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Schon beim Training in der Berliner Max-Schmeling-Halle kamen bei Moritz Wagner (28) die Erinnerungen hoch. „Das hier ist unser Hinterhof. Ich weiß noch, wie ich hier als kleiner Junge die Spiele von Alba Berlin gesehen und Spieler wie Ruben Boumtje-Boumtje bewundert habe“, sagt er. „Jetzt hier ein NBA-Spiel zu absolvieren fühlt sich surreal an. Es ist eine coole Erfahrung, dass wir die Mission haben, die NBA nach Deutschland zu bringen.“ Vergangenen Donnerstag wurde Sportgeschichte in Berlin geschrieben. Die NBA-Teams Orlando Magic und Memphis Grizzlies (118:111) standen sich in der Uber Arena zum ersten regulären Saisonspiel auf deutschem Boden gegenüber. 13 738 Fans, darunter etliche Promis, erlebten eine Riesen-Show mit den deutschen Stars Franz Wagner (24) und dessen Bruder Moritz sowie Tristan da Silva (24). „Es hat sich angefühlt wie ein richtiges Heimspiel“, schwärmte Franz Wagner. Da Silva ergänzte: „Europa ist bekannt dafür, dass die Stimmung noch besser ist als in den USA.“
Geht es nach der NBA, war das nur der Beginn einer neuen Basketball-Epoche in Europa. Die beste Liga der Welt drängt auf den Kontinent: NBA Europe heißt das Projekt, im Herbst 2027 soll es losgehen – im Idealfall mit Alba Berlin und dem FC Bayern. Mit den Spielen in Berlin und London (109:126) ging die NBA in die Marketing-Offensive. George Aivazoglou (44), Managing Director der NBA für Europa und den Nahen Osten, zu SPORT BILD: „Wir betrachten die NBA Europe als globales Produkt. Wenn man sich viele der größten etablierten Teammarken in Europa ansieht, haben sie ebenfalls eine weltweite Fangemeinde.“ Die NBA will rein in die Metropolen wie Berlin, London und Paris, ran an große Marken, ob nun Basketball- oder Fußballteam. In Manchester wird angeblich sowohl mit City als auch mit United gesprochen. 2027 steigt ein reguläres NBA-Spiel in Manchester wie auch ein weiteres in Berlin.
Auch Dortmund, Köln & Hamburg im Fokus: Wagners helfen bei der Europa-Mission der NBA
Aivazoglou sieht viele interessante deutsche Standorte: „München ist eine fantastische Stadt, ich denke, sie ist seit Jahrzehnten ein Zentrum des Sports, eine phänomenale Stadt. Es gibt noch mehr: Dortmund, Düsseldorf, Köln, Hamburg. In vielerlei Hinsicht ist Deutschland einzigartig, und natürlich Berlin, die Hauptstadt.“ DBB-Präsident Ingo Weiss (62) brachte schon Borussia Dortmund als künftigen NBA-Europe-Klub ins Gespräch. Warum sind alle scharf auf die NBA? Weil das große Geld winkt. Der europäische Basketball erzielt nur rund 200 Millionen Euro Einnahmen pro Jahr, hat aber laut Umfragen satte 270 Millionen Fans europaweit. Alba-Geschäftsführer Marco Baldi (63) sagt: „Mit Sicherheit hat Basketball in Europa sein Potenzial nicht annähernd entwickelt.“ Mit der Marke NBA im Rücken sollen die Einnahmen massiv gesteigert werden.

George Aivazoglou, Managing Director der NBA für Europa und den Nahen Osten
Foto: NBA
Zum Projekt gehört auch, Hallen zu modernisieren oder neu zu bauen. Aivazoglou: „Es ist kein Geheimnis, dass die meisten Arenen, die wir in Europa haben, veraltet sind und wirklich eine Modernisierung gebrauchen könnten. In einigen Fällen haben wir uns um eine Modernisierung bestehender Arenen bemüht, in anderen Fällen, in anderen Städten, könnte es komplett neue Arenen geben.“ Zudem dürften sich beteiligte Teams über eine globale Vermarktungsstrategie freuen. Die NBA kennt quasi jeder, und mit dieser Wucht soll ein prominenter Streaming-Partner wie zum Beispiel Amazons „Prime Video“ oder „Apple TV“ gefunden werden. Aivazoglou: „Ein Stream könnte für mich, der ich vielleicht ein sehr eingefleischter Basketballfan bin, ganz speziell aussehen, vielleicht ist dieser Stream voller Athletik und Experten. Vielleicht gibt es einen anderen Stream für jemanden, der eine Wette platzieren möchte. Und vielleicht gibt es einen dritten Stream für jemanden, der sich nur für Turnschuhe interessiert, und man kann die Turnschuhe tatsächlich über den Stream kaufen. Das schafft ein sehr personalisiertes und zukunftsorientiertes, KI-gestütztes digitales Erlebnis.“

Foto: BILD
Kurios: Die NBA kommt nach Europa, aber immer mehr europäische Spieler gehen in die NBA. 71 sind es aktuell. In Michael Jordans (62) letzter Saison für die Chicago Bulls 1997/98 waren es ganze 13. Auch die Zahl der Deutschen nimmt zu: Früher gab es nur Detlef Schrempf (63), dann kam Dirk Nowitzki (47). Aktuell sind es sieben Deutsche – Tendenz steigend. EM-Gold-Trainer Alan Ibrahimagic (47) und Tristan da Silva unisono: „In fünf Jahren sind es bestimmt zwölf.“ College-Spieler wie Hannes Steinbach (19) und Christian Anderson (19) drängen nach. Franz Wagner: „Früher schien die NBA für junge Spieler ganz weit weg, fast unerreichbar. Aber wir haben gezeigt, dass man es schaffen kann. Ich hoffe, viele junge Leute gehen denselben Weg wie wir.“