Reine Elektroautos erreichten 2025 einen neuen Rekordanteil bei den Neuzulassungen in Deutschland. Trotzdem bleibt das Land im europäischen Vergleich deutlich hinter anderen Ländern, wie etwa Norwegen, zurück. Das Marktwachstum der Elektromobilität verläuft weiterhin schleppend, da fehlende Prämien und hohe Investitionskosten den Absatz bremsen. Die geplante Wiedereinführung einer Kaufprämie könnte den Absatz ankurbeln – sofern sie tatsächlich umgesetzt wird.
E-Autos in Deutschland: Wie viele Neuzulassungen gab es 2025?
Insgesamt zog die Nachfrage nach Neuwagen 2025 über alle Antriebsarten hinweg an, insbesondere zum Jahresende. Nach Angaben des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) wurden rund 2,9 Millionen Pkw neu zugelassen – ein Plus von etwa 1,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Die Nachfrage nach Elektroautos hat dabei in Deutschland im vergangenen Jahr spürbar zugenommen. Im Gesamtjahr 2025 wurden mehr als 545.000 reine Batterieautos (BEV, auf Englisch „Battery Electric Vehicle“) neu zugelassen, wie das KBA mitteilte. Das entsprach einem Plus von 45 Prozent gegenüber dem äußerst schwachen Vorjahr 2024, in dem der Absatz nach dem überraschenden Aus der sogenannten Umweltprämie eingebrochen war, erklärte die Deutsche Presse-Agentur (dpa).
Elektroautos erreichten laut KBA im vergangenen Jahr einen deutlich höheren Marktanteil. Nahezu jede fünfte Neuzulassung entfiel auf ein reines Batterieauto. Der BEV-Anteil stieg auf gut 19 Prozent und lag damit rund 5,6 Prozentpunkte über dem Vorjahreswert.
Zum Vergleich: E-Mobilität in Norwegen
In Norwegen hatten fast 96 Prozent aller neu registrierten Pkw 2025 einen E-Antrieb, teilte die Organisation für Straßenverkehrsinformation (OFV) laut dpa mit. In dem skandinavischen Land werde der Kauf und das Fahren von Elektroautos seit Jahren massiv vom Staat gefördert.
Anstieg bei Elektroautos – warum sind Experten trotzdem enttäuscht?
Von einem nachhaltigen Aufschwung der Elektromobilität wollen Fachleute dennoch nicht sprechen. „Die Zahlen deuten auf den ersten Blick auf einen Elektro-Boom hin“, erklärte Verkehrsexperte Constantin Gall von der Beratungsgesellschaft EY gegenüber dpa. „Tatsächlich aber gleicht das starke Wachstum des Jahres 2025 nur den Absatzeinbruch des Jahres 2024 aus.“ Im Vergleich zu 2023 liege das Plus lediglich bei rund vier Prozent. Das erhoffte Marktwachstum vollziehe sich damit laut dem Experten deutlich langsamer und zäher als erwartet. 2023 erhielten Käufer von E-Autos noch einen Zuschuss von 4500 Euro pro Fahrzeug, berichtete der Spiegel. 2024 und 2025 entfiel die Kaufprämie.
Der Verband der Internationalen Kraftfahrzeughersteller (VDIK) sieht den Absatz von Elektroautos in Deutschland ebenfalls weiterhin hinter den Erwartungen zurückbleiben. Der Anteil von Elektroautos an allen neu zugelassenen Pkw liege mit rund 19 Prozent weiterhin unter dem erforderlichen Niveau, um die CO₂-Grenzwertziele zu erreichen.
Eine Untersuchung der Denkfabrik Agora Energiewende zeigte ebenfalls: Der Absatz klimafreundlicherer Elektroautos zieht zwar an, allerdings nicht ausreichend zur Erreichung der Klimaziele. Vor allem hohe Investitionskosten würden demnach bremsen: Je kleiner ein Auto sei, desto eher sei ein Verbrenner die günstigere Wahl, erklärte die Denkfabrik.
Ausblick auf 2026: Wie könnte sich die Elektromobilität entwickeln?
Die anhaltende Debatte über das faktische Verbrennerverbot 2035 schüre die Verunsicherung bei den Verbrauchern und bremse den raschen Markthochlauf der Elektromobilität, sagte Autoexperte Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management (CAM) laut dem Online-Magazin Ecomento. Für 2026 prognostiziert das CAM demnach rund 740.000 neu zugelassene E-Autos, was einem BEV-Marktanteil von etwa 25 Prozent entsprechen würde – vorausgesetzt, die neue Kaufprämie tritt in Kraft und die Wirtschaft bleibt stabil.
Die Bundesregierung hatte im Oktober 2025 die Wiedereinführung einer Kaufprämie für E-Autos angekündigt, die im Laufe dieses Jahres in Kraft treten soll. Davon sollen insbesondere Haushalte mit geringem oder mittlerem Einkommen profitieren, was den Absatz von E-Autos weiter ankurbeln könnte. Bratzel betonte, dass klare politische Signale und eine zielgerichtete Förderung der Elektromobilität grundsätzlich sinnvoll sind. „Allerdings wäre statt der Auslobung von Kaufprämien die konsequente Förderung von Ladestrom sinnvoller“, sagte der Experte laut Ecomento.
Ein weiterer Anreiz für den Umstieg auf Elektromobilität besteht bereits: Fahrer von E-Dienstwagen profitieren laut Spiegel von einem steuerlichen Vorteil. Sie müssen nur 0,25 Prozent des geldwerten Vorteils versteuern, während es bei Verbrennern ein Prozent ist.
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Maria Wendel
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