
Australian Open aktuell
Wer ist weiter? Wer ist raus? Das Wichtigste von den besten Spielen am Donnerstag, kurz und kompakt.
Wawrinka gewinnt Generationen-Duell
Stan Wawrinka – Arthur Gea 4:6, 6:3, 3:6, 7:5, 7:6
Das Wort „Generationen-Duell“ wird im Sport, besonders beim Tennis, gerne etwas überstrapraziert. Beim Match zwischen Stan Wawrinka und Arthur Gea war es ausnahmsweise einmal völlig angebracht. Ganze 19 Jahre trennen den Schweizer Wawrinka (mittlerweile 40 Jahre alt) und den kurz vor den Australian Open 21 Jahre jung gewordenen Gea. Im Tennis wahrlich ein biblischer Altersunterschied – der im Match aber nie sichtbar war.
Qualifikant Gea, der in der ersten Runde Jiri Lehecka glatt in drei Sätzen bezwungen hatte, konnte zwar den ersten Satz für sich entscheiden, Wawrinka zeigte im Anschluss aber, warum er in seiner stolzen Vita drei Grand-Slam-Siege zu Buche stehen hat. Der 40-Jährige zeigte sich körperlich in bester Verfassung, sprühte vor Tennis-Lust und gewann mit einem Lächeln auf den Lippen Satz Nummer zwei und vier. Durchgang fünf wurde dann noch richtig dramatisch. Im Match-Tiebreak gewann Wawrinka diese denkwürdige Partie schließlich mit 10:3.
Swiatek setzt sich gegen Bouzkova durch
Iga Swiatek – Marie Bouzkova 6:2, 6:3
Dass Iga Swiatek, in Melbourne an Nummer zwei gesetzt, in ihrem Zweitrunden-Match auf eine Tschechin treffen würde, war eine sehr wahrscheinliche Möglichkeit. Nicht, weil die Polin ein andauerndes Tschechinnen-Losglück/Lospech hätte, nein, einfach aufgrund der mathematischen Wahrscheinlichkeit. Sage und schreibe acht Spielerinnen aus dem europäischen Land haben es in Australien in die zweite Runde geschafft und sieben davon standen am Donnerstag im Melbourne Park auf dem Platz. Ziemlich beeindruckend.
Swiatek war davon aber weniger beeindruckt und ging ihre Aufgabe gegen Marie Bouzkova äußerst konzentriert an. Nach gewonnenem erstem Satz brachte die Polin auch eine kurze Schwächephase im zweiten Durchgang nicht durcheinander. Die Folge: ein souveräner Zwei-Satz-Sieg der Turnier-Mitfavoritin, die in der dritten Runde nun auf Anna Kalinskaya trifft. Trost für alle Fans des tschechischen Tennis: Auch dort werden noch etliche tschechische Spielerinnen vertreten sein.
Siegemund nach Marathon-Match raus
Laura Siegemund – Maddison Inglis 4:6, 7:6, 6:7
Nachdem Laura Siegemund schon in der ersten Runde gegen Ljudmila Samsonova eine wahre Achterbahnfahrt mit Mega-Comeback erlebte, war auch die zweite Runde gegen Lokalmatadorin Maddison Inglis nichts für schwache Nerven – dieses Mal leider nicht mit dem besseren Ende für Siegemund. Nach mehr als drei Stunden stand es aus Sicht der 37-Jährigen 4:6, 7:6 und 6:7.
Djokovic ohne Mühe in Runde drei
Novak Djokovic – Francesco Maestrelli 6:3, 6:2, 6:2
Für Topfavoriten wie Novak Djokovic geht es in den ersten Runden bei Tennis-Grand-Slams neben dem Weiterkommen auch ein wenig um das „wie“. Oder, anders formuliert: um das „wie schnell“. Kraft sparen ist hier die Devise. Und bei diesem Thema kann bei den diesjährigen Australian Open dem Altmeister aus Serbien niemand einen Vorwurf machen.
Nachdem er bereits in Runde eins gerade einmal sieben Spiele abgab, hatte es der Rekord-Grand-Slam-Sieger auch in der zweiten Runde eilig. Gegner Francesco Maestrelli versuchte, machte, tat, ging ans Netz, variierte sein Spiel – es half nichts. Djokovic hatte auf jede Idee des Italieners die passende Antwort und siegte schlussendlich ohne Mühe mit 6:3, 6:2 und 6:2. Die Zeit dabei: 2:15 Stunden. Ganz im Sinne des Serben.
Novak Djokovic während des Matches gegen Francesco Maestrelli bei den Australian Open
Shelton fegt über Lokalmatador hinweg
Ben Shelton – Dane Sweeny 6:3, 6:2, 6:2
In Australien gegen einen Australier: oft eine unangenehme Aufgabe. Die Tennis-Fans in „Down Under“ sind euphorisch, wenn ein Lokalmatador auf dem Platz steht. Lautes Anfeuern, ein wenig Fußball-Atmosphäre, „wir gegen ihn“, „Aussie Aussie Aussie, Oi Oi Oi“: Da kann es schon einmal hitzig werden (auch wenn es in Melbourne wie an diesem Donnerstag ausnahmsweise mal „nur“ 18 Grad hat). So wie beim Spiel von Dane Sweeny gegen den US-Amerikaner Ben Shelton.
Das Problem aus australischer Sicht: Shelton hatte so richtig Lust auf die Rolle des Spielverderbers. Dem 23-Jährigen gefiel in bester Oliver-Kahn-Manier die Stimmung gegen ihn sichtlich. Er konnte sich auf seinen Raketen-Aufschlag verlassen und streute dazu immer wieder Ausnahme-Schläge ein. Nach nicht einmal zwei Stunden stand es 6:3, 6:2 und 6:2 für Shelton, der es im On-Court-Interview nach dem Spiel mit Blick auf die Zuschauer mit einem Lachen noch auf den Punkt brachte: „Ich liebe die Anfeuerungsrufe, ich liebe die Lautstärke, ich liebe die Hingabe, die ihr für diesen Sport habt – auch wenn ihr heute wolltet, dass ich rausfliege.“