Neues Kapitel für ein altes Haus: Die evangelische Kirche in Berlin-Spandau verschlankt ihre Gemeinden, bündelt Kräfte und vergibt neue Namen. Nachdem die Kirchengemeinden in Hakenfelde und in Kladow in den letzten Jahren fusioniert sind, ist es jetzt im Frühjahr 2026 im Spandauer Ortsteil Wilhelmstadt (50.000 Einwohner) soweit. Und im Mittelpunkt steht eine Kirche an einem merkwürdigen Platz.

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„Die Melanchthon-Kirchengemeinde und die Nathan-Söderblom-Kirchengemeinde werden zu einer Kirchengemeinde vereinigt“, heißt es im Berliner Amtsblatt. „Sie trägt künftig den neuen Namen ‚Evangelische Kirchengemeinde in der Wilhelmstadt‘.“

Festgottesdienst mit vielen Gästen ab 10 Uhr

Der Festgottesdienst zur Fusion findet am 25. Januar, 10 Uhr, in der Kirche am Melanchthonplatz statt. Die Kirche lädt anschließend in den großen Gemeindesaal in der Pichelsdorfer Straße, der nur ein paar Fußminuten entfernt liegt.

Der Melanchthonplatz mit der Melanchthonkirche - die Haltestelle liegt direkt am Platz und soll den Namen behalten. Der Melanchthonplatz mit der großen Kreuzung, wo Wilhelmstraße und Schmidt-Knobelsdorf-Straße aufeinandertreffen.

© Tagesspiegel/Andre Görke

„Historisch gehören die Gemeinden ohnehin zusammen: Die Nathan-Söderblom-Gemeinde wurde in den 1960er Jahren aufgrund steigender Gemeindegliederzahlen aus der Melanchthon-Gemeinde herausgegründet“, so der langjährige Pfarrer Erko Sturm. Beim Festgottesdienst ist auch die neue Pfarrerin Petra Leukert dabei, die seit November im Amt ist.

Melanchthonkirche in Berlin Spandau Wilhelmstadt Melanchthonplatz Die Melanchthonkirche an der Wilhelmstraße.

© André Görke

Die Melanchthonkirche im Ortsteil Wilhelmstadt wurde am 15. Dezember 1893 eingeweiht. Benannt ist sie nach dem Theologen Philipp Melanchthon, der sich vor 500 Jahren in Spandau aufhielt. Im Jahr 1893 erhielt auch der Platz vor der Kirche seinen heutigen Namen.

Wobei der „Platz“ rund um die Berliner Melanchthonkirche von Pfarrer Erko schon lange kein echter Platz mehr ist, sondern eher eine städtebaulich misslungene Kreuzung: laut, grau, zugepflastert. Aufenthaltsqualität: null.

Blick aus Süden: keine Sitzbänke, keine Qualität, nur ein öder Parkplatz. Keine Sitzbänke, viel Krach, viele Parkplätze.

© André Görke

Wer aus der Backsteinkirche tritt, sieht vor allem Fahrspuren vor sich. Immerhin wurden auf dem schmalen Grünstreifen in der Mitte ein paar junge Bäume gepflanzt. Hier ein Vorher-Nachher-Vergleich im Tagesspiegel, wie der Straßenverlauf früher einmal war.

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Damals sah die Ecke schöner aus. Das zeigen 100 Jahre alte Postkarten, die Tagesspiegel-Leser Rainer Fliegner sammelt („Ich habe mehr als 1200 Postkarten von Spandau“).

Melanchthonkirche Die Melanchthonkirche vor mehr als 100 Jahren mit dem alten Verlauf der Adamstraße.

© Privatsammlung Fliegner

Noch eine kleine Kiez-Anekdote zur Melanchthonkirche und ihrem markanten Turm: Die Kirche mit ihren 350 Sitzplätzen wurde einst in nur sieben Monaten errichtet. Zur Eröffnung fehlten zwei Dinge: die Orgel und die Turmuhr. „Die Orgel ist inzwischen installiert“, schreibt die Kirche in ihrer Chronik, „die Uhren fehlen immer noch“.

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