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Kiew/Berlin – Es ist bitterkalt in der Ukraine, in der Hauptstadt Kiew sind nach heftigen russischen Angriffen noch immer 3000 Häuser komplett ohne Strom. Keine Heizung, kein fließendes Wasser und das bei Außentemperaturen von bis zu minus 20 Grad. Wenn der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj (47) am Donnerstag in Davos (13 Uhr) auf US-Präsident Donald Trump (79) trifft, kann er es sich trotzdem nicht leisten, diese bittere Kälte mit an den Verhandlungstisch zu bringen.
Beim Aufeinandertreffen mit dem in den vergangenen Tagen vor allem beim Thema Grönland äußerst aufgeheizten Trump, könnte es sonst zur Explosion kommen. Dabei ist für Selenskyj eigentlich nur eine Sache wichtig: endlich Frieden für sein Land.
Witkoff und Kushner fliegen nach Moskau
Trumps Chefverhandler Steve Witkoff (68), der am Donnerstagabend mit Trump-Schwiegersohn Jared Kushner (45) zu Verhandlungen mit Kreml-Herrscher Wladimir Putin (73) nach Moskau fliegt, sagte in Davos, die Verhandlungen zur Beendigung des russischen Krieges in der Ukraine seien „auf ein einzelnes Problem eingegrenzt“. Man habe „mehrere Varianten dieses Problems diskutiert, was mir zeigt, dass es lösbar ist“, sagte Witkoff.
Um welches Thema es genau geht? Unklar. Allerdings war die bislang schwierigste Frage, die Aufteilung von Territorium. Russland fordert, dass die Ukraine die Kontrolle über den kompletten Donbas abtritt. Doch Kiews Streitkräfte kontrollieren dort weiterhin rund 20 Prozent der Fläche. Die Ukraine ist zudem verfassungsrechtlich dazu verpflichtet, über eine Gebietsabtretung ein Referendum abzuhalten – im Krieg praktisch unmöglich.

Eine Freiwillige gibt in Kiew warmes Essen aus. Noch immer sind 3000 Häuser ohne Strom
Foto: AP
Andere Themen, die auf dem Tisch liegen: Sicherheitsgarantien, der EU-Beitritt der Ukraine, die Wiederaufbauhilfe in Höhe von 678 Milliarden Euro und mögliche europäische Truppen in der Ukraine.
600.000 Ukrainer haben Kiew verlassen
Witkoff lobte derweil die Ukraine für ihr „außergewöhnliches Verhandlungsteam“, mit dem er nach eigener Schätzung mehr als 100 Stunden Gespräche geführt habe. Zudem sagte er, Selenskyj sei stets erreichbar und verfügbar gewesen, wenn Gespräche nötig waren.
Doch bisher gab es aus den Ukraine-Verhandlungen zwar viele warme Worte, aber nur wenig konkrete Tatsachen. Laut Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko (54) haben allein im Januar bisher 600.000 Ukrainer die Hauptstadt verlassen, weil sie unter den aktuellen eiskalten Bedingungen nicht mehr leben können. Die Ukraine zittert, teils wortwörtlich, bei den Fernverhandlungen zwischen Davos und Moskau tragbaren und umsetzbaren Ergebnissen entgegen.