Bis in neun Jahren soll Stuttgart klimaneutral sein. Das heißt vor allem, dass Heizungen getauscht und Häuser gedämmt werden müssen. Wir geben einen Überblick zu wichtigen Fragen.
Fernwärme in Stuttgart: Wir geben einen Überblick, wo das Netz ausgebaut werden könnte. Foto: Lichtgut/Ferdinando Iannone
An der Wärmeplanung gab es von Anfang an Kritik. Vor allem daran, dass die Stadt zu wenige Netze vorsehe, nicht alle Potenziale hebe. Ein Beispiel ist die Degerlocher Albsiedlung, in der kein Wärmenetz geplant ist, was sich verschiedene Umweltgruppen und Lokalakteure nicht erklären können und unbedingt ändern wollen.
Die Kritiker bemängeln aber auch, dass die Energie aus dem Neckar nicht ausreichend berücksichtigt werde. Dass der Fluss ein großes Energiepotenzial hat, hatte eine Studie der Technischen Universität Braunschweig ergeben, die die Aquathermie für 80 Großstädte in Deutschland untersucht hatte.
Zurück zu den Wärmenetzen. Die Wärmeplanung ist inzwischen also zwei Jahre alt. Bis Mitte 2026 soll sie fortgeschrieben, also hier und da angepasst werden. Die Stadtwerke, die als Treiber des Ausbaus fungieren sollen, sind bisher über die Planungsphase nicht hinaus; momentan ist nicht erkennbar, dass die bisherigen Zeitpläne zu halten sind. Diese Zeitpläne hatten die Stadtwerke im November 2024 öffentlich gemacht.
In Gebieten, in denen die Stadtwerke nicht aktiv werden, bilden sich inzwischen auch Bürgergruppen, die eine Gemeinschaftslösung suchen wollen. Beispielsweise in Stuttgart-Botnang, wo sich eine Energiegenossenschaft gegründet hat, die ihr eigenes Netz betreiben will. Aber auch in Stuttgart-Weilimdorf gibt es eine Initiative.
Was zunächst überrascht hat: dass die EnBW, die sich in letzter Zeit beim Fernwärmenetz-Ausbau eher zurückhaltend gab, nun aktiv nach neuen Anschlussnehmern sucht. Bisher vor allem im Stadtbezirk Bad Cannstatt, aber auch im Stuttgarter Westen.
2. Wärmepumpe – was bedeutet das?
Wärmepumpe ist nicht gleich Wärmepumpe. Es gibt geothermische Pumpen, für die man Platz und eine oder mehrere Bohrungen braucht, der Invest ist höher, Effizienz und Lebensdauer allerdings auch. Es gibt Luft-Wasser-Wärmepumpen, die Klassiker sozusagen. Und es gibt Luft-Luft-Wärmepumpen oder Klima-Splitgeräte, mit denen man heizen und kühlen kann – je nach Bedarf.
In der Stuttgarter Innenstadt kommt hinzu, dass viele Gas-Etagenheizungen verbaut sind. Selbst wenn die Mehrfamilienhäuser in einem Wärmenetzgebiet liegen, ist der Umstieg sehr teuer. Weil die Heizungsanlage im Haus zentralisiert werden muss, das zieht umfangreiche Umbauarbeiten nach sich.
In diese Lücke möchte das Stuttgarter Start-up Heatpump23 stechen. Die beiden Gründer haben gerade eine Etagen-Wärmepumpe auf den Markt gebracht, die vor allem in Stuttgart und Heilbronn installiert werden soll. In Stuttgart sollen die ersten Geräte im ersten Quartal eingebaut werden. Wärmepumpen sind in der Stuttgarter Innenstadt allerdings kein einfaches Unterfangen, denn die City ist bekanntlich dicht bebaut. Wir geben hier einen Überblick über die Regeln zu den Abständen.
In weniger dicht besiedelten Gegenden von Stuttgart gelten Einzellösungen als effizienter und wirtschaftlicher als ein Wärmenetz. Apropos Kosten: Günstig sind Wärmepumpen im Vergleich zu einer Gastherme nicht – zumal nicht in Deutschland. Hier erklären wir, warum die Geräte hierzulande viel teurer sind als im Ausland. Und hier machen wir für Stuttgart den großen Preisvergleich zum Heizen.
3. Welche Regeln gelten in Stuttgart für Heizungen?
Dass man sich, wenn eine rein fossile Heizung kaputt geht, um eine Heizung kümmern muss, deren Energie zu 65 Prozent aus erneuerbaren Quellen stammt – ab Juli 2026 gilt dies nach aktueller Rechtslage. So sieht es das Gebäudeenergiegesetz vor.
Von Juli an dürfen in Großstädten wie Stuttgart keine rein fossilen Heizungen mehr eingebaut werden. Es gelten Übergangsfristen. Die aktuelle Bundesregierung möchte das Heizungsgesetz reformieren, allerdings ist bislang unklar, wie genau.
4. Welche Förderungen gibt es in Stuttgart?
Dass üppige Förderungen Mitnahmeeffekte auslösen, ist bekannt. Noch gibt es sie aber. Zum einen Förderungen vom Bund. Zum anderen gibt die Stadt Stuttgart noch etwas dazu.
Was früher Wärmepumpen-Programm hieß, hat es auch in den neuen Haushalt für 2026 und 2027 geschafft – allerdings ist derzeit noch unklar, welche Höhe die Förderung seit diesem Jahr hat. Die Stadtverwaltung möchte das Budget für verschiedene Energieförderungen zunächst neu aufteilen. Wichtig für Stuttgarter, die aktuell die Heizung tauschen: Bis dahin gelten laut einem Sprecher der Stadt die bisherigen Förderrichtlinien.