Für das Jahr 2024 dokumentierte die Polizei Stuttgart insgesamt 173 Fälle von sogenannter „gemeinschädlicher Sachbeschädigung“, unter die etwa besagte Schmierereien, unrechtmäßig angebrachte Graffiti, Sachbeschädigungen durch Feuer und sonstige Beschädigungen fallen. Für das Jahr 2025 kann die Polizei noch keine Zahlen vorlegen. Als Schwerpunkt-Gebiete nennt eine Sprecherin der Polizei auf Anfrage jedoch den Bezirk Stuttgart-Mitte. Das bestätigt auch die Untere Denkmalschutzbehörde der Stadt. Das Amt nimmt nach eigenen Angaben eine starke Belastung durch Graffiti besonders an Gebäuden in der Hohenheimer Straße wahr. Was wird gegen diese Art der Zerstörung getan?
Polizeipräsenz und legale Sprayflächen in Stuttgart
Präventiv werde gegen Sachbeschädigung dieser Art mit verstärkter Polizeipräsenz in der Innenstadt, etwa in Form von Streifen, vorgegangen, heißt es seitens der Stuttgarter Polizei. Was illegale Graffiti angeht, verweist eine Sprecherin der Stadt Stuttgart zudem auf die drei legalen Sprayflächen der „Hall of Fame“ in Stuttgart-Bad Cannstatt. Zudem gestalte die kommunale Kriminalprävention in Zusammenarbeit mit Stuttgarter Künstlerinnen und Künstlern der Szene geeignete öffentliche Flächen mit Graffiti. „Dabei wird versucht, thematisch und gestalterisch auf die jeweiligen Eigenheiten der Umgebung einzugehen“, heißt es seitens der Stadt. Ein Beispiel ist etwa die S-Bahn-Haltestelle Sommerrain, die der Graffiti-Künstler Jeroo gestaltet hat – auch um andere, illegale Schmierereien zu vermeiden.
Denkmäler in Stuttgart immer wieder Ziel von Vandalismus
Im Fall der beschmierten Brezelkörble auf der Königstraße muss die Familie Frank, die die Bäckerei-Verkaufsstellen in der Stadtmitte betreibt, selbst ran und die Schmierereien entfernen, doch in vielen anderen Fällen sind der öffentliche Raum und damit die Stadt Stuttgart beziehungsweise das Land Baden-Württemberg verantwortlich dafür – etwa im Bereich der Denkmäler in Stuttgart, die ebenfalls häufig Ziel von Vandalismus werden.
Die Brezelkörble auf der Königstraße sind immer wieder Ziel von Vandalismus. Erst Anfang Januar wurde die Hütte nahe dem Hauptbahnhof beschmiert. Foto: Scheffel/StZN
Wie gehen diese Stellen damit um? Das Finanzministerium Baden-Württemberg, das für die Denkmalpflege unter anderem am Schlossplatz und im Schlossgarten zuständig ist, gibt an, Schäden „in Abstimmung mit fachkundigen Restauratoren schnellstmöglich“ zu beheben. „Damit soll auch Nachahmungen vorgebeugt werden“, so eine Sprecherin auf Anfrage. Das Verfahren zur Schadensbeseitigung werde je nach Material abgestimmt. „Ob bei Verlust eine Replik angefertigt werden soll, wird im jeweiligen Einzelfall mit den zuständigen Denkmalschutzbehörden entschieden“, heißt es.
Dass es auch Fälle gibt, in denen man sich dagegen entscheidet, zeigt der Fall der Brunnenputte „Kocher“ am Brunnen auf dem Schlossplatz, die im Jahr 2022 beschädigt wurde. Damals verwies das Finanzministerium auf „Authentizität“ als „besonderes Merkmal“ eines Kulturdenkmals. Deshalb würden beschädigte Kunstdenkmale weltweit im Normalfall nicht ergänzt, hieß es damals. Das Landesamt für Denkmalpflege verwies zudem darauf, dass die Beschädigung das Erscheinungsbild des Brunnens nicht beeinträchtige.
„Im Fall der Brunnenputte ,Kocher’ auf dem Schlossplatz war es so, dass der Schaden nicht unmittelbar, sondern erst später im Rahmen einer Brunnenreinigung festgestellt wurde“, erklärt Sebastian Engelmann, Sprecher des Finanzministeriums, auf Nachfrage. Zu diesem Zeitpunkt seien die fehlenden Teile nicht mehr auffindbar gewesen. In Abstimmung mit dem Denkmalschutz habe man auf eine Rekonstruktion verzichtet – zum Unmut vieler Stuttgarter sowie der Stiftung Stuttgarter Brünnele, die sich für den Erhalt der Wasserspiele einsetzt.
Welche Präventionsmaßnahmen ergreifen die Stadt Stuttgart und das Land?
Doch könnte man Zerstörungen wie diese nicht vermeiden? Was wird seitens des Landes präventiv gegen die Zerstörung oder Beschädigung von Kulturdenkmälern getan? „Teilweise bestehen an landeseigenen Liegenschaften unter anderem aufgrund der Verkehrssicherungspflicht Absperrungen und Beleuchtungsanlagen, die auch präventiv gegen Vandalismus wirken“, heißt es dazu seitens des Finanzministeriums. In Ausnahmefällen erfolge zudem eine Kameraüberwachung. Für größere Liegenschaften würden zudem teils private Sicherheitsdienste beauftragt, etwa auf der Solitude oder im Bereich des Rosensteinschlosses.
Was können Privatleute tun?
In Bereichen, die nicht unter Denkmalschutz stehen, sieht das anders aus. In der Regel müssen sich Eigentümer selbst um die Behebung der Schäden kümmern. Die Untere Denkmalschutzbehörde der Stadt Stuttgart merkt an, dass es Möglichkeiten gibt, Fassaden mit einem Graffiti-Schutz zu versehen. „Diese Maßnahme liegt in der Verantwortung der Eigentümerinnen und Eigentümer“, heißt es.
Kommunistische Parolen sind an zahlreiche Häuserwände in Bad Cannstatt gesprüht worden. In diesem Fall ermittelt der Staatsschutz. Foto: STZN
Schmierereien und Parolen an Hausfassaden wie besagte in Bad Cannstatt sind in Stuttgart längst keine Einzelfälle mehr. Auch in anderen Stadtteilen haben Anwohner damit zu kämpfen. Ein Leser berichtet unserer Zeitung etwa von Schmierereien und linken Parolen an Hausfassaden in Heslach, darunter auch Fälle, bei denen Flusssäure involviert war. Auch an einer Stadtbahnhaltestelle am Killesberg sowie am Marienplatz hatte es solche Vorfälle bereits gegeben.
„Um Graffiti auf öffentlichen Flächen möglichst schnell zu entfernen, arbeitet die kommunale Kriminalprävention unter anderem mit dem Schulverwaltungsamt oder dem Garten-, Forst-, und Friedhofsamt zusammen“, heißt es seitens der Stadt Stuttgart auf Anfrage. Auch Gelbe Karten lieferten Hinweise auf neue Graffiti. Bürgerinnen und Bürger seien angehalten, ihre Anliegen auf diesem Weg bei der Stadtverwaltung zu melden.
Bezüglich der Verschmutzung und Beschädigung privater Flächen arbeite die Stadt eng mit dem Förderverein Sicheres und Sauberes Stuttgart e.V. zusammen, heißt es. Die Stadt verweist auf einen Flyer mit Entfernungsmöglichkeiten und einem kostenfreien Beratungsangebot, der den betroffenen Hausbesitzern Hinweise gibt, wie sie vorgehen können.
Sauberkeitsoffensive für Stuttgart umfasst auch Graffiti
Darüber hinaus soll betroffenen Privatleuten künftig auch über neue Investitionen der Stadt unter die Arme gegriffen werden. Erst kürzlich hatte Oberbürgermeister Frank Nopper (CDU) eine neue Sauberkeitsoffensive für Stuttgart vorgestellt, die künftig neben Maßnahmen gegen die Beseitigung von Abfall auch Abhilfe gegen illegale Graffiti schaffen soll. Für die Jahre 2026 und 2027 plant die Stadt demnach jeweils Investitionen von 2,5 Millionen Euro, um Stuttgart sauberer zu machen. 100.000 Euro sollen über die kommunale Kriminalprävention bereitgestellt werden, um die Entfernung illegaler Schmierereien an Privatgebäuden zu fördern und Präventionsmaßnahmen voranzutreiben.