“

Der Verein hatte zudem den Eindruck bestätigt, dass die Polizei bei den Spielen zuletzt zunehmend konfrontativer aufgetreten sei. Einen entsprechenden Vorwurf hatte auch die Fanhilfe Hertha BSC, eine Rechtshilfe-Organisation für Fußball-Fans, erhoben.

Mehr zu Hertha BSC bei Tagesspiegel Plus„Menschen aus Polen sind generell sehr stark“ Dawid Kownacki von Hertha BSC im Interview Kolumne „Auslaufen mit Lüdecke“ Bei Hertha ist jetzt das Ergebnis schuld Viel Steigerungspotenzial für das Ziel Aufstieg Hier war Hertha BSC in der Hinrunde nur Mittelmaß

„Es gab über viele Jahre eine sehr gute Abstimmung zwischen der Polizei Berlin und Hertha BSC, auch im Rahmen von regelmäßigen Sicherheitsgesprächen“, sagte Iris Spranger. „Beide Seiten haben vereinbart, dass sie daran anknüpfen und diese Abstimmung intensivieren – das betrifft auch die Nachbereitung der Geschehnisse beim Spiel Hertha BSC gegen den FC Schalke 04.“

Hertha hofft nach dem Gespräch am Mittwoch, dass sich die zuletzt angespannte Situation schon beim nächsten Heimspiel deutlich verbessert. Am 1. Februar empfangen die Berliner den SV Darmstadt 98, einen weiteren Konkurrenten im Kampf um den Aufstieg.