Connor Storrie als Ilya Rozanov und Hudson Williams als Shane Hollander in der Serie "Heated Rivalry".

Stand: 22.01.2026 06:48 Uhr

Schwule Liebesgeschichten werden bei Streaminganbietern immer beliebter. Aktuell liegt die queere Sportserie „Heated Rivalry“ aus Kanada im Trend, die vor allem ein weibliches Publikum erreicht.

Von Dominic Konrad, SWR Kultur

Auf dem Eis sind Shane Hollander und Ilya Rozanov erbitterte Rivalen. Sie sind Hockey-Profis, zwei der prominentesten Gesichter der fiktiven Major Hockey League und Teamkapitäne der Mannschaften von Boston und Montreal. Doch was niemand wissen darf: Heimlich treffen sich die beiden Star-Athleten über Jahre für Sex, wenn sie in der gleichen Stadt sind – vor allem, wenn ihre Teams gegeneinander spielen.

Die kanadische Online-Serie „Heated Rivalry“ hat das Internet im Sturm erobert. Sie basiert auf der sechsbändigen Romanreihe „Game Changer“ der kanadischen Autorin Rachel Reid. Ende November erschienen die ersten Folgen beim kanadischen Streamingdienst Crave, international wird die Serie bei US-Anbieter HBO Max vertrieben.

Auf den gängigen Social-Media-Plattformen finden sich derzeit unzählige Clips und Fan-Videos mit den leidenschaftlichsten Momenten der Hauptfiguren und Interviewausschnitten ihrer Darsteller Hudson Williams und Connor Storrie.

Queere Figuren als bewusste Entscheidung

So überraschend der Erfolg einer Serie über schwule Liebe unter Hockeyspielern erscheinen mag – er kommt nicht von ungefähr. Die Unterhaltungsbranche der vergangenen zehn Jahre hat mehrere Beispiele von queeren Inhalten, die über die LGBTQ-Community hinaus erfolgreich liefen.

Einflussreiche Produzentinnen und Produzenten wie Ryan Murphy (unter anderem „American Horror Story“, „Glee“, „9-1-1“), Shonda Rhimes („Bridgerton“, „Grey’s Anatomy“) oder Greg Berlanti („Dawson’s Creek“, „Riverdale“) schreiben bewusst queere Hauptfiguren und Storylines in ihre Serien und Filme.

Berlanti führte 2018 auch beim Kinofilm „Love, Simon“ Regie, dem ersten Film eines großen Hollywood-Studios, der das Coming-Out eines Highschool-Schülers zum zentralen Thema machte. 2020 folgte mit „Love, Victor“ eine Fortsetzung im Serienformat auf Disney+.

Landeten 2022 einen ersten großen Erfolg mit schwuler Romantik: Joe Locke und Kit Connor in der Netflix-Serie „Heartstopper“.

Erste Erfolge mit „Heartstopper“ und „Royal Blue“

Auch andere Streaming-Anbieter feiern mit queeren Inhalten große Erfolge: 2022 ging die Comic-Adaption „Heartstopper“ von Netflix viral, ebenfalls eine romantische Coming-of-Age-Geschichte über zwei verliebte Jungs und ihren diversen Freundeskreis. 2026 wird sie nach drei Staffeln mit einem Film abgeschlossen.

„Royal Blue“ war 2023 auf Prime Video die meistgestreamte romantische Komödie des Jahres. Noch immer zählt der Film zu den erfolgreichsten Genretiteln des US-Streaming-Giganten. „Royal Blue“ folgt der geheimen Beziehung zwischen dem Sohn der US-Präsidentin und dem jüngeren Bruder des britischen Thronfolgers. Eine Fortsetzung wird derzeit gedreht.

Gerade zwischen „Heated Rivalry“ und „Royal Blue“ lassen sich Parallelen erkennen. Beide behandeln schwule Liebesbeziehungen in einer hypermaskulinen oder aber konservativ geprägten Öffentlichkeit, in der sich die Protagonisten vor der medialen Ausschlachtung und den Vorurteilen ihres Umfelds verstecken müssen.

Sohn der US-Präsidentin trifft britischen Prinzen: Taylor Zakhar Perez und Nicholas Galitzine in „Rot, weiß und königlich blau“.

Frauen reagieren auf „zugängliche Männlichkeit“

In beiden Fällen handelt es sich um Verfilmungen von Romanen weiblicher Autorinnen, die in den sozialen Medien viral gingen. Beide wurden an ein primär weibliches Publikum vermarktet, nicht an eine queere Zuschauerschaft.

Bei den Golden Globes am 11. Januar präsentierten die bislang relativ unbekannten Hauptdarsteller von „Heated Rivalry“, Hudson Williams und Connor Storrie, einen der Schauspielpreise. Dabei scherzten sie darüber, dass das Publikum sie nackt kennengelernt habe, zumindest die Frauen im Publikum.

Dass „Heated Rivalry“ gerade Frauen an die Bildschirme lockt, erklären sich die beiden Schauspieler in Interviews so: Die Serie sei sehr stark auf den einen weiblichen Blick ausgelegt. Im Gegensatz zu den gängigen Handlungsmustern heterosexueller Liebesfilme zeige „Heated Rivalry“ keine emotional verschlossenen Männer, die durch eine Frau „geknackt“ werden müssen. Die Serie präsentiere eine „zugängliche Form der Männlichkeit“, wie es Storrie formuliert.

Befeuert „Heated Rivalry“ das Genre?

Bedeutet der Erfolg von „Heated Rivalry“, dass künftig auch in Haupt-Storylines mehr queere Figuren auf den Fernsehbildschirmen zu sehen sein werden? Die Hemmschwelle für die Finanzierung solcher Film- und Serienprojekte könnten weiter sinken.

So rückte unlängst die geplante Serie „Cleat Cute“ als lesbisches Pendant von „Heated Rivalry“ in den Fokus des Interesses. Sie spielt im Profifußball. Auch in Deutschland haben insbesondere die öffentlich-rechtlichen Sender zuletzt vermehrt queere Themen im Serienformat umgesetzt, so die ZDF-Serie „House of Bellevue“ oder die ARD-Produktion „Schwarze Früchte“.

Gegenwind durch die Trump-Regierung

Zeitgleich stehen die großen US-Filmstudios durch die Politik der Trump-Regierung unter Druck, die ihr Weltbild auch in den Medien wiedergegeben sehen möchte. So setzte Netflix unlängst trotz großem Publikumserfolg und hervorragender Kritiken nach nur einer Staffel einen erfolgreichen queeren Titel ab.

Die Serie „Boots“ basiert auf den Memoiren von Greg Cope White, der sich als schwuler Teenager trotz Verbots bei den US-Marines verpflichtete und in der toxischen, hypermaskulinen Umgebung des Bootcamps die Enttarnung fürchtete. Das US-Kriegsministerium kritisierte die Serie in einer Stellungnahme als „woken Müll“. Es fragt sich, ob Netflix vor der geplanten Übernahme von Warner Bros. möglichst wenig Angriffsfläche für ideologische Auseinandersetzungen bieten möchte.

„Woker Müll“: Das US-Kriegsministerium attackierte die Serie „Boots“ mit Angus O’Brien und Miles Heizer.

Dessen ungeachtet setzt sich der Siegeszug von „Heated Rivalry“ im Internet weiter fort. Eine zweite Staffel wurde bereits im Dezember bestellt, die Produktion soll im Sommer starten. Im September erscheint zudem Band sieben der Romanreihe. Für das Publikum hierzulande beginnt die Serie mit dem Deutschland-Release am 6. Februar bei HBO Max.